Busfahren in Siegen-Wittgenstein wird wieder besser

Schnellere Verbindungen und bessere Anschlüsse wünschen die meisten Teilnehmer der ÖPNV-Befragung. Die ersten Konsequenzen stehen fest und werden zu Beginn des neuen Jahres umgesetzt.

Schnellere Verbindungen und bessere Anschlüsse wünschen die meisten Teilnehmer der ÖPNV-Befragung. Die ersten Konsequenzen stehen fest und werden zu Beginn des neuen Jahres umgesetzt.

Foto: Hendrik Schulz / WP

Siegen-Wittgenstein.  Schon ab 7. Januar wieder nonstop nach Kreuztal. Auch ein Schnellbussystem soll kommen.

Eigentlich sollte es nur um ein Stimmungsbild ein Jahr nach dem Start mit dem neuen Nahverkehrsplan gehen. Dann kam die Grippewelle dazu, die sich im Laufe der Monate als ausgewachsener Busfahrermangel entpuppte. Die Resonanz auf die ÖPNV-Befragung, mit der sich die Kreisverwaltung im Juli an alle Haushalte wandte, war entsprechend groß: Um die 1000 Einsendungen mit an die 5000 Hinweisen wurden ausgewertet. Am Mittwoch hat Landrat Andreas Müller über die Konsequenzen gesprochen. „Ich verstehe die Befragung für mich als Arbeitsauftrag. Ich will einen besseren ÖPNV.“ Vieles wird besser, manches sogar (fast) sofort.

Das ändert sich ab 7. Januar

Die R 10 fährt wieder durchgehend alle 15 Minuten von Siegen nach Kreuztal und zurück; das Zwangsumsteigen in Geisweid entfällt. Die Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS) werden dafür wieder genug Fahrer haben – aktuell, so Landrat Müller, fehlen noch 40.

Die R 27 von Siegen nach Bad Berleburg wird ab Weidenau über die HTS nach Dreis-Tiefenbach geschickt, „quasi als Schnellbus“, so Müller.

Das kommt später

Für die Fahrplanwechsel nach den Oster- und Sommerferien sind diese Veränderungen verabredet:

Die Linien 10, 11, 16, 51 und 130 werden so gelegt, dass zwischen Siegen und Weidenau ein 5- bis 7-Minuten-Takt entsteht. Ähnlich wird in Richtung Eiserfeld ein 7- bis 17-Minuten-Takt hergestellt. Um den Takt zu verdichten, werden auch die beiden Freudenberger Linien R 37 (über Alchen) und 38 (über Lindenberg) zeitlich voneinander weggeschoben.

Flammersbach wird künftig von der Linie 13 statt der Linie 12 bedient, die dann die Strecke Siegen-Wilnsdorf schneller schafft. Dadurch verliert Flammersbach die direkte Anbindung an Wilnsdorf.

Verändert werden die Fahrpläne, um bessere Anschlüsse zu schaffen: Der Schnellbus SB 4 (Siegen-Burbach) bekommt in Rödgen Anschluss an die R 14 nach Rinsdorf und in Wilnsdorf an die R 25. Der SB 5 (Siegen-Bad Laasphe) wird in Deuz mit der R 16 verknüpft, sodass alle zwei Stunden von Siegen eine schnelle Verbindung ins Johannland entsteht.

Das kommt neu

Mit Fördermitteln des Landes will der Kreis das Schnellbussystem ausbauen:

Der SB 1 (Siegen-Olpe) kommt wieder und fährt über die Autobahn – ein Angebot an Studierende aus dem Nachbarkreis, sagt Andreas Müller: „Das wurde unterschätzt.“

SB 4 und SB 5 werden auf einen Stundentakt verdichtet, derzeit fahren die Busse nur alle zwei Stunden.

Neu kommt ein Schnellbus Hilchenbach-Siegen über Herzhausen und Dreis-Tiefenbach, der um 30 Minuten versetzt zur Rothaarbahn fährt. Der Schnellbus soll über Giersberg und Kampen weiter nach Siegen fahren, in Dreis-Tiefenbach soll Anschluss zur R 16 geschaffen werden. Offen ist, ob die R 16 von dort immer über den Haardter Berg geschickt wird oder eine neue Linie von dort zur Uni eingesetzt wird.

Das ist Zukunftsmusik

Auf den Fragebogen steht der Wunsch nach mehr Fahrten auf den City-Linien auch am Samstag, nach durchgehenden Verbindungen zum Beispiel von Seelbach nach Weidenau oder von Eiserfeld nach Geisweid.

Zumindest Kleinbusse werden auf bisher allenfalls mit Taxibussen oder gar nicht versorgten Verbindungen wie Kreuztal-Freudenberg oder Siegen-Langenholdinghausen-Bühl-Freudenberg gewünscht.

Offen bleibt die Frage nach den Randzeiten. Wer zur Arbeit mit dem Bus fahren will, braucht ein Angebot morgens vor 6. Und wer aus Siegen nach Theater oder Konzert mit dem Bus nach Hause fahren will, braucht auch am Wochenende später Verbindungen.

„Das sind Hausaufgaben für übermorgen“, sagt Landrat Andreas Müller, der auf die ohnehin anstehenden Gutachten und Studien hinweist: Je nach Gerichtsurteilen wird der Kreis in Zugzwang kommen, über eine Neuausschreibung der Linienkonzessionen, die Rekommunalisierung des Nahverkehrs und einen neuen Nahverkehrsplan zu entscheiden. Am Fahrermangel ändert das nichts – allenfalls fahrerlose automatische Busse könnten da etwas bewirken. Und auch den Innenstadtstaus ist nur mit eigenen Bus- oder Umweltspuren beizukommen: „Solange die Busse mit den Autos im Stau stehen, macht das Umsteigen keinen Sinn.“ Sagt nicht der Landrat, sondern einer der Einsender zur ÖPNV-Umfrage.

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