Schutzausrüstung

Corona: Fab Lab der Uni Siegen druckt Gesichtsvisiere

In Schutzausrüstung bereitet Marios Mouratidis (Lab-Manager) den Laservorgang des Visiers vor.

In Schutzausrüstung bereitet Marios Mouratidis (Lab-Manager) den Laservorgang des Visiers vor.

Foto: Uni Siegen

Siegen.  Gesichtsvisiere aus dem 3D-Drucker zum Schutz vor Coronavirus-Tröpfcheninfektion: Das Fab Lab der Uni Siegen hilft medizinischen Einrichtungen.

Die Uni Siegen befindet sich im Minimalbetrieb – doch im zugehörigen Fab Lab am Siegener Herrengarten laufen die 3D-Drucker seit der vergangenen Woche ununterbrochen. In der Kreativwerkstatt für digitale Fabrikationsmethoden druckt, lasert und organisiert das siebenköpfige Team um Peter Kubior Gesichtsvisiere. Diese sollen die Träger und andere vor einer Tröpfcheninfektion mit dem Coronavirus schützen.

Die „Kunden“: Siegener Krankenhäuser im Corona-Modus

Die so genannten „Covid-Shields“ möchte das Fab Lab kostenfrei an Krankenhäuser in der Region ausgeben. Die Nachfrage ist groß: Drei Siegener Krankenhäuser haben sich schon gemeldet und Interesse an insgesamt 1300 Schildern bekundet.

Bevor die Produktion im Fab Lab starten konnte, gaben Landrat Andreas Müller und weitere Gremien grünes Licht. Auch die Universitätsleitung musste zustimmen, damit im Fab Lab in der aktuellen Situation überhaupt gearbeitet werden darf.

Die Arbeiten an den Gesichtsvisieren: Sicherheitsauflagen im Siegener Fab Lab

Dies geschieht unter strengen Sicherheitsvorkehrungen: Maximal zwei Personen dürfen vor Ort sein, sie müssen ausreichend Abstand zueinander halten und bei der Arbeit Mundschutz und Handschuhe tragen.

„Diese Maßnahmen sind auch wichtig, um die Sauberkeit der Einzelteile der Gesichtsvisiere zu garantieren“, erklärt Peter Kubior. Um ganz sicher zu gehen, lagern die Visierteile einige Tage im Fab Lab, bevor sie an die Krankenhäuser ausgegeben werden.

Das Netzwerk: Makers versus Virus stellt Entwürfe für Gesichtsvisiere bereit

Der verwendete Entwurf zur Produktion der Gesichtsvisiere stammt ursprünglich aus Tschechien. Zahlreiche Mitglieder der so genannten „Maker Szene“ verwenden diesen oder ähnliche und füttern ihre 3D-Drucker mit den digitalen Bauplänen.

In Deutschland hat sich das Netzwerk „Makers versus Virus“ gebildet, um gemeinsam zu helfen. „Da gibt es einen sehr guten Austausch und viele Tipps – zum Beispiel dazu, wo man Material herbekommt“, berichtet Peter Kubior.

Das Material: Das Siegener Fab Lab benötigt für Gesichtsvisiere Kunststoff

Benötigt werden durchsichtige Kunststoffplatten für die Visiere, außerdem Kunststoff zu Herstellung der Stirn-Reife, an denen diese befestigt werden – und elastische Lochbänder, mit denen der fertige Gesichtsschutz am Hinterkopf gehalten wird. „All diese Materialien sind aktuell Mangelware oder werden deutlich überteuert angeboten“, sagt Kubior. Das Fab Lab sei vor der Krise zum Glück gut mit Kunststoff ausgestattet gewesen.

Doch mittlerweile ist dieses Material so gut, wie aufgebraucht – Nachschub wird dringend benötigt. „Wenn das Material da ist, können wir unsere elf Drucker Tag und Nacht laufen lassen. Dann sind wir in der Lage, innerhalb kürzester Zeit sehr viele Teile der Shields zu produzieren“, versichert Peter Kubior.

Gesichtsvisiere bieten gewissen Schutz vor dem Coronavirus

Wichtig ist ihm noch zu betonen, dass die Gesichtsvisiere selbstverständlich keinen 100-prozentigen Schutz vor einer Ansteckung bieten. „Aber in Zeiten fehlender Schutzausrüstung helfen sie, das zeigt ja auch die große Nachfrage aus dem medizinischen Bereich.“

Das Fab Lab-Team prüft zurzeit auch, ob in den kommenden Wochen und Tagen noch weitere Teile gedruckt werden könnten, die in der aktuellen Krise helfen – beispielsweise Ventilstücke für medizinische Sauerstoff-Pumpen. „Da testen wir gerade, ob das für uns hier vor Ort machbar ist. Sollte es funktionieren und das nötige Material verfügbar sein, setzten wir das auf jeden Fall um“, sagt Peter Kubior.

Medizinische Einrichtungen können sich ans Siegener Fab Lab wenden

Medizinische Einrichtungen, die Interesse an den Gesichtsvisieren haben und Betriebe oder Privatpersonen, die die Produktion mit (Material-)Spenden unterstützen möchten, können sich per E-Mail bei Peter Kubior melden: .

Bei dem benötigten Material handelt es sich um PETG-Platten (transparent und klar) der Stärke 0,5 mm, PETG-Filament der Stärke 1,75 mm sowie elastische Lochgummibänder.

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