DAV Siegen

DAV Siegen feiert fünfjähriges Bestehen des Kletterzentrums

Menschen mit neurologischen Krankheiten können einmal im Monat im DAV Kletterzentrum Siegen ihre Krankheit hinter sich lassen, und die Wände hochkraxeln.

Menschen mit neurologischen Krankheiten können einmal im Monat im DAV Kletterzentrum Siegen ihre Krankheit hinter sich lassen, und die Wände hochkraxeln.

Foto: Tobias Schürmann / WP

Siegen.  Der DAV Siegerland feiert fünfjähriges Bestehen des Kletterzentrums am Effertsufer. Die Begeisterung für den Sport ohne Grenzen wächst stetig.

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Klar, am Anfang gab es auch Zweifler und Hürden, die überzeugt und überwunden werden mussten. Der Bau der Kletterhalle am Effertsufer vor fünf Jahren wurde besonders von Naturkletterern skeptisch bewertet. Doch die Überzeugungsarbeit der Mitglieder des DAV (Deutscher Alpenverein) Siegerland war erfolgreich. Und „mittlerweile ist das Kletterzentrum nicht mehr wegzudenken“, zeigt sich Thomas Riedlinger, Vorstandsmitglied des DAV Siegerland, bei der Feierstunde am Mittwoch erfreut.

DAV Siegerland mit 1000 neuen Mitgliedern

Klettern sei zuvor in der Region nur in der Natur möglich gewesen. „Wir wollten die Berge in die Stadt holen“, erläutert Riedlinger die Beweggründe für den Bau des Zentrums. Dass die „Indoor-Berge“ seitdem stetig größeren Anklang finden, zeigt sich nicht nur an den Mitgliederzahlen – der Verein zählt mehr als 1000 Neuanmeldungen in den vergangenen fünf Jahren – sondern auch an den verschiedenen Zielgruppen, die der Klettersport anspricht.

Am Anfang waren es zumeist die eigenen Vereinsmitglieder, die die Halle zum Klettern und Bouldern (eine Form des Kletterns, bei der ohne Gurt und Seil in Absprunghöhe geklettert wird) genutzt hätten. Doch das änderte sich schnell. „Mittlerweile klettern hier achtjährige Kinder ebenso wie Menschen im hohen Alter. Der älteste Besucher ist über 80 Jahre alt“, sagt der 52-jährige Dieter Stein, Vereinsmitglied und ehrenamtlicher Trainer. Jeden dritten Mittwoch im Monat wird ein „offener Nachmittag“ speziell für Kinder organisiert. Die geschulten Betreuer, die von der Einführung der Sicherheitshinweise bis zum Erklimmen der Wände nicht von der Seite der Teilnehmer weichen, werden dabei vom Verein gestellt.

Regelmäßige Kurse für Menschen mit Handicap

Ein Tag der offenen Tür unter dem Motto „geht nicht gibt‘s nicht“ für Menschen mit Handicap stieß auf so viel Interesse, dass kurzerhand eine eigenständige Gruppe ins Leben gerufen wurde. „Es war ein Gefühl von ‘Eroberung’ und ‘Bewältigung’ in mir. Ich fühlte mich einfach nur gut. Bestätigt und stolz“, schildert Miriam Krug, die aufgrund von Multiples Sklerose im Rollstuhl sitzt, ihre ersten Erfahrungen beim Klettern. Seit der Gründung 2016 trifft sich die Gruppe einmal im Monat in der Halle. „Klettern ist für alle da. Niemand wird ausgeschlossen. Ich könnte gemeinsam mit meiner Großmutter hierher kommen“, sagt Moritz Krämer, der mit seinen 28 Jahren auf fast zwanzig Jahre Vereinsmitgliedschaft zurückblicken kann und als Übungsleiter für verschiedene Gruppen tätig ist.

„Mag abgedroschen klingen, aber Sport verbindet einfach. Hier klettert der Angestellte neben seinem Chef“, sagt Moritz Krämer. Dass sich das durchschnittliche Leistungsniveau in der Halle über die letzten Jahre stetig gesteigert hätte, freue ihn zusätzlich. „Das macht einfach Bock zu sehen, dass die Leute hier einen Ehrgeiz entwickeln und sich verbessern wollen.“

Faszination Vielseitigkeit

Vom Klettersport ist er auch aufgrund seiner Vielseitigkeit in der Ausübung fasziniert. Man könne draußen wie drinnen klettern und würde dabei ständig neue Orte und Menschen kennenlernen. Langweilig werde es jedenfalls nie. „Auch weil man in der Halle die Klettergriffe umschrauben und so immer neue Wege schaffen kann“, pflichtet ihm Matthias Götting-Boller bei.

Für den 28-Jährigen sei es ähnlich wie mit dem Künstler, der vor seiner Leinwand steht und sich denkt, was er zeichnen könnte. „Wir stehen vor der Wand und kreieren immer neue Bewegungen und Herausforderungen. Klettern ist auch eine Art der Selbstverwirklichung für mich“, sagt der ehrenamtliche Übungsleiter.

Klettern auch ein Thema für die Krankenkassen

Über das Training von Körpergefühl, Koordination, Gleichgewicht, Kraft und Ausdauer hinaus würden auch Eigenverantwortung, Selbstbestimmtheit und Alltagssicherheit gefördert. Wissenschaftler der Fakultäten für Medizin und Psychologie der Universität Erlangen-Nürnberg haben in einer Studie sogar einen psychologischen Nutzten von Bouldern und Klettern nachweisen können.

Die (zusätzliche) Behandlung von Menschen, die an Depressionen leiden, mit Bouldern als therapeutischem Mittel sei hilfreich. „Das ist natürlich auch ein Thema bei uns. Wir schließen uns mit den Krankenkassen zusammen“, sagt Vorstandsmitglied Thomas Riedlinger.

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