Theater

„Der Messias“ im Gebrüder-Busch-Theater Dahlbruch

Schwab (links) stellt mit seinem  Kollegen Justin Lenoir die Schauspieler Theo und Bernhard dar, die zu zweit die Weihnachtsgeschichte aufführen wollen.

Foto: Wolfgang Leipold

Schwab (links) stellt mit seinem Kollegen Justin Lenoir die Schauspieler Theo und Bernhard dar, die zu zweit die Weihnachtsgeschichte aufführen wollen. Foto: Wolfgang Leipold

Dahlbruch.  Eine kleine Theatergruppe aus dem hessischen Selters führt das Stück auf: Eine Tour durch 2000 Jahre mit Verweisen auf Aktuelles und Lokales.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Fanfarenklänge durch den geschlossenen Bühnenvorhang. Laut und schräg. So schräg und vergnüglich, wie die folgenden 130 Minuten für das Publikum im Dahlbrucher Theater.

Schuld daran ist eine Theatergruppe aus dem hessischen Selters mit ihrem Frontmann Hans Schwab, der in Dahlbruch im Laufe der Jahrzehnte sicherlich die höchste Bühnenpräsenz hatte.

Schwab stellt mit seinem deutsch-französisch parlierenden Kollegen Justin Lenoir die Schauspieler Theo und Bernhard dar, die die Weihnachtsgeschichte aufführen wollen. Zu zweit. Denn auf Theaterdiener Max können sie nicht bauen.

Eher noch auf Frau Timm, eine arbeitslose Sängerin. Die wäre zwar für die Rolle der Maria wie geschaffen, ist aber nicht da. Der Regio-Express hatte Verspätung. Notgedrungen muss Bernhard die Rolle der Jesus-Mutter übernehmen.

Eine Tour durch 2000 Jahre

Es geht um die Geburt von Jesus und all das Geschichtliche, Religiöse und Pseudo-Religiöse, das sich um die Geburt herumrankt. Eine megaschräge Tour durch 2000 Jahre mit jeder Menge Verweise auf Aktuelles und Lokales.

Natürlich beginnt alles mit Maria und Josef. Er: „Willst du mich heiraten?“ Sie: „Ich bin doch erst 14.“ Sie tun es – und haben ständig Streit. Sie muss im Tempel Vorhänge nähen und er hat nach der Arbeit als Zimmermann jede Menge Durst.

Da hilft nur Bier aus einer Flasche mit Bügelverschluss. Und dann ist Josef auch noch sauer, weil Maria den Kühlschrank nicht nachgefüllt hat. Dass sie dann schwanger ist, überrascht ihn am meisten. Die Schauspieler nehmen das Publikum auf ihre Bühnenreise mit und das ist freudig dabei: Sie murren, lachen, machen Zwischenrufe, immer so, wie es die Situation erfordert.

Und die ändert sich schnell: Mal erscheinen Gott und sein Erzengel Gabriel, anschließend muss der atem- und kraftlose Spartakus gestützt werden, nachdem er 100 Frauen hintereinander geliebt hat. Herodes wird von Selbstzweifeln geplagt, Kaiser Augustus ordnet eine Volkszählung an. Das Publikum ist dagegen: „Du denkst wohl, wir sind deine Schafe!“

Ausflüge in die Jetztzeit

Und immer wieder Ausflüge in die Jetztzeit. Natürlich in der Person des amerikanischen Präsidentendarstellers, aber auch Franz Beckenbauers, „des brutalst-möglichen Spendeneintreibers der Nation, der uns 2006 das Sommermärchen beschert hat.“

Und die arbeitslose Sängerin? Doris Friedmann, die schon beim Siegener Sommerfestival als weiblicher Teil der „Bombastics“ für Spaß gesorgt hatte, kommt auch in Dahlbruch gut an. Ob bei „Jauchzet, frohlocket“, „Nehmt Abschied, Brüder“ oder dem berühmten „Halleluja“ aus Händels „Messias“: Vor ihren schräg-schrillen Interpretationen ist kein Klassiker sicher.

Eine Uraufführung kommt zum Schluss. Die Geburt eines Kindes, dargestellt von zwei Männern, gab es in der Region noch nie. Eine Hebamme und Josef unterstützen Maria nach besten Kräften bei ihren Presswehen. „Ich sehe den Kopf“, ruft die Hebamme, „Halleluja“ singt der Chor.

>>>> INFO: Die Vision: Kultur auch auf dem Land anbieten

Die Vision von Hans Schwab und seiner Frau Ronka Nickel: Kultur auf dem Land anbieten. In Selters entstand ihr kleines Theater „Brettl-Palast“.

Das ist seit Ende September vorbei: Sie haben ihr Theater geschlossen, weil vom Land Hessen keine finanzielle Unterstützung kam.

  • Die Lokalredaktion Siegen ist auch auf Facebook.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik