Wirtschaft

Dieselskandal beschäftigt IHK Siegen - Gegen Fahrverbot

Eine Umfrage der IHK hat ergeben, dass die Betriebe sich kein Dieselverbot in den Innenstädten wünschen.

Foto: Michael Kleinrensing

Eine Umfrage der IHK hat ergeben, dass die Betriebe sich kein Dieselverbot in den Innenstädten wünschen. Foto: Michael Kleinrensing

Siegen.   Eine Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammer Siegen ergibt: 87 Prozent der Betriebe lehnen Fahrverbot in Innenstädten ab.

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Kaum ein Thema hat in den vergangenen Wochen die bundespolitische Diskussion so bestimmt wie die Folgen des „Dieselskandals“. Eine Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK), an der sich 444 Unternehmen beteiligt haben, zeigt wie die Unternehmen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe zu dieser Diskussion stehen.

87 Prozent der antwortenden Betriebe lehnen ein künftiges Verbot von Dieselfahrzeugen in den Innenstädten ab. Mehr als Dreiviertel der Befragten (75,3 Prozent) stimmen der Aussage zu: „Die Dieseltechnik sollte von der Politik rehabilitiert werden. Sie wird weiter benötigt. Die künftigen Dieselautos erfüllen in absehbarer Zeit auch strengere Umweltnormen.“

Wirklichkeitsfremd und fehlgeleitet

„Die Ergebnisse zeigen, wie fehlgeleitet und wirklichkeitsfremd die Diskussion um innerstädtische Fahrverbote und ein generelles Zulassungsverbot von Dieselfahrzeugen aus Sicht der meisten Unternehmen ist. Sie geht nicht nur an den alltäglichen Erfordernissen der heimischen Wirtschaft vorbei, sondern bedroht auch die Existenz vor allem kleinerer und mittelgroßer Unternehmen“, sagt IHK-Präsident Felix G. Hensel. Die Betriebe wehrten sich gegen einseitige staatliche Vorgaben.

Das zeige auch die deutliche Ablehnung der Einführung einer Quote für Elektrofahrzeuge. 68,4 Prozent der befragten Unternehmen lehnten dieses Instrument in der Umfrage ab. Felix G. Hensel: „Auch die generelle Abschaffung aller Verbrennungsmotoren in der Zukunft stößt bei der Mehrzahl der Unternehmen auf Ablehnung. 72,3 Prozent der Firmen sehen hierin keinen zielführenden politischen Ansatz.“

Maßnahmen reichen nicht aus

Beinahe zwei Drittel der Unternehmen (63,5 Prozent) sind der Meinung, dass die auf den „Dieselgipfeln“ verabredeten Maßnahmen nicht ausreichen. Hierzu gehören Softwareaktualisierungen, die Beteiligung an öffentlich-privaten Fonds für intelligentere Verkehrssysteme sowie Umstiegsprämien. „Für die Aufarbeitung des Dieselskandals hält die heimische Wirtschaft offenkundig weitergehende Schritte für erforderlich.

Ein dynamisches Abwarten jedenfalls führt aus ihrer Sicht das Problem nicht wirklich der Lösung zu“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener. „72,9 Prozent der befragten Unternehmen sind der Auffassung, dass alle betroffenen Dieselfahrzeuge von den Automobilherstellern kostenlos mit besserer Technik (Abgasreinigung, Filtersysteme, AdBlue) nachgerüstet werden sollten“, so Gräbener. „Wer den Schaden verursacht, soll nach dem Willen der regionalen Firmen auch zu dessen Regulierung verpflichtet werden.“

Alternativen stärker fördern

Die Unternehmen zeigen sich offen für neue Technologien: Deutlich mehr als die Hälfte der Befragten (63,4 Prozent) sind der Auffassung, dass alle Alternativen zu den reinen klassischen Verbrennungsmotoren – wie E-Antriebe, Hybridsysteme, Erd- und Flüssiggas oder Wasserstoffantriebe – stärker gefördert werden sollten. Im Fokus liegt dabei die Brennstoffzellentechnologie.

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