Wiederaufbau

Nach Großbrand: Familie Spies aus Netphen bezieht neues Haus

Auf dem Hof Spies in Netphen hat sich Monate nach dem Großbrand einiges getan. Besitzer Manfred Spies ist von dem Stress gezeichnet.

Foto: Jennifer Wirth

Auf dem Hof Spies in Netphen hat sich Monate nach dem Großbrand einiges getan. Besitzer Manfred Spies ist von dem Stress gezeichnet. Foto: Jennifer Wirth

Netphen.   Seit dem Großbrand hat sich viel getan. Nun erholt sich die Familie Spies von den Strapazen der vergangenen Monate. Doch es gibt noch einiges zu tun.

Die Auffahrt zum Hof der Familie Spies in Netphen ist steil, der Boden aufgeweicht vom Siegerländer Wetter. Kaum oben angekommen wird klar: Hier hat sich seit dem fatalen Großbrand im April 2017 einiges getan.

Dort, wo Manfred Spies verzweifelt auf die Reste seines Hab und Guts blickte, steht nun ein neues Haus. Die weiße Farbe strahlt regelrecht. Ein Lichtblick, nach Monaten der harten Arbeit. Nach Rückschlägen, Wut und Verzweiflung.

Manfred Spies hat es geschafft: den Geburtstag seiner Mutter vereint in den eigenen vier Wänden zu feiern – das hatte er ihr versprochen, kurz nachdem das Feuer ihr gemeinsames Heim völlig zerstört hatte.

Gemeinsam mit einer Vielzahl von Helfern und seinem Sohn Axel ist er dafür an seine Grenzen gegangen. Er verschob die dringend nötige Reha nach seiner Operation, lief unter Schmerzen an der Krücke. Manfred Spies stellte seine eigenen Bedürfnisse hinter die seiner Familie.

Schicksalsschlag hat Manfred Spies verändert

Bei Arbeiten verletzte er sich dann zu allem Überfluss schwer an der Hand. Sein Daumen ist nun steif, doch „Hauptsache er ist dran“, so Spies.

Der Schicksalsschlag hat ihn verändert, er ist genügsamer geworden. „Schlimmer geht immer.“ Sein Ziel behielt er dennoch immer vor Augen. „Jeder hat gesagt, dass gibt nichts mehr bis Weihnachten“, so Manfred Spies, der in der Wohnung seiner Mutter Anneliese sitzt.

Neben ihm liegt schnarchend Hund Eddie mit dem Kopf auf der Lichterkette des bereits nadelnden Tannenbaums. Eddie scheint froh zu sein, nicht mehr mit Herrchen im Baucontainer schlafen zu müssen. „Es hat mir viel bedeutet, dass wir das Ziel erreicht haben“, sagt Manfred Spies.

Seit Mitte Dezember im neuen Haus

Mitte Dezember konnte die Familie das Haus abnehmen lassen und die erste Nacht darin verbringen. Um Geld zu sparen, kümmerten sich Manfred Spies und seine Helfer selbst um den Innenausbau. Das Erdgeschoss ist aufgeteilt in zwei Wohnungen für Manfred Spies und seine Mutter, oben wohnt Sohn Axel.

Einiges ist vor allem im Obergeschoss noch zu erledigen. Der Boden muss verlegt werden, Einrichtung fehlt. Doch für die Familie ist das Wichtigste, wieder unter einem Dach zu leben.

„Ich kann es immer noch nicht fassen. Alles ist weg ...“, sagt Mutter Anneliese und wischt sich die Tränen mit einem Tuch ab. Die Schocknachricht erhielt sie damals im Krankenhaus. Das Wohnhaus hatte sie einst gemeinsam mit ihrem Ehemann aufgebaut. Doch für die Hilfe, die ihrer Familie entgegengebracht wurde, ist sie sehr dankbar.

„Ich hatte so liebe Leute hier, die ihr Pferd hier stehen hatten. Sie haben mir alles gewaschen.“ Anders als bei den Männern konnten Teile ihres Eigentums gerettet werden. Was genau, darüber hat sie allerdings noch keinen Überblick. Vieles lagert noch an verschiedenen Orten ein.

„Noch ist alles chaotisch. Man weiß nicht, wo genau was ist“, sagt Manfred Spies. Die Situation nimmt die Familie nach wie vor sehr mit. „Die Anspannung geht so schnell nicht von einem runter, weil noch so viel vor einem liegt“, sagt er. „Wir haben alle eine Macke davon behalten. Vergessen kann man das nicht.“

Manfred Spies über die Brandnacht in Netphen

Manfred Spies aus Netphen über die Nacht als sein Bauernhof in Flammen stand. Video: Hartwig Sellmann
Manfred Spies über die Brandnacht in Netphen

Blick in die Zukunft

Die nächsten Schritte sind klar: „Wir wollen den Keller fertig machen, damit die Werkstatt fertig wird“, sagt Spies. Dann sollen die restlichen Arbeiten an der Maschinenhalle und dem Rinderstall beginnen. „Ab April kümmern wir uns dann um den Pferdestall.“ Wenn alles im Dezember 2018 fertig sei, dann sei die Gruppe „sehr, sehr gut“.

Doch der Hofbesitzer stellt zugleich klar: „Das geht nur durch viele Helfer. Jeder gibt seine Freizeit dafür, dass es nach vorn geht.“ Dafür ist er extrem dankbar. Zudem habe sich die Stadt Netphen sehr engagiert. „Der Bürgermeister hat alles getan.“ Möbelspenden haben im neuen Haus auch ihren Platz gefunden.

"Mal wieder lachen können..."

Für sich persönlich möchte Manfred Spies nun etwas tun: Er möchte endlich seine Reha nachholen, denn im Moment geht es ihm nicht gut. Die Schmerzen sind ihm deutlich anzusehen. „Wenn ich Pech habe, dann muss ich wieder ins Krankenhaus.“ Sein größter Wunsch? Gesund werden. „Keine Schmerzen haben und mal wieder lachen können ...“

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