Naturschutz

Freudenberg: Vom Aussterben bedrohte Tierart nachgewiesen

Das scheue Haselhuhn, hier ein stattlicher Hahn, ist wohl die seltenste Art im Siegerland und in ganz Nordrhein-Westfalen.  Es gilt als vom Aussterben bedroht.

Das scheue Haselhuhn, hier ein stattlicher Hahn, ist wohl die seltenste Art im Siegerland und in ganz Nordrhein-Westfalen.  Es gilt als vom Aussterben bedroht.

Foto: Damian Kuzdak / Getty Images/iStockphoto

Freudenberg  Gerhard Bottenberg vom Umweltverband NI hat in Freudenberg das Haselhuhn nachgewiesen. Nun fordert die Initiative Schutzmaßnahmen

Es ist äußerst scheu, hält sich meist in der Deckung des Unterholzes auf und wird deshalb auch nur sehr selten entdeckt. Die Rede ist vom Haselhuhn, der wohl seltensten Art im Siegerland und in ganz Nordrhein-Westfalen. Der Vogel gilt als vom Aussterben bedroht. Diplom-Ingenieur Gerhard Bottenberg, Länder- und Fachbeirat des Umweltverbandes Naturschutzinitiative (NI), gelang nun ein Nachweis des seltenen Haselhuhns in Freudenberg.

Auf Spurensuche in Freudenberg

Gerhard Bottenberg ist Haselhuhn-Experte und widmet sich seit Jahren der Suche nach dem Haselhuhn. Diese gestaltet sich äußerst langwierig, Erfolge sind rar - dafür aber umso wichtiger. „Auch wenn ich seit Jahren nach indirekten Nachweisen des Haselhuhns wie zum Beispiel Spuren suche, so wird der Nachweis bei einer so seltenen Art wie dem Haselhuhn oft bezweifelt“, erklärt Bottenberg. „Deshalb bin ich umso glücklicher, dass Dr. Franz Müller aus Gersfeld, ein international bekannter Haselhuhn- und Spurenexperte, mir diesen Fund bestätigte.“

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Davor gelang Bottenberg 2016 der Nachweis einer Spur des Haselhuhns, wodurch der jetzigen Fund plausibel wird. Der letzte tatsächliche Sichtnachweis liegt dagegen schon zehn Jahre zurück, die Naturschutzbehörden gingen daher bereits von einem Verschwinden der Art aus, was die neuerliche Sichtung umso bedeutender macht.

Biologe: Haselhuhn vergleichbar mit dem Schneeleoparden

„Das Haselhuhn ist für Deutschland vergleichbar mit dem Schneeleoparden am Himalaja, eine äußerst bedeutende und bedrohte Art, für die alles getan werden muss, damit sie nicht ausstirbt“, sagt Diplom-Biologe Immo Vollmer, Naturschutzreferent der NI. Im benachbarten Rheinland gäbe es sogar eine eigene Unterart.

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„Da von benachbarten Höhen und Tälern in einem fünf Kilometer Umkreis auch weitere Funde aus den letzten fünf Jahren existieren, wird das Gebiet zu den letzten Gebieten in Nordrhein-Westfalen gehören, wo noch Haselhühner vorkommen“, vermutet Vollmer. Auch im benachbarten Vogelschutzgebiet „Westerwald“ in Rheinland-Pfalz gäbe es Funde, die mit den Vorkommen bei Freudenberg in Verbindung stehen dürften. Das Haselhuhn reagiere empfindlich gegenüber einer Industrialisierung des Waldes durch Windkraftanlagen, so der Biologe.

Naturschutzinitiative fordert Verzicht auf Windkraftanlagen in Freudenberg

Der Umweltverband fordert daher sofortige und entschiedene Hilfsmaßnahmen, darunter die Ausweisung des Gebietes als EU-Vogelschutzgebiet und den Verzicht auf Windkraftplanungen in Habitaten des Haselhuhns - so wie aktuell am Kuhlenberg bei Freudenberg.

Das Land NRW und der Kreis Siegen-Wittgenstein müssten nun tätig werden, fordert die Naturschutzinitiative. Das Land sei durch die europäische Vogelschutzrichtlinie zum Schutz des Haselhuhns verpflichtet und hebe in seiner Biodiversitätsstrategie die hohe Verantwortung für den Vogel hervor.

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Die Vogelschutzwarte im Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) müsse nun Taten folgen lassen. In mehreren Fachpublikationen hätten Mitarbeiter der Behörde selbst festgestellt, dass eine sofortige Einleitung von Sicherungsmaßnahmen bei anerkannten Nachweisen notwendig seien.

Europäisches Vogelschutzgebiet in Freudenberg?

Eigentlich hätten entsprechende Konsequenzen schon dem Spurenfund von 2016 und einem weiteren, 2017 ebenfalls von Gerhard Bottenberg dokumentierten Fund am benachbarten Höhenzug Knippen folgen müssen. Passiert sei bisher aber leider nichts.

„Wir fordern daher, dass das Land endlich konkretisiert, wie es der Bedeutung des Waldgebietes südlich Freudenberg gerecht werden kann. Neben einer Maßnahmenplanung wie in Vogelschutzgebieten ist auch eine tatsächliche Handlungsumsetzung sowie die Nachmeldung eines Europäischen Vogelschutzgebietes dringend erforderlich“, fordern Immo Vollmer und Gerhard Bottenberg.

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