Architektur

Gontermann-Villa in Siegen bietet eine spektakuläre Aussicht

Die Fabrikantenvilla in der Fürst-Bülow-Straße 22 am Häusling ist Denkmal des Monats Oktober im 2019er Kalender der Arbeitsgemeinschaft Historischer Stadtkerne.

Die Fabrikantenvilla in der Fürst-Bülow-Straße 22 am Häusling ist Denkmal des Monats Oktober im 2019er Kalender der Arbeitsgemeinschaft Historischer Stadtkerne.

Foto: Florian Adam

Siegen.  Der Unternehmer Heinrich Gontermann ließ ab 1908 eine Fabrikantenvilla am Siegener Häusling errichten. Das Gebäude ist Denkmal des Monats.

Wer rein will, muss von hinten kommen. Die Villa, die der Unternehmer Heinrich Gontermann sich in den Jahren 1908 und 1909 in der Fürst-Bülow-Straße 22 bauen ließ und die im 2019er Kalender der Arbeitsgemeinschaft Historische Stadtkerne NRW Denkmal des Monats Oktober ist, hat den repräsentativen Haupteingang nämlich auf der Hangseite.

Aus gutem Grund: Denn von der anderen Gebäudeseite aus ergibt sich aus jedem Winkel ein phänomenaler Blick vom Häusling auf Siegen. Den wollte man schon damals schließlich nicht im Rücken haben.

Geschichtliches

Die zweigeschossige Fabrikantenvilla mit ihrem 4000-Quadratmeter-Grundstück und ihrer besonderen Lage – zentrumsnah und trotzdem mit tollem Panoramablick – sei „nicht nur Zeugnis des Lebensstils der Industriellen zur Zeit der Jahrhundertwende, sondern auch Teil der Stadtgeschichte“, sagte Stadtbaurat Henrik Schumann am Freitag beim Empfang zur Vorstellung des Baudenkmals.

Der Auftraggeber trug schließlich einen der prominentesten Unternehmernamen der städtischen Wirtschaftsgeschichte. Die Anfänge von Gontermann-Peipers gehen zurück ins Jahr 1825 – und das Unternehmen, das Walzen und Gussprodukte herstellt, gibt es immer noch.

Architektonisches

Der bekannte Architekt Georg Metzendorf baute das Haus im Stil der Reformarchitektur. Diese habe sich mit ihrer „klaren und schlichten Formensprache klar von der Verspieltheit des romantischen Historismus abgewandt“, wie Henrik Schumann erläutert, und „reflektiert damit die allgemeine Aufbruchstimmung“ des frühen 20. Jahrhunderts. Dennoch gibt es viele Details, viele klassische Elemente, die in Summe den ebenso spezifischen wie zeitlosen ästethischen Charme dieser Epoche zum Ausdruck bringen.

Das Sockelgeschoss aus behauenem Sandstein, die weiß verputzten Außenwände, das schiefergedeckte Mansardendach, der talseitige Giebel mit dem ovalen Fenster und die darunter befindliche Säulenhalle, auf der ein Altan mit Brüstung den großartigen Ausblick bietet, sind historische Elemente, die in der Gegenwart nichts an Reiz verloren haben – und es wahrscheinlich auch nie werden.

Konsequentes

Dass sich die Villa sowohl außen als auch innen in erstklassigem Zustand befindet, ist den aktuellen Besitzern – und Bewohnern – zu verdanken. Das Ehepaar Schikowski kaufte das Haus 2016 und startete 2017 mit der Sanierung. Gerade im Inneren gab es dabei viel zu tun, wie der Stadtbaurat betont.

Zuvor war das Gebäude für mehrere einzelne Mietparteien unterteilt, zeitweise wurde es sogar für studentisches Wohnen genutzt.


Aufwendiges

In enger Absprache mit der Unteren Denkmalbehörde bauten die Eheleute Einbauten, die über die Jahre eingesetzt wurden, zurück und legten charakteristische Architekturdetails wieder frei, beschreibt Henrik Schumann das Vorgehen.

Der Aufwand für ein solches Projekt sei finanziell und planerisch natürlich höher als bei vielen anderen Bau- oder Renovierungsvorhaben ohne Denkmalschutz-Hintergrund. „Es gehört schon was dazu, so etwas zu machen“, sagt Henrik Schumann. Dafür sei es aber auch „besonders spannend, wenn Menschen zeigen, wie sich modern in diesen Denkmälern leben lässt.“

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