Planung

Immer neue Konflikte um Kulturellen Marktplatz Dahlbruch

Die Lenne Therme plant einen Anbau an das Hallenbad Dahlbruch

Die Lenne Therme plant einen Anbau an das Hallenbad Dahlbruch

Foto: Krämer Architektur

Hilchenbach.  Der Hilchenbacher Rat „begrüßt“ die Planung für ein Fitnessstudio. Die Lenne Therme hätte mehr erwartet. Und andere auch.

Der Rat hat die Pläne der Lenne Therme zu Errichtung eines Fitnessstudios mit Sauna hinter dem Hallenbad „begrüßt“, die letzte Entscheidung aber von der Klärung einer Reihe von Fragen abhängig gemacht: Dabei geht es zum einen um die Vertragsbeziehungen zwischen Stadt und Unternehmen,. zum anderen um baurechtliche Themen, von denen auch der Kulturelle Marktplatz berührt ist: Aufstellflächen für die Feuerwehr, Parkplätze, womöglich eine Änderung des Bebauungsplans.

Was die Lenne Therme will

Das sei weniger, als er erhofft habe, räumt Ralf Wortmann, Bevollmächtigter der Lenne Therme, ein. „Es geht darum, dass ich nicht in Vorleistung für ein Projekt mit offenem Ausgang gehe.“ Realisieren möchten die Drolshagener das Vorhaben über einen Erbpachtvertrag für zehn Jahre. So lange dauert auch noch die Laufzeit des Betreibervertrages für das Hallenbad , und in dieser Zeit soll die 300.000-Euro-Investition auch abgeschrieben sein. Von dem ehrgeizigen Zeitplan, den Rohbau noch vor dem Baubeginn des Kulturellen Marktplatzes stehen zu haben, hat Ralf Wortmann sich längst verabschiedet. Das städtische 10-Millionen-Projekt habe „absoluten Vorrang“, sagte Wortmann, „auf ein halbes Jahr kommt es auch nicht an.“

Wen die Stadt verärgert

Der Stadt aber sehr wohl. Es habe „eine sehr deutliche Ansage“ der Bezirksregierung gegeben, „unverzüglich“ mit dem Bau zu beginnen, berichtete Bürgermeister Holger Menzel dem Rat, sonst gebe es „Schwierigkeiten bei der weiteren Förderung“. Die kämen dann noch zu den Verstimmungen zwischen Stadt und Nutzern und Förderern dazu. Dazu gehört der nachhaltig verärgerte Bürgerverein, der mit seinen 200 Mitgliedern beteiligt sein will und der der Stadt am Mittwoch die Zusammenarbeit vorerst aufgekündigt hat. Und das Jugendforum, das nicht nur mit seinen Vorschlägen zur Gestaltung des Jugendcafés No Limits aufgelaufen ist, sondern nun auch ein weiteres Mal.

Was mit dem Grundstück los ist

Das Gelände hinter dem Hallenbad war dem Jugendforum als Teil der Außenanlage des Kulturellen Marktplatzes angeboten worden – ausdrücklich auch zur Mitgestaltung, für die eigens ein Vor-Ort-Workshop mit einer Strohballen-Simulation von Mauern und verfügbaren Flächen anberaumt werden soll. Dieselbe Fläche soll aber, so die Lenne Therme, Bauplatz für Fitnessstudio und Sauna sein. Und für die Stadt Baustofflager und Aufstellplatz für den Baukran. Dass der Platz aber längst, zusammen mit dem Hallenbad, an die Lenne Therme verpachtet ist, erfuhr der Rat erst am Mittwoch in seiner nicht öffentlichen Sitzung.

Was die Jugend damit zu tun hat

Zuvor, in Anwesenheit der Vertretung des Jugendforums in dem Zuschauerrängen, hatte Stadtrat Udo Hoffmann in öffentlicher Sitzung betont, dass Hilchenbach keineswegs „Rechte von Jugendlichen besonders stiefmütterlich“ behandle, wie das in der Öffentlichkeit in den letzten Wochen suggeriert werde. Im Gegenteil: „Wir sehen uns als Vorreiter.“

Ein weiteres Mal ging es darum, Jugendlichen und ihrer Vertretung die Beteiligung an Ausschusssitzungen zu ermöglichen. Eine entsprechende Bürgereingabe hatte die Verwaltung zurückgewiesen: Die Jugendlichen seien nicht volljährig, die durch die Kommunalwahl geschaffenen Mehrheitsverhältnisse dürften nicht verändert werden. Die Grünen versuchten es mit einem neuen Antrag: Der Rat solle die Vertreter als sachkundige Einwohner mit Rede-, aber ohne Stimmrecht in die Ausschüsse wählen. Wählbar sein solle nur, wer auch in den Rat gewählt werden könne (EU-Bürger über 18, mindestens seit drei Monaten Wohnsitz in Hilchenbach).

Wie die Tür zugeschlagen wird

Dr. Peter Neuhaus (Grüne) warb für das Jugendforum, das qualifizierte Beiträge leiste, nicht nur zum Kulturellen Marktplatz. „Das verdient unsere Anerkennung.“ Tatsächlich gebe es in der Stadt eine starke Kinder- und Jugendarbeit und eine starke Beteiligung an kommunaler Politik. „Aber nichts ist so gut, dass man es nicht besser machen könnte.“

Carlos Garcia (Grüne) fand es falsch, Jugendliche auf die Zuschauerbänke zu schicken: „Wenn sie nicht reden dürfen, was sollen sie da?“ Der Kreis habe Jugendliche zu Beteiligungskonferenzen eingeladen – „nichts ist schlimmer als Scheinbeteiligung“, zitierte Garcia den Vorsitzenden des Jugendhilfeausschusses, Michael Plügge (SPD). Die Mehrheit änderte ihre Meinung nicht. Mit 23 gegen 7 Stimmen wurde auch der Antrag der Grünen abgelehnt; drei Ratsmitglieder, darunter der Bürgermeister, enthielten sich der Stimme.

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