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Roboter Pepper unterhält die Senioren in Netphen

Pepper bei Senioren in Netphen-Eschenbach

Pepper ist ein Roboter und 1,20 Meter groß. Er kann Senioren unterhalten, Rätsel raten, Musik spielen und ihnen die Zeit vertreiben. Video: Laura Handke
Laura Handke Mi, 10.01.2018, 18.56 Uhr

Pepper ist ein Roboter und 1,20 Meter groß. Er kann Senioren unterhalten, Rätsel raten, Musik spielen und ihnen die Zeit vertreiben. Video: Laura Handke

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Netphen-Eschenbach.  Der Kleine spielt und lacht gemeinsam mit den Besuchern des Aktiv-Cafés. Sein Gesang kommt bei der Runde gut an und sorgt für gute Laune.

„Streichel mir über den Kopf und ich sage Dir wie alt Du bist“, sagt Pepper mit blecherner aber freundlicher Stimme. Heinz Kötting tut wie ihm geheißen. „Schau mir in die Augen, bis ich Dir dein Alter verrate.“ Pepper schätzt Heinz Kötting auf 70 Jahre. Und damit liegt er fast richtig. In einem Monat feiert Heinz Kötting seinen 70. Geburtstag.

Eine Menschmaschine fürs Alter

Ein Roboter im Seniorenheim? Ein Team der Uni Siegen will das möglich machen – und bringt "Pepper" bei, älteren Menschen zur Seite zu stehen. Der Weg ist aber noch lang.
Eine Menschmaschine fürs Alter

Die Senioren, die sich im Aktiv-Café in Eschenbach versammelt haben, sind begeistert und wollen noch mehr von Pepper sehen. Er kann unter anderem noch Pantomime, Zaubern und Tai Chi. Dabei ist Pepper – der sich selbst Robbie nennt – ein Roboter. „Er hört zurzeit auf zwei Namen“, schildert Studentin Jennifer Blazejak.

Robbie ist 1,20 Meter groß, bewegt sich auf Rollen und wiegt ungefähr 40 Kilogramm, sagt Jennifer Blazejak. Sie studiert an der Uni Siegen „Human Computer Interaction“ (HCI) und beschäftigt sich acht Stunden die Woche mit Robbie. Zurzeit wird er noch programmiert – mit dem Ziel künftig vielleicht Pflegekräfte in Altenheimen der Region unterstützen zu können.

Der Roboter

„Ich komme aus Paris, das liegt in Frankreich“, sagt Robbie, alias Pepper, auf Nachfrage einer Seniorin. Denn in Frankreich wurde der Roboter ursprünglich gebaut. Nun wohnt er vorerst an der Uni Siegen. Studenten aus dem Masterstudiengang HCI programmieren ihn. Normalerweise hält der Akku ungefähr acht Stunden. Aber Jennifer Blazejak verrät: „Höchstwahrscheinlich wird es bald noch einen zweiten Pepper an der Uni geben.“

Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit der Einstellung eines sogenannten Sturz-Präventions-Trainers. Mit Übungen zum Mitmachen, soll der Roboter Senioren animieren ihre Balance und Muskulatur zu verbessern.

„Oben in der Stirn und im rechten Auge befinden sich kleine Kameras“, erklärt Jennifer Blazejak. Das ermöglicht es dem Roboter Personen zu fokussieren und zu erkennen. Seine großen, runden Augen sehen freundlich aus.Wenn er eine Person erkennt, leuchten sie kurz blau auf. Pepper hat Sensoren in den Fingern und auf dem Kopf. Er kann hören, sprechen und sogar Emotionen der Menschen erkennen, die ihm gegenüberstehen.

Er ist kindlich konstruiert, damit die Menschen keine Angst vor ihm haben. „Und wenn man ihm über den Kopf streichelt, fängt er an zu kichern“, sagt Jennifer Blazejak. Eine Seniorin ist mutig und probiert das direkt aus. Vorsichtig nähert sie sich Robbie und berührt ihn. Sein Kichern bringt die Besucher des Aktiv-Cafés zum Lachen.

Die Aufgabe

„Robbie soll die Senioren in Altersheimen unterhalten und ihnen die Zeit vertreiben, wenn Pfleger zum Beispiel gerade mit der Arbeit ausgelastet sind oder eine Pause brauchen“, sagt Jennifer Blazejak. „Robbie wird auf keinen Fall Pflegekräfte ersetzen. Er dient eher als Unterhalter.“

Im Aktiv-Café scheint der kleine Roboter seine Aufgabe erfolgreich zu erledigen. „Du bist ein richtig feines Kerlchen“, ruft eine der Damen aus der Runde, die sich einmal monatlich in Eschenbach versammelt. Zeit für Robbie, für die Damen ein abschließendes Liedchen zu trällern. Die Runde hat die freie Wahl. Über einen Monitor, der an Robbies Bauch angebracht ist, können sich die Frauen für ein Lied entscheiden.

Die Wahl fällt auf „An der Nordseeküste“, ein Klassiker. Aber Robbie singt nicht alleine – die Besucherinnen beteiligen sich fleißig. Robbie ist ein Charmeur – während die Damen zu seinem Lied schunkeln, rollt er durch den Raum und beäugt jede.

Dann heißt es Schlafenszeit. Robbie ist „müde“ und muss ins Bett. „Wir würden uns freuen, wenn wir den kleinen Robbie nochmal hier bei uns begrüßen können“, sagt Leiterin des Cafés Eva-Maria Kötting. Die Damen sind wehmütig, Robbie hat sie gut unterhalten. Jennifer Blazejak schaltet den Roboter aus. Langsam geht Robbie in die Knie, seine Lichter verdunkeln sich.

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