Misshandlungen

Burbach: Ex-Heimleiter soll Bewährungsstrafe bekommen

Sicherheitskräfte auf dem Gelände des Flüchtlingsheims in Burbach.

Sicherheitskräfte auf dem Gelände des Flüchtlingsheims in Burbach.

Foto: dpa (Archiv)

Burbach.  Über Monate sollen Flüchtlinge in einem Heim in Burbach misshandelt worden sein. Nun wurde das mögliche Strafmaß gegen den Ex-Heimleiter bekannt.

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Im Fall der monatelangen Misshandlungen von Flüchtlingen in einem Heim in Burbach muss sich nun der damalige Leiter der Einrichtung verantworten. Das abgetrennte Verfahren gegen den Mann vor dem Siegener Landgericht startete am Donnerstag.

Der Heimleiter, der beim damaligen Betreiber European Homecare (EHC) angestellt war, hatte ein Geständnis angekündigt. Ein Urteil ist einem Gerichtssprecher zufolge bereits am 22. Januar möglich.

Angeklagter Ex-Leiter: "Jeder wusste vom Problemzimmer"

In einer ersten Äußerung sagte der frühere Einrichtungsleiter, er habe eigentlich eine kaufmännische Ausbildung und sonst keine Qualifikation für eine solche Aufgabe. Die Existenz der "Problemzimmer" sei jedem Mitarbeiter der Burbacher Flüchtlingsunterkunft seinerzeit bekannt gewesen. Auch die nächsthöhere Hierarchieebene des Unternehmens European Homecare (EHC) habe demnach Bescheid gewusst. Er selbst habe den Job mehr oder weniger aus Alternativlosigkeit angenommen.

Auch zu einem möglichen Strafmaß wurden erste Details bekannt: Das Verfahren könnte auf eine Bewährungsstrafe von mindestens anderthalb Jahren und eine Geldbuße in Höhe von 1200 Euro hinauslaufen.

Flüchtlinge über neun Monate gequält

Am 8. November 2018 hatte der große Prozess gegen zunächst mehr als 30 Wachleute und Sozialbetreuer begonnen. Sie sollen Asylbewerber in der damaligen Notaufnahme-Einrichtung des Landes NRW im Siegerland über neun Monate hinweg bis September 2014 eingesperrt, geschlagen und gequält haben.

Die Beschuldigten sollen Flüchtlinge schon bei kleineren Verstößen gegen die Hausordnung in "Problemzimmer" eingesperrt, gedemütigt und misshandelt haben. Der Heimbetreiber EHC war ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Auch zwei Mitarbeiter der Bezirksregierung Arnsberg müssen sich verantworten, weil sie laut Anklage von der Nutzung der "Problemzimmer" wussten, aber nicht einschritten.

Drei Beschuldigte bereits verurteilt

Aktuell richtet sich das große Hauptverfahren noch gegen 26 Beschuldigte. Der Prozess gegen eine Person war am ersten Tag bereits aus formalen Gründen abgetrennt worden. Um das Verfahren zu beschleunigen, wurden später die Fälle von drei Geständigen ebenfalls abgekoppelt: Ein Wachmann wurde im Dezember zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt, zwei weitere Angeklagte zu einer Geldstrafe.

Eine dieser beiden Verurteilten - eine Wachfrau - habe Revision eingelegt, ihr Fall liege beim Bundesgerichtshof, schilderte der Sprecher des Landgerichts. Sie habe zwar die Tat eingeräumt. Aber die als Täterin verurteilte Frau sehe sich nur als "Gehilfin". (dpa)

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