Verkehr

Siegen: Busfahrer eines Flixbusses chattet am Steuer

Christian Giesler an der Bushaltestelle in Siegen. Er filmte einen Flixbus-Fahrer – es handelt sich nicht um den Bus auf diesem Foto – mehrmals während der Fahrt, wie dieser an seinem Handy Nachrichten schrieb.

Foto: Laura Handke

Christian Giesler an der Bushaltestelle in Siegen. Er filmte einen Flixbus-Fahrer – es handelt sich nicht um den Bus auf diesem Foto – mehrmals während der Fahrt, wie dieser an seinem Handy Nachrichten schrieb. Foto: Laura Handke

Siegen.   Für Christian Giesler kommen Touren mit dem Flixbus künftig nicht mehr in Frage. Der Siegener erlebte seine persönlichen Horror-Fahrten.

Bisher nutzte Christian Giesler häufiger den Flixbus, um von A nach B zu gelangen. Bei seinen letzten beiden Fahrten spielten sich allerdings Szenen ab, die den Siegener schockierten: Bei einer wurde er rausgeworfen, bei einer weiteren filmte er den Fahrer mehrmals, wie er auf seinem Handy Nachrichten schrieb – während der Fahrt auf der Autobahn.

Das ist passiert

Freitag, 20. Oktober:
Der Flixbus von Siegen nach Kiel hält in Dortmund – dort wollte auch Fahrgast Christian Giesler hin. Die Fahrt endete allerdings anders als erwartet: mit einem Rauswurf. „Direkt als wir losfuhren überfuhr der Bus eine rote Ampel, kurz danach die zweite.“ Auf der Autobahn habe der Fahrer öfter „ Spuren verwechselt und ohne Freisprechanlage telefoniert“.

Der Busfahrer sei ein Azubi gewesen; der Beifahrer habe ihn eingearbeitet. „Ich habe mich beim Beifahrer beschwert“, sagt Giesler. Aus einer Sprachnachricht, die er dabei aufgenommen habe, ginge fehlendes Verständnis hervor: Der Beifahrer habe ihn darauf hingewiesen, es sei Sache des Fahrers, ob er über Rot fahre. Seitens der anderen Fahrgäste habe es keine Unterstützung gegeben – für Giesler unverständlich, „schließlich geht’s auch um ihre Sicherheit.“

Es sei eine hitzige Diskussion entstanden. „Ich habe die Polizei kontaktiert“, sagt Giesler. Am Rastplatz Drögenpütt hielt der Bus an, dort traf auch die Polizei ein, die laut Giesler „auf der Seite des Busfahrers“ war. Eine Anzeige habe er nicht erstatten können.

Am Rastplatz sei er geblieben – der Busfahrer habe sich geweigert ihn mitzunehmen. Er habe sich bei Flixbus beschwert: „Ich bekam eine Mail, dass der Fahrer von seinem Hausrecht Gebrauch machen und Gäste von der Fahrt ausschließen kann.“ Er sei trotzdem rechtzeitig angekommen.

Dienstag, 24. Oktober:
Vier Tage später entschied sich Giesler wieder für eine Fahrt mit dem Flixbus – er habe sich unmittelbar hinter den Fahrer gesetzt und „kurz nach der Abfahrt ging es auch schon los“, so Giesler. „Der Fahrer hat sein Handy benutzt und immer wieder Nachrichten getippt“, ebenfalls sei er nicht angeschnallt gewesen. „Dann hat er bei über 100 km/h angefangen sein Aufladekabel zu suchen“, sagt Giesler empört.

Das Fehlverhalten habe der 31-Jährige auf Videos festgehalten – den Busfahrer habe er nicht angesprochen, „um nicht wieder auf einem Rastplatz zu landen“. In Siegen sei er auf direktem Wege zur Polizei: „Dort habe ich Anzeige für beide Vorfälle erstattet.“

Das sagt Flixbus

Das Fernbusunternehmen nehme Hinweise über Handynutzung der Fahrer ernst: „Die Sicherheit unserer Fahrgäste und der für uns eingesetzten Fahrer hat für uns Priorität“, betont David Krebs von der Pressestelle. Die Busfahrer seien bei kooperierenden Busunternehmen angestellt. Die Prüfung erfolge nach einem geregelten Prozess: „Wir hören uns fairerweise beide Seiten an.

Bestätigt sich der Vorwurf hat das Konsequenzen“, so Krebs. Diese können „von einer Abmahnung bis hin zu weiteren Maßnahmen wie Strafzahlungen reichen“. Generell würden Fahrer regelmäßig in Trainings geschult. Fühle sich ein Busfahrer belästigt oder gestört könne er vom Hausrecht Gebrauch machen und Fahrgäste von der Fahrt ausschließen. „Da liegt die Entscheidung beim jeweiligen Fahrer“, betont Krebs.

Das sagt die Polizei

Zwischen Auto- und Busfahrern werde, was Handys am Steuer angeht, nicht differenziert, betont Lars Dettmer von der Polizei-Pressestelle. Seit Mitte Oktober fiele das Bußgeld bereits höher aus: „Es wurde von 60 auf mindestens 100 Euro hochgesetzt“, so Dettmer. „Außerdem gibt es einen Punkt in Flensburg.“ Allerdings könne die Straßenverkehrsbehörde die Strafe unter bestimmten Bedingungen erhöhen, beispielsweise wenn der Fahrer öfter auffällig wird.

>>>> INFO: Das Beweismaterial

Das Beweismaterial umfasst eine Sprachnachricht sowie Videoaufnahmen. Christian Giesler habe das Material der Polizei vorgelegt.

Darf einfach gefilmt werden? Laut Polizeipressestelle ein komplexes Thema, bei dem der jeweilige Einzelfall geprüft werden müsse.

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