Bauprojekt

Siegen: Platane ist JMQ im Weg – Umweltschützer protestieren

Im Windschatten der früheren Gebäude wuchs die Platane in ihre heutige Form. Nun steht sie frei. Die Stadt führt auch die Verkehrssicherungspflicht als Grund einer möglichen Fällung an.

Im Windschatten der früheren Gebäude wuchs die Platane in ihre heutige Form. Nun steht sie frei. Die Stadt führt auch die Verkehrssicherungspflicht als Grund einer möglichen Fällung an.

Foto: Ines Schulte-Wilde / BUND

Siegen.  Stadt Siegen möchte Platane am ZOB zur Fällung freigeben – der Baum werde zu stark von den Bauarbeiten beschädigt. Dagegen regt sich Widerstand.

Ein Baum schlägt Wellen: Die Stadt Siegen möchte die große Platane am Siegener ZOB zur Fällung freigeben. Wie berichtet werde das Gewächs durch die Abriss- und Bauarbeiten zum künftigen Johann-Moritz-Quartier (JMQ) stark in Mitleidenschaft gezogen, der Hauptausschuss soll eine Dringlichkeitsentscheidung treffen. Dagegen regt sich Widerspruch.

Stadt Siegen und Bauherren: Platane zu stark in Mitleidenschaft gezogen

Die Platane ist etwa 70 Jahre alt und 18 Meter hoch. Ein Gutachter kommt zum Schluss, dass der Baum beschädigt werde, durch Kürzen der Krone aber könne versucht werden, die Platane zu erhalten. Daran hat die Stadt Zweifel und bestellte einen zweiten Sachverständigen. Dessen Ergebnis: Selbst wenn der Neubau nicht näher an den Baum rücken würde, wären Kürzungen nötig, weil das neue Gebäude etwa fünf Meter höher wird als das bisherige. Die Platane steht windgeschützt und ist entsprechend gewachsen. Nach dem Abriss steht der Baum aber frei und wäre Windlasten ausgesetzt, auf die er biomechanisch nicht eingestellt ist, so der Experte. Aus Gründen der Verkehrssicherheit müsse man darauf reagieren.

Das rückt zudem deutlich näher an die heran, das mache Kürzungen notwendig – erst recht wegen der Tiefbaumaßnahmen und Gerüste, was auch die Wurzeln angreifen könnte. Die Baumkrone wäre nur noch sehr asymmetrisch, es müsste zur Stabilität weiter gekürzt werden und es bliebe nur noch ein Torso, so der Gutachter. Diese Eingriffe in die Baumstruktur wäre gleichbedeutend mit einer unzulässigen Kappung – was auch dann gelte, wenn der Baukörper nicht näher an den Baum heranrückt. Zudem gäbe eine solche De-facto-Kappung ein schlechtes Beispiel für vergleichbare Fälle im privaten Raum. Daher: Fällen und Ersatz pflanzen.

Siegener Grüne und Naturschützer: Früher waren alle für den Erhalt der Platane

Die Siegener Grünen kritisieren, dass die Platane der neuen, erweiterten Planung der Bauherren im Wege stehe. Grundlage aller bisher öffentlich diskutierten Entwürfe sei der Erhalt des stadtbildprägenden Baums. „Heute sind der Beschluss des Rates und die Aussage des Bürgermeisters das Papier nicht mehr wert, auf das sie gedruckt wurden“, schreiben die Grünen.

Ohne Beteiligung der Öffentlichkeit und ohne Änderung des Bebauungsplanentwurfs solle die Fällung der Platane beschlossen werden – ohne eine „zwingend erforderliche Begründung für die Dringlichkeit der Entscheidung“ in der Vorlage zu nennen. Auch solle die Baumkommission zu einem Umlaufbeschluss genötigt werden, was nach Einschätzung des NRW-Innenministeriums rechtswidrig sei. „In einer Art Salamitaktik wurde die Fällung der Platane vorbereitet“, heißt es weiter.

Klammheimlich seien schon einige Äste gekappt worden, da bauliche Gegebenheiten „angeblich keine andere Wahl“ ließen. Es sei unbestreitbar, dass die Platane erhalten werden könne, was auch umgesetzt werden müsse. Ersatzpflanzungen könnten die stadtökologische Qualität der Platane wenn überhaupt erst in Jahrzehnten erreichen, „nichts weiter als ein Feigenblatt“.

BUND Siegen: Am ZOB gibt es weit und breit keine Grüninseln

Auch der Siegener Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) verweist auf die gefassten Beschlüsse, nach denen von einem Rückschnitt der Platane abgesehen werden solle. Der Vorstand fürchtet, dass sich „im Schatten der Coronakrise möglicherweise schneller als sonst unliebsame Fakten schaffen lassen“ und fragt sich, ob die Bestandsgarantie angesichts der geänderten Planungen des Investors noch gilt.

2019 habe Bürgermeister Steffen Mues versprochen, die Platane in jedem Fall erhalten zu wollen. Dass nun eine Gefahr von ihr ausgehen solle, sei neu für den BUND und nicht nachvollziehbar. Mängel beim Untergrund, Leitungen oder Abständen seien gern angeführte Gründe für neue Vorstellungen und Wünsche der Bauherren. „Der Rat der Stadt Siegen hat mit seinem Beschluss zum Klimaschutz erst vor wenigen Monaten zukunftsweisende Weichen gestellt und muss sich nun daran messen lassen.“ Ebenso an den Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes, das die Fällung und großflächige Beschneidung von Bäumen und Gehölzen nicht nur den Bürgern, sondern auch einer Stadtverwaltung untersage.

Der Baum sei stadtökologisch wichtig, spende Schutz und Schatten und könne durch einen jungen Baum keinesfalls ersetzt werden, mahnt der BUND. Im gesamten Bereich des Bahnhofs bis zur Hufeisenbrücke befinde sich keine nennenswerte Grüninsel. Daher appellieren die Umweltschützer: „Unser grünes Tafelsilber darf nicht zur Option stehen!“

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