Flogstra-Schrei

Siegen: Studenten schreien sich den Frust von der Seele

Flogsta Schrei: Studierende schreien ihren Frust heraus.

Flogsta Schrei: Studierende schreien ihren Frust heraus.

Foto: Anna Luise Schüttler

Siegen.  Eine schwedische Tradition hält Einzug in Siegen: Studenten kreischen auf dem Schlossplatz, um sich von Problemen freizumachen.

Die Uhr schlägt sechs und plötzlich schallen Schreie durch die Oberstadt rund um das Untere Schloss. Sechs Menschen stehen auf dem Schlossplatz und schreien voller Inbrunst. Flogsta-Schrei nennt sich das Phänomen aus der Universitätsstadt Uppsala in Schweden. Dort öffnen die Studierenden im Wohnheim jede Nacht um 22 Uhr die Fenster und lassen ordentlich Dampf ab.

Es ist eine Tradition, die hilft, mit Stress umzugehen und die besonders durch YouTube in den vergangenen Jahren an Bekanntheit gewonnen hat. Dieser Brauch wurde jetzt dank der internationalen Schnitzeljagd GISH nach Siegen getragen. Eine der zweihundert wohltätigen, kreativen und verrückten Aufgaben von GISH war es, einen Flogsta-Schrei zu veranstalten und möglichst viele Menschen dazu zu bringen, in der Öffentlichkeit ihren Frust herauszuschreien. „Ich war echt gespannt, wie viele Leute am Ende kommen“, sagt Mit-Organisatorin Lina Klöpper. Für die Planung hatte sie nur eine Woche Zeit – und aufgrund der Semesterferien konnte sie nur schlecht einschätzen, wie viele Leute tatsächlich kommen würden.

Gemischte Gefühle erzeugt

Bevor es los geht, werden die Polizei, die Bibliothek und das Museum vor dem Schrei gewarnt. Um kurz vor sechs Uhr stellen sich die Teilnehmer zusammen. „Ich habe mich selbst vorher noch nie schreien hören“, sagt eine Teilnehmerin aufgeregt. Als die Uhr dann auf Sechs springt, schreien alle gemeinsam los. Schon nach ein paar Sekunden wird das Schreien jedoch zum Lachen und es wird beinahe euphorisch. Jeder trägt etwas mit sich herum, das ihn frustriert und in dieser Minute lassen es alle heraus. Die Aktion wird gefilmt: Denn um die Aufgabe der Schnitzeljagd erfüllen zu können, ist ein Beweis nötig.

Es hat etwas Befremdliches, mitten auf dem Platz zu stehen und so mit einer sozialen Norm zu brechen. Gleichzeitig war die Situation aber so grotesk, dass man einfach lachen musste. Es löst ein Gefühl der Verbundenheit aus, sich gemeinsam in der Öffentlichkeit so gehen zu lassen. „Es hatte wirklich etwas Befreiendes“, sagt Kristin Scheller, die an der Uni Siegen studiert.

Symphonie der Frustration

Nachdem die Minute vorbei ist, analysieren alle Teilnehmer gemeinsam das Video. Auch wenn es schwierig ist, die verschiedenen Schreie auseinanderzuhalten, ist es doch sehr interessant, sich diese Symphonie der Frustration genauer anzuhören. Eine Person hält konstant einen Ton, während andere beinahe vogelähnlich kreischen oder wie auf der Achterbahn grölen.

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