Geschichte

Siegerlandmuseum geht in den Bunkern digitale Wege

Die Bunker am Oberen Schloss werden zur Erweiterung des Siegerlandmuseums genutzt. Digitalisierung ist dabei ein Hauptthema.

Die Bunker am Oberen Schloss werden zur Erweiterung des Siegerlandmuseums genutzt. Digitalisierung ist dabei ein Hauptthema.

Foto: Florian Adam

Siegen.  Die Konzeption für die Erweiterung des Siegerlandmuseums nimmt Form an. Dabei geht es vor allem um digitale Wege der Vermittlung.

Der Rahmen für die Neukonzeption des Siegerlandmuseums soll in wenigen Wochen so weit stehen, dass die Stadt die Kriterien für den Wettbewerb zum Umbau der beiden Bunker an der Burgstraße formulieren kann. In den beiden Betonbauten soll bekanntlich die Erweiterung des Museums einziehen.

Dabei geht es nicht nur um räumliche Vergrößerung, sondern vor allem um einen Ausbau der Möglichkeiten via Digitalisierung, wie Astrid Schneider, Leiterin der Kulturabteilung, unterstreicht: „Kann man Stoff so vermitteln, dass Grundschulkinder, junge Erwachsene und Familien ins Museum kommen – nicht, weil sie ein Mal im Jahr müssen, sondern weil es ihnen gefällt?“

Vorlauf

Die Antwort, da ist Astrid Schneide sicher: Man kann. „Aber eine pauschale Antwort gibt es nicht, da muss man sich jeden Gegenstand einzeln anschauen.“ Eben deshalb ist der Vorlauf auch einigermaßen lang. Im Dezember 2017 hatte der Rat der Stadt Siegen zugestimmt, die beiden Bunker zu kaufen. Dort sollen der Sonderausstellungsbereich, die Stadt- und Wirtschaftsgeschichte und eine Lehr- und Lernwerkstatt als so genannter außerschulischer Lernort unterkommen.

Anforderungen

„Ausgangspunkt bleibt immer das Artefakt, der reale Gegenstand“, sagt die Leiterin der Kulturabteilung. Aber die Zeiten, wo eine kleine Texttafel neben dem Exponat ausreichend war, um jemanden vom Hocker zu hauen, seien vorbei: „Wir müssen uns auf zeitgemäßen Medienkonsum einstellen. Gerade bei ‘Digital Natives’ reicht es nicht, einen Klotz hinzustellen und zu sagen: ‘Schau mal, der ist alt’.“

Erfahrungen

Seit etwa anderthalb Jahren entwickelt eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Stadt, der Uni, Museumsleiterin Prof. Ursula Blanchebarbe, einem Vertreter der Bergbaufreunde Siegerland und des Kreises – der mit seinem geplanten Dokumentationszentrum zur Wirtschaftsgeschichte aufgrund der inhaltlichen Übereinstimmung an das Siegerlandmuseum andocken soll – das Konzept. Basis ist das in enger Kooperation mit der Uni Siegen bereits realisierte Projekt „Zeit.Raum Siegen“ mit seinem 3D-Stadtmodell in der Kutschenhalle des Oberen Schlosses. Das interaktive Modell der Innen- und Oberstadt lässt sich über Gesten und Berührungen steuern und liefert über Monitore Infos zu Gebäuden und sonstigen Orten.

Ideen

Das Modell einfach zu vergrößern sei wenig zweckmäßig, sagt Astrid Schneider. Naheliegend, denn ab einer gewissen Größe können auch die längsten Arme nicht mehr jeden Punkt erreichen. Allerdings liegen die von Prof. Monika Jarosch (Uni Siegen) erhobenen Geodäsiedaten, nach denen das Modell geformt ist, für Siegen und Umgebung vor, so dass sich virtuelle Modelle erschaffen ließen. „Stellen Sie sich einen Raum vor mit Projektionsflächen für Bilder von Siegen zu verschiedenen Epochen“, skizziert Astrid Schneider. Via Interface ließe sich von den Kelten bis zur Gegenwart „eine Reise durch Zeit und Raum machen“.

Potenziale

Die realen Ausstellungsstücke würden dadurch nicht ersetzt. Der Kontext, auf den sie verweisen, würde plastischer vermittelt. Außerdem ließen sich digitale Infos abrufen, nicht nur Text, sondern auch Audiodateien, Filme und Querverweise, so dass der Besucher seinen Weg durchs Museum anhand seiner individuellen Interessen finden kann. Es gehe dabei keineswegs um flaches Event-Entertainment, sondern um die Verknüpfung von validen Inhalten mit faszinierender Präsentation: „Nicht nur neue Erlebnis-, sondern auch neue Erkenntniswelten“, wie Astrid Schneider sagt. Mitte der 2020er Jahre könnte es soweit sein.

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