Bauhof-Prozess und die Folgen (2)

Staatsanwalt ermittelt wegen Falschaussage

Prozessauftakt am 9. März 2010

Prozessauftakt am 9. März 2010

Foto: WR

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Hilchenbach.Nach 15 Verhandlungstagen hatte die erste große Strafkammer am Landgericht Siegen am 8. Juli ihr Urteil gesprochen .

Das war genau zwei Jahre nach dem letzten Angriff auf den Landschaftsgärtner Bernd D., der daraufhin sein jahrelanges Martyrium nicht länger geheim hielt.

Auf der Anklagebank saß eine komplette Kolonne des Bauhofs. Einer der vier Angeklagten wurde frei gesprochen, einer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Zwei der ehemaligen Bauhofarbeiter wurden wegen 20- beziehungsweise 17-facher Körperverletzung, begangen an ihrem Kollegen, Raub und Nötigung zu vier Jahren und zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft legte gegen den Freispruch, die Verteidigung gegen die nicht zur Bewährung ausgesetzten Haftstrafen Revision ein. Das schriftliche Urteil wird in diesen Tagen zugestellt; erst dann läuft die Monatsfrist, in der die Revision beim Bundesgerichtshof begründet werden muss.

Weiter anhängig sind Ermittlungsverfahren gegen den früheren Chef des Bauhofs und seinen Stellvertreter. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob sie wegen „Körperverletzung durch Unterlassen“ angeklagt werden sollen. Im „Bauhofprozess“ hatte der Stellvertreter daher sein Recht auf Aussageverweigerung in Anspruch genommen. Der ehemalige Bauhofleiter hatte indes beteuert, von den Vorfällen, die der Vorsitzende Richter auch als „exzessives Mobbing“ bezeichnete, nichts mitbekommen zu haben. Daraufhin hat die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen auf den Vorwurf der Falschaussage erweitert. Beim Arbeitsgericht wurden zwei Kündigungsschutzklagen durch Vergleiche erledigt, eine ist noch anhängig. Der Hauptangeklagte zog die Klage nach seiner Verurteilung zurück. Der freigesprochene ehemalige Kolonnenführer fordert derzeit seine Wiedereinstellung.

Bernd D. ist an seinen Arbeitsplatz im Bauhof nicht zurückgekehrt. Um ihm die weitere Konfrontation mit seinen Peinigern nicht erneut zuzumuten, hatte Landrat Paul Breuer selbst für D.’s „Abordnung“ durch die Stadt zum Kreis gesorgt.

Berichterstattung
hat Echo

Das Echo auf die Berichterstattung über den Prozess machte sich auch im Rathaus bemerkbar. „Ich werde diesen Ort nicht mehr passieren, ohne an Einzelheiten zu denken, wie vier Menschen einen anderen Menschen quälten“, heißt es in einer Zuschrift an den Bürgermeister: „Was hat die Stadt für Bernd D. und seine Mutter getan?“ Neben einer Entschuldigung könne ein Erholungsurlaub für das Opfer und seine Angehörigen in Frage kommen – „weit ab von Hilchenbach“.

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