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Auslandsstudium: So anders ist das Studieren in Japan

Auch in Japan hat der Herbst im November Einzug gehalten - die Blätter verfärben sich rot.

Foto: Jan Lindner

Auch in Japan hat der Herbst im November Einzug gehalten - die Blätter verfärben sich rot. Foto: Jan Lindner

Kyōto.   Hausarbeiten sind nicht gleich Hausarbeiten und die Jobsuche ist eine ganz große Sache, aber Kyōto hat auch sehr schöne Seiten.

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Im vergangenen Monat habe ich gemerkt, wie unterschiedlich das Studieren in Japan und in Deutschland ist. Als kleines Beispiel nenne ich mal das Thema Hausarbeiten. In Deutschland fängt (zumindest in meinem Studienfach) eine Hausarbeit bei circa sechs bis zehn Seiten an und endet meistens bei zwölf bis sechszehn. Hier in Japan sagte eine Dozentin vor kurzem, dass als Hausarbeit bitte 600 bis 1000 Zeichen abgegeben werden sollen: das entspricht circa einer oder anderthalb Seiten. Meine Dozenten an der Uni Köln würden mir die Exmatrikulation sofort in die Hand drücken, wenn ich 1000 Zeichen als Hausarbeit bezeichnen und abgeben würde. Man sieht also – die Herangehensweisen sind sehr unterschiedlich. Auch die Gruppenarbeiten sind ein leidiges Thema, um das ich nicht herumkomme: Einer meiner Dozenten hat spontan seine Veranstaltung vom Seminar zum Workshop geändert, indem in Kleingruppen Themen erarbeitet werden sollen — eigentlich. Denn die Realität sieht meistens so aus, dass die gesamte Arbeit oft an einer oder zwei Personen hängen bleibt. In diesem Fall kann man auch alleine an einem Thema arbeiten und die Verantwortung voll und ganz für sich selbst tragen.

Auch der Alltag für Studis in Japan ist im Vergleich zu Deutschland der Horror: Die Studiengebühren sind für deutsche Verhältnisse unbezahlbar und die Mietpreise ziemlich hoch . Ich habe japanische Kommilitonen, die durchaus zwei Nebenjobs haben, um sich überhaupt über Wasser halten zu können. Sobald dann noch die offizielle Jobsuche beginnt, ist das Chaos perfekt. Es müssen nicht nur Bewerbungsunterlagen, sondern auch neue Anzüge und bürotaugliche Klamotten gekauft werden. Konformität wird in Zeiten der Jobsuche ebenfalls erfordert und gewünscht. Also kann man sich beim derzeitigen Stand glücklich schätzen, nur einen Semesterbeitrag in Deutschland bezahlen zu müssen und mit bunten Haaren gar nicht so sehr aus dem Raster zu fallen.

Natürlich hat das Leben hier auch schöne Seiten, die bunte Laubfärbung zum Beispiel. Außerdem bin ich im November auch an sehr schönen Orten gewesen, wie auf dem Berg Hiei im Nordosten Kyōtos, von dem man einen tollen Ausblick über die Stadt und den Biwa-See, den größten See Japans, hat.

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