Tourismus

Urlaub im Siegerland soll „hip“ und „inspirierend“ sein

Die Hilchenbacher Ginsburg: Für ein  gutes Gefühl, so die Annahme der Touristik-Strategen, reisen Menschen auch weiter als 150 Kilometer nach Siegen-Wittgenstein.

Die Hilchenbacher Ginsburg: Für ein gutes Gefühl, so die Annahme der Touristik-Strategen, reisen Menschen auch weiter als 150 Kilometer nach Siegen-Wittgenstein.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Siegen.  Einfach nur wandern war gestern: Beim Tourismustreff in Siegen geht es um Zukunft, das Sauerland und die Konzentration der Kräfte.

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„Strategische touristische Regionalentwicklung“? Beim Tourismustreff mit Kommunalpolitikern und Touristikern der Region spielt die sperrige Überschrift für die Tagesordnungen der anstehenden politischen Beratungen keine Rolle. Man spricht Klartext am frühen Montagabend im siebten Stock des Sparkassen-Gebäudes: „Langweilige Wanderferien“ für die Generation 70+ waren gestern, Siegerland-Wittgenstein und Sauerland werden „hippe, sportive Destinationen“ auch für jüngeres Publikum.

Meinungen

Günter Zimmermann, stellvertretender Vorstandschef der Sparkasse, erinnert daran, wie er vor 15 Jahren von Hannover zu seinem neuen Job kam: „Es gab keinen Ruf des Siegerlandes – ich musste erst mal auf die Landkarte schauen.“ Sie neue Heimat hatte Geheimnisse, die zu entdecken waren. So viel Zeit ist heute nicht mehr. „Niemand will mehr anrufen, eine E-Mail schreiben und womöglich noch auf Antwort warten müssen“, sagt Landrat Andreas Müller, „wer nicht online buchbar ist, wird nicht mehr wahrgenommen.“ Das Ergebnis von beidem, also das modern gebuchte Gefühlserlebnis, nennt Christian Stühring vom NRW Tourismus die „analogen Erlebnisse in der digitalen Welt“.

Strategie

Dr. Mathias Feige vom Münchner Institut dwif hat zusammen mit den örtlichen Akteure die Strategie für die Region erarbeitet. Das sind seine Botschaften:

„Wir wissen, dass da noch Baustellen sind“, sagt Dr. Mathias Feige, „es gibt Spitzenquartiere, aber zu wenige.“ Die Mängel sind mit Service und guter Lage nicht wettzumachen.

Alle freuen sich, wenn’s schön ist.“ Soll heißen: Die Region soll nicht nur Touristen gefallen, sondern auch den Menschen, die hier wohnen und arbeiten. „Lebensraummanagement“ heißt das.

„Wie ticken Sie eigentlich?“ Die Region muss wissen, warum jemand hier Urlaub machen soll. Nicht, weil es hier billig ist oder weil man schnell hinkommt. Sondern weil hier die „inspirierende Outdoorregion“ ist. Der Begriff kommt heraus, wenn Touristiker die Eigenschaften „aufrichtig“, „bewahrend“, „geborgen“ und „zukunftsorientiert“ verbinden.

„Sie können Winter ohne Schnee – darauf müssen sich eh alle einstellen.“ Siegerland-Wittgenstein könne die „erste wirklich nachhaltige Wintersport-Destination“ werden. Und beim Wandern die „Marktführerschaft ausbauen“. Radfahren, Gesundheit sowie die Industrie- und Baukultur sind die anderen Outdoor-Attraktionen.

„Reißen Sie diese mentale Mauer endlich ein!“ Die zwischen Sauerland und Siegen-Wittgenstein. Der Unterschied werde um so weniger gesehen, je weiter weg der umworbene Gast lebt. Die Region müsse sich nicht mit den Touristikmessen an Rhein und Ruhr zufrieden geben. „Sie können Deutschland.“

„Die Ressourcen müssen stimmen.“ Dr. Feige drängt darauf, dass die bereits 2014 festgelegten Touristischen Serviceeinheiten tatsächlich gebildet werden: Fusionen in Wittgenstein, im Südsiegerland und im Kernraum, die über ihre Touristikinformationen hinaus mit je zwei Fachkraftstellen und insgesamt 350.000n Euro Budget ausgestattet werden. „An Bündelung und Konzentration führt kein Weg vorbei.“ Monika Dombrowski, Geschäftsführerin des Touristikverbandes Siegerland-Wittgenstein, knüpft da an: „Klein-klein war gestern.“

Sie haben alle Chancen der Welt.“ Das Programm sei ehrgeizig, räumt Dr. Feige ein. Aber: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie keinen Erfolg haben. Machen Sie’s einfach.“

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