Bildung

Volles Programm für Sozialarbeit an Hilchenbacher Schulen

Die Carl-Kraemer-Realschule in Hilchenbach verliert ihre Sozialarbeiterin. Die Stelle wird zum 15. Dezember frei.

Die Carl-Kraemer-Realschule in Hilchenbach verliert ihre Sozialarbeiterin. Die Stelle wird zum 15. Dezember frei.

Foto: Stefan Meinhardt

Hilchenbach.  Die beiden Schulsozialarbeiterinnen an den Hilchenbacher Schulen haben alle Hände voll zu tun: „Wann hast du endlich Zeit?“

Yvonne Winnen wird konkret: Ein Junge will nicht mehr zu Hause wohnen, ein Mädchen hat die Unterschrift seiner Mutter gefälscht, ein Vater will eine Bestrafung für sein Kind, eine Mutter hat sich von ihrem Mann getrennt, ein Junge berichtet, dass ein anderer Junge von seinem Mitschülern geärgert wird. „Und meistens höre ich: Wann hast du endlich Zeit?“

Yvonne Winnen ist Schulsozialarbeiterin an der Carl-Kraemer-Realschule. Wenn der Rat nicht die Aufstockung ihrer Stelle auf städtische Kosten durchgesetzt hätte, bliebe ihr nur, wie ihrer Kollegin Martina Stephan-Engel für die Grundschulen, die halbe Wochenarbeitszeit. Die beiden Sozialarbeiterinnen, die aus Landesmitteln finanziert werden, haben jetzt im Schulausschuss aus ihrer Arbeit berichtet.

Unterstützergruppe gegen Mobbing

Auf Interesse stieß der „No-Blame“-Ansatz gegen das Mobbing unter Schülern. Der Einsatz zielt nicht auf die Bestrafung des Täters, „das macht es nur schlimmer“. Stattdessen wird aus der Klasse heraus eine Unterstützergruppe für das Opfer gebildet: „Das sprengt di e Gruppe der Täter auf“, sagte Yvonne Winnen. Renate Becker (UWG) berichtete aus eigener Beobachtung über die Schulsozialarbeit, die auch mit dem Hilchenbacher Seniorenzen­trum zusammenarbeitet: „Es ist faszinierend zu sehen, wie Jugendliche mit älteren Menschen umgehen und wie aus kleinen Haudegen rücksichtsvolle und einfühlsame Wesen werden.“ Für die Jugendlichen sei es „eine tolle Erfahrung“, wenn sie von den alten Menschen gefragt werden, wie es ihnen denn gehe – so viel Interesse scheint nicht alltäglich. „Zu viele Eltern überlassen den Schulen ihre Probleme“, stellte Guido von Wiecken (Grüne) fest.

Bei der Beratung der Eltern sind auch die Möglichkeiten ein Thema, die das Bildungs- und Teilhabepaket bietet. Die Sozialarbeiterinnen vermuten, dass Mittel nicht abgerufen werden, weil der Zugang zu kompliziert ist – es fehlt an Formularen in leichter Sprache und in Fremdsprachen. „Wir versuchen, die Eltern zu informieren“, sagt Martina Stephan-Engel – gegen die direkte Ansprache steht allerdings der Datenschutz.

„Da kommt schon was zusammen“, bestätigt Joachim Steinebach, Rektor der Realschule – auch aus aktuellem Anlass: Yvonne Winnen geht zum 15. Dezember; eine frühzeitige Neubesetzung steht oben auf dem Wunschzettel. Beim letzten Mal musste die Realschule monatelang warten.

Mehr Nachrichten, Fotos und Videos aus dem Siegerland gibt es hier.

Die Lokalredaktion Siegen ist auch bei Facebook.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben