Wendezeit

Kontakte von Sundern nach Schirgiswalde seit 1987

Auf den Schneeberg im Fichtelgebirge führte 2016 die Schirgiswalde-Wanderung des Initiativkreises.

Auf den Schneeberg im Fichtelgebirge führte 2016 die Schirgiswalde-Wanderung des Initiativkreises.

Foto: Metzler

Sundern/Arnsberg.  Nach der Wende suchten viele Sauerländer Gemeinden eine Partnerkommune, Sundern hatte da schon eine. Dabk Klaus Baulmann.

Die Mauer war weg, und viele westdeutsche Städte suchten sofort schon Mitte November 1989 nach einer Partnerstadt in den sogenannten Neuen Bundesländern. Sundern hatte es da besser, denn schon vor dem Mauerfall stand quasi die Partnerstadt schon fest: Klaus Baulmann, da noch Oberstudienrat am Städtischen Gymnasium, hat dafür die Spuren zur Perle der Oberlausitz gelegt. 1990 wurde sie fest und bis heute ist Schirgiswalde im Landkreis Bautzen die offizielle Partnerstadt der Stadt Sundern.

Ein Zufall

Aber eigentlich begann alles viel früher, wie meistens im Leben durch einen Zufall: „Unsere Studentengemeinde in Köln übernahm Patenschaften für die Studentengemeinde in Halle an der Saale. So

lernte ich Ulrich kennen, der mich 1961 erstmals in Köln besuchte. Seine spätere Schwiegermutter wohnte in Schirgiswalde“, berichtet Klaus Baulmann unserer Zeitung. 1987, Baulmann war mit Sohn Johannes zu Besuch in Dresden, kam er auf den Einfall: „Wir besuchen mal die Frau Pohl in Schirgiswalde.“ Gesagt, getan: Vater und Sohn fuhren in die Oberlausitz, um 10 Uhr besuchte man die Messe in der katholischen Kirche und staunte, wie offen Pastor Alexander Paul gegen das DDR-Regime wetterte: „Außerdem fielen mir mehrere Dinge auf: die katholische Prägung, die noch aus böhmischer Zeit stammte, der kräftige Gesang zur Orgel und die hügelige Landschaft. Vieles erinnerte mich an Sundern“, berichtet Klaus Baulmann von seinem ersten Besuch: „Und natürlich wusste ich, dass man in Sundern schon seit längerer Zeit eine Partnerstadt suchte.“

Wortgewaltiger Pfarrer

ach der Messe kam Baulmann mit dem Pastor ins Gespräch. Von ihm hörte er, dass der damalige SED-Bürgermeister schon mit einigen Brilonern in Kontakt über eine Partnerschaft gekommen sei: „Aber der hat wenig zu sagen zu hier“, bestimmte Pastor Paul damals. Zurück in Sundern erzählte Baulmann Bürgermeister Franz Josef Tigges von seinem Erlebnis. Es folgten positive Gespräche in Schirgiswalde, die nach der Maueröffnung vertieft wurden. Und nach der Wende war dann die KG „Flotte Kugel“ der erste Sunderner Verein, der nach Sachsen fuhr. 1990 einigten sich die Städte auf eine Partnerschaft, die die Bürgermeister Franz Josef Tigges und Wolfgang Rösler besiegelten. Es folgte Patric Jung als Bürgermeister, der sich ebenfalls bis heute strak für die Partnerschaft einsetzt.

Neues Gesetz in Sachsen

„Dann kam ein neues Gesetz, das die Gemeinden in Sachsen vergrößerte“, erinnert sich Herbert Müller, der nach seinem Ausscheiden als Ratsherr einige Zeit den Initiativkreis Schirgiswalde in Sundern leitete. Das Gesetz vereinigte die Kommunen Crostau, Kirschau und Schirgiswalde. „Jetzt gab es in der Verwaltung ganz andere Leute, wir hatten nicht mehr einen direkten Ansprechpartner“, begründet Herbert Müller einen leichtes Abflauen der Beziehungen.

Aber unter der Leitung von Hubert Wienecke aus Stemel, nach dem Wegzug von Meinolf Kühn nach Wien, bleibt der Initiativkreis aktiv: Im Frühsommer gab es ein Treffen mit den Schirgiswaldern im Spreewald. Und am kommenden Samstag treffen sich die Verantwortlichen, um die Wanderung 2020 im Bereich Hannoversch-Münden zu planen. „2021 planen wir in Sundern ein großes Treffen aller Partnerstädte“, so Wienecke gestern. Aber auch der Schachclub aus Sundern trifft sich seit nun schon 30 Jahren mit den Spielern aus Schirgiswalde.

Erste Kontakte 1990

Ganz anders in Arnsberg: Dort hatte man 1990 Kontakt aufgenommen mit der Stadt Lauchhammer. Offiziell war das eine Städtefreundschaft, gefordert waren logistische Unterstützung. Dazu wurden Beamte abgestellt, die im Süden Brandenburgs im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, beim Aufbau Ost mithelfen sollten, eine dem Westen entsprechende Ämterstruktur aufbauen sollten. Die Korruptionsaffäre um die KTP (Kommunale Dienste - Theorie und Praxis), eine Firma von Arnsbergern, die Dienstleistungen, die eigentlich umsonst hätten sein sollen, in Rechnung stellten, trübte dann die Beziehung.

Gut Fang Hüsten hält Kontakt

Heute sind es die Angler von „Gut Fang“ Hüsten, die mit dem ASV „Gut Fang“ Lauchhammer noch immer regelmäßigen Kontakt haben. Vom 30. Mai bis 2. Juni gab es in diesem Frühsommer das 29. Freundschaftstreffen.

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