Prozess

22-Jährige sticht dem Ex in den Hals und gibt sich als Opfer

Im Essener Landgericht muss die Frau sich verantworten.

Im Essener Landgericht muss die Frau sich verantworten.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Die Trennung setzte ihr zu, da stach sie laut Anklage ihrem Ex-Freund in den Hals. Vor Gericht gibt die 22-Jährige sich jetzt als Opfer.

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Der Bottroper hatte Schluss gemacht mit ihr, da stach die Velberterin laut Anklage zu, traf Hals und Schulter des 27-Jährigen. Seit Dienstag muss sich die 22-Jährige deshalb vor dem Landgericht Essen verantworten. Die Anklage lautet auf gefährliche Körperverletzung.

Trotz der schweren, eigentlich lebensbedrohlichen Verletzung bleibt ihr eine Mordanklage vor dem Schwurgericht erspart. Das liegt an der juristischen Konstruktion des „freiwilligen Rücktritts“. Weil sie noch weiter hätte zustechen können, das aber unterließ, wird eine Tötungsabsicht nicht bestraft. Es bleibt die gefährliche Körperverletzung.

Über Computerspiele im Internet kennengelernt

Über Computerspiele im Internet hatten die beiden sich 2015 kennengelernt. Beide gehen einer Arbeit nach, haben keine Vorstrafen. Ein Jahr lang, bis Mitte 2017, waren sie ein festes Paar. Dann machte er Schluss. Sie trafen sich aber weiter, hatten auch Sex. „Freundschaft +“ nennt sich eine derartig unverbindliche Beziehung heutzutage.

Gut ging sie nicht. Der Bottroper machte endgültig Schluss, forderte sie auf, ihre Sachen aus der Wohnung zu holen. Vor der XVI. Strafkammer schildert er, was am Nachmittag des 7. Februar geschah. „Sie kam, war sauer und mega-aggressiv. Sie wollte noch einmal über unsere Beziehung reden, ich nicht.“ Sie habe angefangen, ihn zu verprügeln. Schwach ist sie nicht, 1,83 m groß und kräftig gebaut. Er ist allerdings noch einmal vier Zentimeter größer.

Plötzlich Messer gezogen und zugestochen

Plötzlich habe sie ein Messer gezogen. Zuerst habe sie in seine Schulter gestochen, dann in den Hals. Irgendwie habe er sie dann niedergerungen, sei aus der Wohnung gelaufen. Sie habe ihm noch das Messer hinterhergeworfen. „Es flog knapp an meinem Kopf vorbei.“ Später habe sie es noch einmal in die Hand bekommen, dann aber nicht mehr zugestochen.

Die Angeklagte gibt sich vor Gericht als Opfer. Sie will von ihrem Ex attackiert worden sein. „Er nahm mich in den Schwitzkasten. Mir wurde schwarz vor Augen.“ Da habe sie ein Messer, das auf einem Stuhl lag, genommen und nach hinten zugestochen. Einmal.

Für Gerichtsmediziner Andreas Freislederer ist diese Version „rechtsmedizinisch ausgeschlossen“. Anatomisch funktioniere das schon nicht, erkläre auch nicht zwei Verletzungen. Richter Martin Hahnemann rekonstruiert diese Version mit seinem Beisitzer. Es geht tatsächlich nicht. Am 28. November wird weiterverhandelt.

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