Parkplatz-Ärger

Anwohner im Siepen kritisieren neue Parkregelung

Ganz schön eng: Anwohner befürchten, dass im Notfall kein Rettungswagen durch die Steinstraße kommt.

Ganz schön eng: Anwohner befürchten, dass im Notfall kein Rettungswagen durch die Steinstraße kommt.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Neviges.  Viele Anwohner aus dem Siepen sind sauer. Sie werden als Autofahrer von Fußgängern beschimpft, obwohl sie sich verkehrsgerecht verhalten.

Für Andreas Leuchtmann ist das Maß voll: „Man wird hier von der Stadt für blöd verkauft. Erst nehmen sie uns Parkplätze in der Lessingstraße weg, und jetzt das hier.“ Eine neue Parkregelung auf der Steinstraße bringt Anwohner im Siepen auf die Palme. „Wir verhalten uns hier als Autofahrer verkehrsgerecht und werden von Fußgängern beschimpft, das kann ja wohl nicht sein.“ Wobei sich der Groll der Anwohner weniger gegen die Fußgänger als gegen die Straßenverkehrsbehörde der Stadt Velbert richtet.

Fußgänger klemmen Zettel ans Auto

Seit knapp drei Wochen darf oder besser gesagt soll auf der Steinstraße auf dem westlichen Gehweg – die Steinstraße bergauf auf der rechten Seite – geparkt werden; die Wagen dürfen mit zwei Rädern auf dem Gehweg stehen. Ein entsprechendes Schild ist an der Ecke Steinstraße/Lessingstraße aufgestellt. Gunnar Schütter, der seit nunmehr 60 Jahren in der Steinstraße wohnt: „Ich hab mich danach gerichtet und hatte daraufhin einen Zettel an der Windschutzscheibe.“ Einen Zettel fand auch Dilaver Aver hinter den Scheibenwischer geklemmt. „Da stand drauf: scheisse geparkt.“

Autofahrer verstehen den Unmut

Ein bisschen kann Gunnar Schütter den Unmut der Fußgänger sogar nachvollziehen. „Der Gehweg ist ja sowieso schon eng. Wenn da ein breiteres Fahrzeug steht und jemand muss mit dem Rollator die Straßenseite wechseln, dann ist das auch eine Zumutung.“

Stadtsprecher klärt Missverständnis

Wie Stadtsprecher Hans-Joachim Blißenbach erläutert, müssen die Fußgänger jedoch nicht die Straßenseite wechseln, weil sie nämlich diesen westlichen Gehweg in Absprache mit den Technischen Betrieben (TBV) überhaupt nicht mehr nutzen sollen: „Der schmale Gehweg wird von den einseitig parkenden Fahrzeugen komplett versperrt. Das ist so vorgesehen.“ Den Fußgängern stehe dagegen uneingeschränkt der breitere östliche Gehweg zur Verfügung.

Schild besser kenntlich machen

„Das Schild muss für Fußgänger besser erkennbar sein“, findet Thomas Holtermann, „die sehen das doch gar nicht“. Alle hier fragen sich, was Gunnar Schütter ausspricht: „Warum darf man auf dem schmalen Gehweg parken und auf dem breiten nicht? Das ist doch idiotisch. Man sollte das umgekehrt machen“, so Gunnar Schütter. Und Klaus Meyer ergänzt: „Ja, besser drüben parken und auch markieren, wie man stehen darf.“

Leitungen könnten beschädigt werden

Ein Vorschlag, der laut Stadtsprecher Hans-Joachim Blißenbach nicht umzusetzen ist. Theoretisch sei zwar genug Platz für Fußgänger und Autos, doch seien die Platten auf dem gegenüber liegenden, breiten Gehweg nicht für schwere Autos geeignet. Außerdem verliefen hier Gas- und Wasserleitungen, die durch die ständige Belastung der rangierenden Autos geschädigt werden könnten. Die Asphaltschicht des schmalen Gehwegs sei dagegen unempfindlicher, und Leitungen gäbe es hier auch nicht.

Anwohner beschweren sich seit einem Jahr

Seit einem Jahr beschweren sich Anwohner unter anderem im Bezirksausschuss über die Situation im Siepen. Sie befürchten, dass im Notfall kein Rettungswagen durch die Steinstraße kommt. „Der große Leiterwagen der Feuerwehr musste im November aufgeben“, erinnert sich Renate Hornacker. Und auch letztens, als in der Mörikestraße eine Hecke brannte, habe die Feuerwehr Mühe gehabt. Die neue Parkregelung habe die Situation nicht entschärft.

Stadt und TBV wollten Parkplätze erhalten

Die Stadt Velbert und die TBV hätten, so der Stadtsprecher, die Situation daraufhin geprüft. Abgesehen von einem kompletten Umbau der Straße habe es nur zwei Möglichkeiten gegeben: Das Parken auf einer Fahrbahnseite völlig zu verbieten oder eben jene Lösung, zu der man sich jetzt im Interesse der Anwohner entschieden habe. Und zwar um Parkplätze zu erhalten.

Straßenverkehrsbehörde prüfte Situation vor Ort erneut

Nach der Anfrage der WAZ hat sich die Straßenverkehrsbehörde die Situation vor Tagen noch einmal angesehen. Die Straße biete Platz genug für den fließenden Verkehr, so lautet das Ergebnis. Selbst dann, wenn die Autos nicht komplett auf dem östlichen Gehweg stünden. Erfahrungsgemäß, so Stadtsprecher Blißenbach, brauche es einige Zeit der Eingewöhnung, bis sich die neue Situation eingespielt habe.

Jene Anwohner, die sich häufiger im BZA beschwert haben, sind da eher skeptisch. Thomas Holtermann: „Hier sind auch schon Spiegel abgefahren worden, aus Versehen, wenn ein Möbelwagen kam.“

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