Einzelhandel

Bei Zwickel und Pille gibt’s Fleisch in Velbert-Langenberg

Markus Zweverink ist einer der beiden Inhaber der neuen Metzgerei am Kreiersiepen in Velbert-Langenberg..

Markus Zweverink ist einer der beiden Inhaber der neuen Metzgerei am Kreiersiepen in Velbert-Langenberg..

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Langenberg.  In Velbert-Langenberg gibt es wieder eine Metzgerei: „Zwickel und Pille“ heißt die und die beiden Inhaber haben ein ganz besonderes Konzept.

Das Telefon klingelt: „Guten Morgen, schön dass sie anrufen. Ich habe überlegt, dass ich die zwei Rinder dann doch nehme,“ Markus Zweverink freut sich über den Rückruf. Er kauft Tiere aus der Region, um sie dann zu schlachten. Allerdings auch nur, wenn er sie persönlich vorher begutachtet hat. Markus Zweverink ist Metzger und schlachtet in Langenberg.

„Wir müssen dann mal schauen, wie ich die Rinder nach Langenberg bekomme“, das kann zunächst warten, denn jetzt gerade kann der 47-Jährige zunächst nichts weiter tun. Freitags steht er von 15 bis 19 Uhr und samstags von zehn bis 13 Uhr im Kreiersiepen 3, im „Zwickel und Pille“, wo es zu diesen Zeiten „ehrliches Fleisch“ gibt. Als ehrliches Fleisch bezeichnen er und Mitinhaber Marc Pilgrim Fleisch, bei dem sie wissen wo es her kommt, wie es aufgezogen und gehalten wurde.

Einkauf bei umliegenden Bauern

Die Tiere, um die es bei dem Anruf ging, hat er vor gut vier Monaten gekauft. Insgesamt waren es vier, zwei wurden bereits geschlachtet und liegen zum Teil noch in den Kühlungen. „Wir kaufen bei den umliegenden Bauern, ich schaue mir diese Tiere alle einzeln an.“ Montags schlachtet er: Rinder, Schweine und Lämmer. Die Rinder hängen 21 Tage – „damals war das Standard“, weiß Zweverink. In diesen Tagen zersetzen Bakterien die Muskelfasern, mit jedem Tag der Zersetzung werde das Fleisch zarter.

Als „dry aged“ wird dieses Fleisch bezeichnet. Schweine wiederum hängen optimal zwischen fünf und sieben Tagen, Lämmer werden am siebten Tag zerlegt. In der industriellen Fertigung gebe es diese Prozesse gar nicht mehr, seien kaum noch vorgesehen.

Markus Zweverink hat sein Handwerk gelernt und arbeitet so, wie die Metzger das früher gemacht haben. Gebürtig kommt er aus Hassfurt am Main (Unterfranken), hat mehr als zwölf Jahren in Langenberg gewohnt und dann mit seiner Familie in Neviges ein Haus gefunden.

Schlachterei ist zertifiziert

Dennoch hat er sein Geschäft in Langenberg aufgemacht. Was für ihn naheliegt, da er hier auch in einer EU-zertifizierten Schlachterei produziert. Auch in Düsseldorf gibt es einen Sitz der „Zwickel und Pille GmbH“. Der Name ist aus den Spitznamen der beiden Inhaber entstanden: Zweverink wird Zwickel genannt, Pille ist Marc Pilgrim.

Zwickel erläutert die Produktpalette: „Das Rohwurstprodukt ist meiner Meinung nach das ehrlichste Fleisch, das der Kunde bekommt.“ Deshalb führt er auch nur Rohwurstsorten im Angebot.

Das zerlegte Fleisch liegt bei vier Grad Celsius in Kühlschränken, ist zuvor in der Schlachterei luftdicht verpackt worden. Kleinere Stücke sind nicht möglich, dafür kann alles bei „Zwickel und Pille“ vorbestellt und abgeholt werden. Später holt der Metzger noch zwei Hirsche ab, die Jäger in der Region geschossen haben. Auch Wildschweinfleisch gibt es. Sobald sich sein Angebot verändert, teilt er das via WhatsApp mit.

Bestellungen für Weihnachten werden angenommen

Inzwischen hat auch die Bestellzeit für das Weihnachtsessen begonnen. Per WhatsApp oder Email kann vorbestellt werden. Kundin Eva Goeke schaut rein, sie ist seit „Tag eins“ Kundin: „Ich finde die Idee super, regionales Fleisch nah zu erwerben. Ich kaufe lieber etwas weniger Fleisch und habe ein gutes Gefühl dabei.“

Schnell sind Zweverink und Goeke im Gespräch über die weiten Wege, die Fleisch und lebende Tiere heutzutage zurücklegen: „Schweine aus Holland werden in Belgien geschlachtet, in Italien grob und in Deutschland fein zerlegt und verkauft“, erläutert der Metzger.

Für Goeke hat das Fleisch im Kreiersiepen „eine 1 A Qualität. Die Wurst schmeckt ganz anders.“ Der Metzger erklärt, woran das liegt: „Die Tiere, die ich kaufe, kommen nicht aus Mastbetrieben, die Schweine leben in der Regel vier Monate länger.“

Dadurch könnten sich die Muskeln ganz anders entwickeln. Seine Kundin hat noch kein Fleisch bei ihm gekauft, dass so stark beim Braten schrumpft, wie es bei Billigfleisch der Fall ist. Eva Goeke ist froh, dass sie nun wieder in Langenberg Fleisch kaufen kann. Bei ihr gibt es heute Schweinegulasch mit Mangold und Kartoffeln: „Ein richtiges Winteressen!“, freut sich die Langenbergerin.

Das Rind wächst am Dönberg auf, die Schweine in Velbert

Sabine Klocke hat über Facebook erfahren, dass es „Zwickel und Pille“ gibt und will Rouladen kaufen. Das aktuelle Rind kommt vom Dönberg, die Schweine kommen immer aus Velbert und haben die Stadt nie verlassen, zumindest bis zum Verkauf in Langenbergs Altstadt nicht.

Der weiteste Lebend-Tiertransportweg ist von Hattingen nach Langenberg. Barbara Chudaska erkundigt sich nach Wild, sie kommt ins Gespräch mit Markus Zweverink; der zeigt ihr die Gänse, die er am 22. Dezember schlachten wird. „Ich will zurück zu dem, wie es früher war: kleine Bauernhöfe und Tiere, die relativ lange gelebt haben.“

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