Coronavirus

Corona: Kontaktsperre zeigt in Velbert richtig Wirkung

Die KOD-Mitarbeiter sind in ganz Velbert immer als Zweier-Team unterwegs. Der Ordnungsdienst hat auch einen kurzen Draht zur hiesigen Polizei.

Die KOD-Mitarbeiter sind in ganz Velbert immer als Zweier-Team unterwegs. Der Ordnungsdienst hat auch einen kurzen Draht zur hiesigen Polizei.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Velbert-Mitte.  Die Kontaktsperre wegen der Corona-Pandemie entfaltet in Velbert von Tag zu Tag mehr Wirkung. Der Ordnungsdienst hofft auf langweilige Wochen.

Die Szene bzw. das Verhalten am Rand des Karrenberg-Platzes ist nicht nur vorschrifts-, sie ist geradezu bilderbuchmäßig: Da hocken auf der Spielschlange und der Bank davor fünf Männer in der Sonne. Und zwar so hübsch weit auseinander, als hätten sie erst einen Zollstock vollständig ausgeklappt und jeweils dazwischen gelegt. „Ich hätte auch die Keule rausholen können“, sagt Helmut R., schon im Weitergehen, weil Erwachsene ohne Kinder auf einem Spielplatz ja nichts verloren hätten. Der Mann vom Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) der Stadt Velbert winkt aber ab, lässt die Sonnengenießer unbehelligt. „Man muss auch Augenmaß bewahren“, meint R. Und zwar auch in der Corona-Krise.

Anfangs bloß mündlich verwarnt

Die KOD-Leute – 16 im Außen- und acht im Innendienst – wachen über die Einhaltung der am Sonntag erlassenen Kontaktsperre. Montag habe man mündlich verwarnt, seit Dienstag werde „scharf geschossen“, sagt R. und berichtet, dass allein im Spätdienst zwischen 13.30 und 22 Uhr 32 Kontrollen durchgeführt und 22 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden seien. Das bedeute „eine Menge Papierkram“ für den Innendienst: „Wir kassieren ja nicht direkt.“ Die Bandbreite, nach der Ordnungswidrigkeiten geahndet werden, reicht von 200 bis 5000 Euro. Die Frühschicht überlappt übrigens ein wenig, geht von 7 bis 15.30 Uhr.

Zu den bekannten Hot-Spots

Normalerweise sind die Zweier-Teams im Dienstwagen unterwegs und fahren regelmäßig auch die so genannten Hot-Spots an: etwa Parkanlagen, Schulhöfe, Freizeitpark Nordstadt, hinter dem bzw. unterhalb des Bürgerhauses Langenberg – und in Neviges? „Da gibt’s eher weniger solche Schwerpunkte“, sagt Anna K., „als einzigen vielleicht das Schulgelände Am Waldschlösschen.“ K. ist heute die zweite Hälfte des Teams und schon seit 22 Jahren beim KOD. Und da sie gelernte Schneiderin ist – R. übrigens Rohrleitungsbauer – knöpft sie sich, wenn nötig, auch schon mal die dunkelblauen KOD-Uniformen mit dem Stadtwappen vor, bringt sie auf Maß und Vordermann.

Immer mehrere Teams unterwegs

„Fahrt Ihr über die Dörfer?“ fragt ein Kollege bei Dienstbeginn am KOD-Sitz Nedderstraße und meint damit Langenberg und Neviges. Nein, wir laufen in Richtung Innenstadt. K. und R. vorweg, die beiden WAZ-Männer schön mit Abstand neben- bzw. hinterher. Das fehlte gerade noch, selbst gegen die Kontaktsperre zu verstoßen.

Aber nur ein kurzes Schwätzchen

Es läuft entspannt, sehr sogar. „Es ist wesentlich ruhiger geworden, letzte Woche sah’s noch ganz anders aus“, erzählt K. Eine jüngere Frau spricht das Duo in der Fußgängerzone an, will wissen, ob sie ein Ferienhaus in 300 Kilometer Entfernung anmieten dürfe. Ja, geht in Ordnung. Ob sich drei Menschen im Zwei-Meter-Abstand unterhalten dürften, fragt ein Passant. Generell sei das nicht erlaubt, „aber bei einem wirklich kurzen Schwätzchen drücken wir auch mal ein Auge zu“. „Man hat einen Blick dafür“, meint Helmut R., der seit letztem Sommer beim KOD ist. „Vieles ist einfach auch klientel- und altersbedingt.“

Trio auf Schulhof erwischt

Radfahrer entdecken uns, lächeln ein bisschen angestrengt und steigen eilig ab. Brav, denn auch in einer noch so leeren Fußgängerzone sei Radeln nicht erlaubt. So die nette Ansprache. Ein Hinweis – angeblich hat ein Geschäft im Westen der Stadt unerlaubt geöffnet – stellt sich rasch als Fehlalarm heraus. Spätnachmittags gibt’s dann doch noch drei Ordnungswidrigkeiten: Nämlich genau so viele Jugendliche auf dem GSG-Schulhof. Das war’s aber auch für die Schicht. Vor allem jüngere Leute seien „sehr uneinsichtig“, erzählt R., „die sehen das alles viel zu locker.“

Mehr Abstand und bevorzugt zuhause

„Die Kontaktsperre wirkt und wird aktuell gut eingehalten“, bilanziert Anna K. „Es wird hoffentlich ne langweilige Woche“, fügt R. hinzu. Wie das Coronavirus ihr eigenes Verhalten verändert hat? „Ich halte mehr Abstand als vorher, definitiv“, sagt er. „Wenn ich nicht im Dienst bin, bin ich zuhause“, antwortet sie (Namen von der Redaktion geändert).

Hier finden Sie unsere interaktive NRW-Karte mit allen aktuellen Fallzahlen: https://interaktiv.waz.de/corona-virus-karte-infektionen-deutschland-weltweit/#regio

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben