Prozess

Entführungsfahrt mit Kind: Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Der wegen Freiheitsberaubung und versuchten sexuellen Kindesmissbrauchs Angeklagte (M) steht im Gerichtssaal zwischen seinen Anwälten Andre van der Hütten (r) und Iyad Nassif (l). Der mutmaßliche Entführer eines Zehnjährigen in Velbert muss sich in Wuppertal vor dem Landgericht verantworten.

Der wegen Freiheitsberaubung und versuchten sexuellen Kindesmissbrauchs Angeklagte (M) steht im Gerichtssaal zwischen seinen Anwälten Andre van der Hütten (r) und Iyad Nassif (l). Der mutmaßliche Entführer eines Zehnjährigen in Velbert muss sich in Wuppertal vor dem Landgericht verantworten.

Foto: Oliver Berg / dpa

Wuppertal.  Vor dem Wuppertaler Landgericht begann der Prozess gegen einen 22-Jährigen, der einen Zehnjährigen ins Auto gelockt hatte. Wie er das begründete.

Die mutmaßliche Tat entsetzte überregional: Ein 22 Jahre alter Mann aus Velbert soll einen ihm völlig unbekannten Schüler im Dunkeln auf dem Schulweg in Langenberg entführt haben. Er habe sein Opfer mit einem Mietauto bis an eine abgelegene Stelle auf Hattinger Stadtgebiet gefahren. Laut Staatsanwaltschaft informierte sich der Mann zuvor im Internet über Entführungen mit Autos und sexuellen Kindesmissbrauch. Bei dem Geschehen vom 22. Februar 2019 habe habe er sein Opfer nur durch Glück unverletzt ziehen lassen: Nachdem er mit seinem Auto ein Hindernis touchiert hatte und anhalten musste, habe er mit Entdeckung gerechnet. Deshalb habe aufgegeben. Der Junge erreichte seine Schule körperlich unverletzt.

Der Angeklagte ist angehender Student

Der Angeklagte, ein angehender Student, bestreitet die Vorwürfe. Seiner Version zufolge wollte er den Tag mit einem Freund verbringen. Der sei aber noch nicht fertig gewesen. Er habe sich deshalb spontan entschlossen, sich bei einer Schule um ein Praktikum zu bewerben. Er habe ungefähr gewusst, wo eine Schule ein Langenberg ist. Den Schüler habe er an der Hauptstraße nach dem Weg gefragt. Der sei freiwillig eingestiegen, um ihm zu helfen. Er wiederum habe sich verfahren und sei an der Wodanstraße in Nierenhof stadtauswärts abgebogen. Er habe einen Platz zum Wenden gesucht, anschließend habe er mit seinem Wagen den leichten Unfall gehabt. Den Jungen habe er laufen lassen, als der aussteigen wollte: „Ich weiß auch nicht, warum er das anders erzählt.“

Mutter beantwortete Fragen vor laufender Kamera

Zu Prozessbeginn Freitag (11. Oktober 2019) erschienen Vertreter bundesweiter Medien im Landgericht Wuppertal. Der Junge sagte zu seinem Schutz unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Seine Mutter beantworte Reportern Fragen vor laufenden Fernsehkameras. Den Richtern erklärte sie: Sie habe die Fassung verloren, als eine Lehrerin anrief und den Vorfall berichtete und schließlich den Hörer an den Jungen weiter gab: „Ich weiß, das soll man nicht machen. Aber ich habe losgeschrien: ‚Wie konntest Du das machen? Du weiß doch, dass Du nicht bei einem fremden Mann ins Auto steigen darfst!‘“ Er versuche „cool“ zu sein und sich nichts anmerken zu lassen.

Das Gericht verdeutlichte dem Mann: Auf die schweren Vorwürfe des Missbrauchs – „und womöglich auf Schlimmeres“ – kommt die Staatsanwaltschaft anhand seiner Suchverläufe im Internet. Der Angeklagte antwortete, damit habe er nichts zu tun: „Das könnte jeder gemacht haben. Meine Eltern oder ein Freund.“

Aus der Fahrt ergaben sich Widersprüche

Aus der Fahrt ergäben sich weitere Widersprüche, hielt dem Mann der vorsitzende Richter vor. Es hätte reichlich Gelegenheiten gegeben, näher an Nierenhof zu wenden: „Da haben Sie jetzt Pech, dass ich mich da auskenne.“ Den Weg hatten Polizisten mit dem Zehnjährigen im Streifenwagen nach dessen Angaben nachvollzogen. Beim falschen Abbiegen an der Wodanstraße soll der Angeklagte dem Jungen noch gesagt haben, er kenne eine Abkürzung. Das habe das Kind vollends misstrauisch gemacht – wo der Mann doch angeblich sein Ziel an der Schule nicht kannte.

Das Landgericht will den Prozess kommenden Mittwoch (16. Oktober 2019) fortsetzen.

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