Geschichtsverein

Interesse an Geschichte und Geschichten wächst in Velbert

Das Programm beginnt mit der Finissage der Luftkriegsausstellung. Das Foto zeigt, wie 1944 Opfer eines Bombenangriffs aufgebahrt werden.

Das Programm beginnt mit der Finissage der Luftkriegsausstellung. Das Foto zeigt, wie 1944 Opfer eines Bombenangriffs aufgebahrt werden.

Foto: Verlag Scheidsteger

Velbert.   BGV-Abteilung Velbert-Hardenberg legt Jahresprogramm vor. Jüdisches Leben, Liebe zu Zeiten des Hochverrats und eine Affäre made in Langenberg.

Der Bergische Geschichtsverein (BGV, Abteilung Velbert-Hardenberg) beginnt das neue Veranstaltungsjahr recht außergewöhnlich. Nämlich mit einem Schlusspunkt: Am letzten Januar-Sonntag findet die Finissage zu der Ausstellung „Velbert im Luftkrieg 1939–1945“ im Deutschen Schloss- und Beschlägemuseum statt. Dort gibt’s ab 15 Uhr auch Gelegenheit Fragen zu stellen, will der Verein abschließend den Erfolg der jüngsten Schau feiern.

Erfolgreiche Ausstellung über den Luftkrieg

Zur Eröffnung seien 140 Menschen gekommen, berichtet Dr. Jutta Scheidsteger, und zu den Führungen nebst Vortrag habe man 120 Anmeldungen erhalten. Vorangegangen waren die beiden komplett eigenständigen Ausstellungen „Velbert – Industrie in der Stadt“ und „Velbert – einst bedeutender europäischer Gießereistandort“. Damit habe man sich einem breiteren Publikum öffnen wollen, erklärt die erste BGV-Vorsitzende (nunmehr bereits im vierten Jahr) und resümiert mehr als zufrieden: „Das klappt auch super. Alle drei waren Riesenerfolge.“ U. a. habe man alljährlich mehr als zehn neue Mitglieder hinzugewonnen. Aktuell sind’s insgesamt 241.

Auf jüdischen Spuren

Das 2019er Programm hat der Vorstand in zwei Sitzungen festgelegt. Er umfasst mit Beirat 17 Leute. 13 seien bei den turnusmäßigen Zusammenkünften „immer dabei. Wir sind wirklich ein aktiver Vorstand. Das macht die Arbeit so angenehm“, sagt Scheidsteger. Eine Sonderreihe beleuchtet „Jüdisches Leben in Velbert“. Mit einem Vortrag und mit Spaziergängen, geführt und begleitet von dem ehemaligen Schulpfarrer Frank Overhoff, „auf jüdischen Spuren“ in allen drei Bezirken. Im Fokus steht die Bedeutung der jüdischen Mitbürger im gesellschaftlichen Leben.

Zahlreiche Exkursionen geplant

Ziele der Exkursionen sind die Solinger Museen Gesenkschmiede Hendrichs und Plagiarius (März), romanische Kirchen in Köln (Juni) und „Das Bauhaus im Westen“ in Krefeld (Juli). Die Studienreise im September macht mit den Schlössern, Klöstern und Denkmälern der Weser-Renaissance bekannt. Vor der eigenen Haustür gibt’s Ende August einen Vortrag mit Führung: Jürgen Lohbeck schildert die wechselvolle Geschichte der Bleibergquelle von der Bleizeche über Kurhaus und Erholungsheim in der Nazi-Zeit bis hin zu Diakonie und Bildungszentrum.

Das Langenberg-Verbot

„Ein Riesen-Polit-Skandal“ und eine mittlerweile fast vergessene Affäre aus der Weimarer Republik, so das BGV-Vorstandsmitglied, sei vor 90 Jahren die untersagte Übung mit 3000 Beteiligten gewesen. „Das Langenberg-Verbot des Stahlhelm – Bund der Frontsoldaten“ lautet sein Vortragsthema im Oktober. Neben ihm sind erneut viele bestens bekannte, lokale Protagonisten mit an Bord. Zu ihnen zählen zum Beispiel Klaus Saeger, Udo Neblung, Henri Schmidt, Gerhard Haun und Wolfgang Menne oder auch Manfred Bolz – „Velbert damals und heute“ –, der übrigens im Februar auch sein drittes Buch vorstellen wird. Der Tatsache, dass „Familienforschung ja sehr gefragt ist“, trägt der Verein im neuen Jahr mit gleich drei genealogischen Stammtischen Rechnung.

Die Liebe in den Zeiten des Hochverrates

Anlässlich des 50. Todestages von Günter Weisenborn gibt’s im November in Kooperation mit der Musik- und Kunstschule eine ganz besondere Lesung mit Musik; die Akteure sind Ute Kranz und Frank Overhoff: „Liebe zu Zeiten des Hochverrats“. Inhalt ist der Briefwechsel, den der gebürtige Velberter während seiner Inhaftierung mit seiner Ehefrau Margarete Schnabel geführt hat.

Über Halbfertiges nicht urteilen

Eine weitere, vierte Ausstellung hat der Geschichtsverein (noch) nicht in petto. „Das Museum macht ja zu“, sagt Jutta Scheidsteger. „Wir peilen für 2020 die nächste an“, ergänzt Lohbeck. Wie ihnen beiden – der Verein hatte sich ja vor Jahren vehement für den Erhalt der Villa Herminghaus stark gemacht – baulich das Konzept für das Industriemuseum samt seiner neuen, direkten Umgebung gefällt? „Wenn Sachen halbfertig sind, soll man nicht drüber urteilen“, findet die Vorsitzende. Sie plädiert dafür abzuwarten, „wie’s aussieht, wenn das Museum fertig ist“. Da der Vorplatz ja relativ groß ausfalle, werde die Villa freier stehen als es jetzt wirke. „Das wird ja ein modernes und hochentwickeltes Museum“, meint Jürgen Lohbeck. „Ich sehe das sehr optimistisch.“

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