Politische Debatte

Jungpolitiker fordern Klartext von CDU

Die Junge Union Velbert diskutierten mit dem Landtagsabgeordneten Martin Sträßer.

Die Junge Union Velbert diskutierten mit dem Landtagsabgeordneten Martin Sträßer.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Nach dem Ergebnis der Europawahl und dem Rezo-Video gab es in der Jungen Union Diskussionsbedarf. Beyer und Sträßer stellten sich der Jugend.

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Das Video des Youtubers Rezo, der darin wenige Tage vor der Europawahl, die „Zerstörung der CDU“ propagierte, hat in der Partei für ziemlich viel Wirbel gesorgt. „Ich bin auch nicht mit allem zufrieden, was die CDU macht“, gibt Moritz Weßling zu. Der Vorsitzende der Jungen Union Velbert hatte in einer kurzfristigen Aktion den Bundestagsabgeordneten Peter Beyer und den Landtagsabgeordneten Martin Sträßer sowie zehn Mitglieder des Velberter Jugendparlamentes eingeladen, um mit ihnen über Themen zu reden, die junge Menschen bewegen.

„Ich bin froh, dass wir nicht noch schlechter abgeschnitten haben“, redete Peter Beyer Klartext, der am Wahlabend in der Berliner CDU-Zentrale eine surreale Stimmung erlebte. „Ich glaube nicht, dass das Rezo-Video dafür ausschlaggebend war, das war eher das Thema Klima. Peinlich war, wie das Konrad-Adenauer-Haus darauf reagiert hat.“

Die Velberter JU-Mitglieder und Jugendlichen beschäftigt die unterschiedliche Bezahlung von Putzfrauen und Vorstandsvorsitzenden. „Wenn ich die Bezüge der Vorstände kürze, verdient die Putzfrau nicht mehr“, gab Martin Sträßer zu bedenken. „Wir haben den Mindestlohn zuletzt mitgetragen, aber je stärker wir den erhören, desto mehr gefährden wir Arbeitsplätze. Peter Beyer klärte die 16 Zuhörer aus dem Parteinachwuchs darüber auf, dass 10 Prozent der Steuerpflichtigen für 55 Prozent des Steueraufkommens zuständig sind. „Mit der Gruppe, die es erwirtschaftet, müssen wir verantwortungsvoll umgehen.“

Politik habe Grenzen

Die Forderung des Youtube-Stars mit der blauen Haartolle nach stärkerer Besteuerung ausländischer Firmen stößt bei den Mandatsträgern auf Verständnis: „Politik hat ihre Grenzen, da können wir nicht so ohne weiteres reingreifen“, brachte Sträßer die JU-Mitglieder auf den Boden der Tatsachen.

„Ist die CDU eine Partei für Reiche?“, wollte Gast Dominika Barzcsak wissen. „Nein, sind wir nicht“, gab es zur Antwort. „Wir brauchen das Spektrum vom Großverdiener über den Mittelstand bis zum normalen Arbeitnehmer. Wir decken den ganzen Bereich ab, aber gerade das macht es schwer, weil wir Kompromisse für breite Schichten finden müssen.“, schilderte Martin Sträßer. „Wir sind nicht Partei der Reichen oder der Armen, sondern eine Volkspartei. Wir wollen keine Klientelpartei sein, sondern eine Partei, die alle gesellschaftlichen Schichten abdeckt. Demokratie ist eben immer ein Kompromiss,“ präzisierte Beyer.

Dem konnte JU-Beisitzer Nico Schmidt zustimmen: „Wenn ich sehe, wie es den Ratsfraktionssitzungen gehandelt wird, dann geht es darum, Lösungen zu finden, die den Menschen in Velbert helfen.“

Martin Sträßer nahm zu den Rezo-Vorwürfen Stellung, dass zu wenig Geld in die Bildung fließt. Als Mitglied des Landtagsausschusses für Schule und Bildung konnte er darlegen, dass auch mit weniger Geld gute Schulpolitik gemacht wird. Die Tatsache, dass Kinder aus Akademikerfamilien eher studieren, hält Martin Sträßer für normal: „Kinder orientieren sich an Vorbildern. Wir brauchen jetzt nicht mehr Abiturienten, wir müssen mehr praktische Talente unterstützen.“

Den Menschen in Velbert helfen

Beim JU-Vorsitzenden hat sich die Erkenntnis eingestellt, dass manche Probleme in den Schulen dadurch entstehen, dass Eltern ihren Kindern nicht mehr das mitgeben, was von ihnen erwartet wird. Peter Beyer sieht in dem Föderalismus ein Problem: „Bildung ist ein Flickenteppich, ich wundere mich, warum wir uns das leisten.“

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