Gesundheit

Kinder in Velbert lernen besser zu essen und sich zu bewegen

Viele Köche verderben den Brei? Von wegen! Jakub, Emma, Levi, Maya und Lotta (v. li.) beweisen gleich zum Auftakt der Ferienaktion, dass das so überhaupt nicht stimmt.

Viele Köche verderben den Brei? Von wegen! Jakub, Emma, Levi, Maya und Lotta (v. li.) beweisen gleich zum Auftakt der Ferienaktion, dass das so überhaupt nicht stimmt.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert.  Bei einem Ferien-Projekt lernen Velberter Kinder, wie sie besser und günstiger essen und sich bewegen können. Das Ganze ist langfristig angelegt.

An einer langen Tafel im Veranstaltungsraum der „Villa B“ sitzen rund 20 Kinder – ein bisschen neugierig, ein bisschen hungrig –, es riecht hier verdammt lecker. Auf den Tellern dampft eine Ratatouille, die Qual der Beilagen-Wahl besteht zwischen gleich drei Nudel-Sorten. Darunter eine ganz spannende, pechschwarze. Das Gemeinschaftsprojekt „Auf die Plätze … Besser Esser“ ist gestartet.

Leckere und gesunde Gerichte zubereiten

Aktuell, in der just begonnenen zweiten Herbstferienwoche lernen die sechs- bis zwölfjährigen Mädchen und Jungen, wie sie leckere und gesunde Gerichte zaubern können. Übrigens durchgängig vegetarisch. Bei diesem Projekt machen die Stadt Velbert, die AOK Rheinland/Hamburg, die Velberter Sportgemeinschaft (VSG) und die Volkshochschule (VHS) Velbert/Heiligenhaus gemeinsame Sache. Teils kennen sich die Partner schon von der Disco „Gut drauf“.

Plätze waren im Nu vergriffen

Adressaten sind Kinder, die Spaß am Kochen und an Bewegung haben. Umworben wurden sie mittels VHS-Programmheft, per Stadtjugendring-Flyer und vom Jugendzentrum selbst auf deutsch, türkisch und bulgarisch. Den in den Stadtteilen nahe der „Villa B“ drei „am meisten gesprochenen Sprachen“, heißt es dazu. Die Plätze seien „ratzfatz“ ausgebucht gewesen, berichtet Petra Henning, Leiterin der Abteilung Jugendförderung.

Hinzu kommen Sport und Bewegung

Noch bis Freitag stärken sich die Teilnehmer jeweils erst einmal mit einem abwechslungsreichen, selbst zubereiteten Frühstück. Zum Auftakt durften sie unter mehreren Müslisorten aussuchen. Anschließend gehen die Kinder mit Ernährungsfachkräften einkaufen und kochen ein nahrhaftes Mittagessen. Anschließend gibt es noch ein vielseitiges Sport- und Bewegungsangebot, bei schönem Wetter rund um das Jugendzentrum. „Wir sind ja schon länger mit dem Thema unterwegs“, sagt Axel Spitzer zu dem Projekt. „Das passte super wie ein Puzzle-Teilchen bei uns rein“, fährt der VSG-Geschäftsführer fort. „Wir müssen dahin gehen, wo die Kinder sind.“

Alternativen zur Tiefkühl-Kost

Viele Kinder würden lediglich Tiefkühl-Pizza und -Gerichte kennen, erzählt Stephanie Bickmeier. Sie ist bei der AOK Fachfrau für Prävention. Bei dem auf drei Jahre angelegten Projekt werde deshalb vermittelt, wie man frisch und auch fleischlos kochen „und aus frischen Produkten was Tolles rausbekommen“ könne.

„Deutschland ist zu dick, jedes sechste Kind ist zu dick“, führt Hans Stratmann aus. Es nutze jedoch nichts, einfach nur den Zeigefinger zu erheben, sondern man müsse auf die Kinder zugehen, findet der AOK-Regionaldirektor. Man müsse Überzeugungsarbeit leisten, zumal das gesündere oft auch das finanziell günstigere Essen sei, und man komme nicht umhin, auch die Eltern einzubinden. „Sonst erreichen Sie keine Verhaltensänderungen.“

Viele Kinder leiden bereits unter Altersdiabetes

Das Ganze müsse über den Schneeballeffekt ausgerollt werden, um eine breite und tiefe Wirkung zu erzielen, immens wichtig sei auch hinsichtlich des Teilnehmerkreises ein Mix von Kindern deutscher Herkunft und solcher mit Migrationshintergrund. Als geradezu erschreckend bezeichnet Hans Stratmann den Anteil der Kinder, die bereits unter Altersdiabetes litten. Das gehe auf die Knie und Gelenke, mache die Betroffenen zu potenziellen Früh-Erwerbsunfähigen.

Zum Ende der Ferienwoche sind alle Eltern als Ehrengäste zum Abschlussmenü eingeladen und vielleicht gibt’s anschließend noch einen kleinen sportlichen Wettbewerb. Für die Teilnahme am Kurs erhält jedes Kind ein Kochdiplom und ein Rezeptheft.

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