Geschichte

Neues Buch berichtet über revolutionäre Zeiten in Velbert

Der ehemalige Leiter der Velberter Polizei-Station, Henri Schmidt, hat im Ruhestand noch Geschichte studiert und veröffentlicht Bücher.

Der ehemalige Leiter der Velberter Polizei-Station, Henri Schmidt, hat im Ruhestand noch Geschichte studiert und veröffentlicht Bücher.

Foto: Ulrich Bangert

Velbert-Mitte.   Der Historiker Henri Schmidt beleuchtet die Rolle der Arbeiter- und Soldatenräte nach dem Ersten Weltkrieg. Sie hinterließen Spuren in Velbert.

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Mit einem revolutionären – und doch fast in Vergessenheit geratenem – Thema der Stadtgeschichte befasst sich das neue Buch des Velberter Historikers Henri Schmidt: Unter dem Titel „Revolution in Velbert. Die Tätigkeit des Arbeiter- und Soldatenrates 1918/1919“ schildert es die dramatischen Ereignisse vor und nach dem Ende des Ersten Weltkriegs.

Auf 66 Seiten mit vielen historischen Fotos schlägt der 79-Jährige dabei zunächst den Bogen zur Reichspolitik: „Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil möchte ich die Leser an das Ende des Ersten Weltkriegs heranführen, das von politischen Unruhen und Not geprägt war“, erzählt Schmidt. Dafür bringt er die Umstände näher, die den Matrosenaufstand ausgelöst hatten. Dieser trug zur Bildung der ersten Arbeiter- und Soldatenräte bei, die sich Anfang November 1918 rasch in ganz Deutschland ausbreiteten.

Bedeutung der Räte „nicht hoch genug“ einzuschätzen

Die Bedeutung der neuen Räte „kann man auch nicht hoch genug einschätzen“, meint Schmidt, der von 1974 bis 1994 Leiter der Polizei-Station Velbert war und danach ein Seniorenstudium an der Bergischen Universität Wuppertal in den Fächern Geschichte und Politikwissenschaft absolvierte. So hätten SPD und USPD unter Führung von Friedrich Ebert es geschafft, sich bei einer Versammlung in Berlin die Zustimmung von 3000 Arbeiter- und Soldatenräten für ihre Politik einzuholen – auch durch Zugeständnisse an die Adresse der Räte. „Damit haben die Räte zur Bildung der ersten stabilen Regierung der Nachkriegszeit beigetragen, daraus resultierte auch die Weimarer Verfassung“, sagt Schmidt.

Bürgermeister und Stadtverwaltung unterstellten sich

In Velbert hinterließen die Arbeiter- und Soldatenräte ebenfalls Spuren, wie der Historiker in dem zweiten Teil seines Werks erläutert, das in Zusammenarbeit mit dem Bergischen Geschichtsverein, Abteilung Velbert-Hardenberg (dort ist Schmidt Vorstandsmitglied), entstanden ist. Denn: „Am 11. November 1918 unterstellten sich der Bürgermeister, die Stadtverwaltung sowie die kommunale Polizei den zwölf Arbeiter- und fünf Soldatenräten der Stadt.“ Darauf sei eine Schutzmannschaft mit 150 Mann zur Wahrung der öffentlichen Ordnung gebildet worden.

Die heimkehrenden Soldaten bekamen Arbeit

Die neuen Räte hätten auch jede Menge Aufgaben gehabt: „Sie haben etwa die Lebensmittellage in der Stadt überwacht, haben dafür gesorgt, dass Soldaten aus Velbert Arbeit bekamen, kümmerten sich um die Unterbringung von durchziehenden Soldaten und haben das erste Wohnungsamt gegründet, um die Wohnungsnot zu bekämpfen“, berichtet Schmidt. Er stützte sich bei seinen Recherchen vor allem auf Dokumente im Stadtarchiv.

Räte besorgten nötiges Kleingeld für die Bürger

Und noch eine, aus heutiger Sicht seltsam anmutende Sache oblag den neuen Räten: „Da Menschen das Geld gehortet hatten, gab es eine Kleingeldknappheit. Die Räte haben dann zwei Millionen Reichsmark in kleinen Scheinen für die Stadt organisiert“, schildert Schmidt und betont: „Es gab auch keine Übergriffe oder Unruhen. Die Räte wurden in Velbert als positiver Ordnungsfaktor gesehen.“ Dies habe auch zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung geführt, ehe der Arbeiter- und Soldatenrat am 23. Februar 1919 nach Beruhigung der Lage seine Arbeit einstellte.

Das Buch „Revolution in Velbert“ ist mit einer ersten Auflage von 200 Stück im Selbstverlag erschienen. Es kostet 14,50 Euro und ist beim SCALA Verlag und im örtlichen Buchhandel erhältlich.

<<<AUTOR HÄLT VORTRAG ZU SEINEM BUCH

  • Henri Schmidt hält am Donnerstag, 19. Juli, um 19 Uhr im Brauhaus Alter Bahnhof (Güterstraße 9,) einen Vortrag zu seinem neuen Buch. Eintritt frei.


  • Das Werk ist die fünfte Veröffentlichung des Historikers. Bereits erschienen sind „Polizei in Diktatur und Demokratie, Velberter Polizeigeschichte seit 1933“, „Sicherheit in stürmischen Zeiten, Velberter Polizeigeschichte von 1914-1933“,„Ein Nevigeser in Berlin. Die außergewöhnliche Polizeikarriere des Magnus Heimannsberg“ sowie „Velbert in französischer Hand. Die Ruhrbesetzung von 1923-1925“.

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