Renaturierung

Ruhrverband äußert sich zu Vorwürfen des BUND Velbert

Die Deilbachaue im Grenzgebiet zwischen Velbert, Hattingen und Essen (oberhalb der Bahnstrecke) soll umgestaltet werden. Der BUND Velbert kritisiert die Maßnahme, der Ruhrverband - ausführender der Arbeiten - nimmt dazu Stellung.

Die Deilbachaue im Grenzgebiet zwischen Velbert, Hattingen und Essen (oberhalb der Bahnstrecke) soll umgestaltet werden. Der BUND Velbert kritisiert die Maßnahme, der Ruhrverband - ausführender der Arbeiten - nimmt dazu Stellung.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Langenberg.  Die Umweltschützer werfen dem Ruhrverband vor, bei der Renaturierung der Deilbachaue in Langenberg bestehende Ökosysteme zu gefährden.

Die Pläne zur Renaturierung der Deilbachaue gibt es schon länger und eigentlich wollte der Ruhrverband auch bereits im Sommer 2020 loslegen. Doch der Maßnahmen-Beginn hat sich verzögert, im November 2020 gab es dann noch einen Ortstermin mit Naturschutzverbänden (NABU, BUND Velbert und Hattingen) sowie Vertretern des Ruhrverbands, des Kreises Mettmann und des Ennepe-Ruhr-Kreises. Danach sollte es losgehen.

Doch nun erhebt der BUND Velbert Vorwürfe gegen den Ruhrverband. Der harmloseste: Die Maßnahme diene lediglich als Ausgleich für das geplante Gewerbegebiet "Große Feld" in Velbert-Mitte. Das sei korrekt, bestätigt Britta Balt, stellvertretende Pressesprecherin des Ruhrverbands, auf Nachfrage der WAZ: "Das Projekt wird in der Tat über ein Ökokonto finanziert, mit dem Eingriffe in die Natur ausgeglichen werden können, die durch Baumaßnahmen an anderer Stelle entstehen. Der Ruhrverband ist mit dieser Finanzierungsform dem Wunsch seiner Mitgliedskommunen Velbert und Heiligenhaus nachgekommen."

Auenlebensräume sind stark gefährdet

Zur Begründung führt Balt aus, dass naturnahe Auenlebensräume und artenreiches Grünland seltene und stark gefährdete Lebensräume seien, die gerade "in unserem dicht besiedelten Ballungsraum nur an wenigen Stellen wiederhergestellt werden können". Die rund sieben Hektar große Fläche am Deilbach (das entspricht zehn Fußballfeldern) böte sich daher an, um einer der zentralen Forderungen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, "nämlich dem guten ökologischen Zustand der Gewässer", ein Stück näherzukommen und dem Verlust der Artenvielfalt entgegenzuwirken.

Ferner geht es in dem Schreiben des BUND um bedrohte Tierarten und deren Rückzugsorte, die durch die Maßnahmen in Gefahr geraten würden sowie um die Überschwemmungs-Wiese und einen Seitenbach, die in den Planungen des Ruhrverbandes keine Rolle spielen würden.

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"Der in dem Schreiben konkret angesprochene Eisvogel kommt in der Tat am Deilbach vor, allerdings ist von Brutaktivitäten innerhalb des Projektgebietes bislang nichts bekannt", erläutert dazu Britta Balt. Da der Deilbach auch nach der Renaturierung seine Ufer ungehindert gestalten können werde - "durch die Entfernung von Uferverbau künftig sogar noch mehr als bisher"-, werde der Eisvogel von der Maßnahme ebenso profitieren wie der ebenfalls genannte Grasfrosch, "bei dem es sich um eine deutschlandweit verbreitete und nicht gefährdete Art handelt", so die Sprecherin.

Im Zuge der vorbereitenden Planungen sei der Ruhrverband zudem der Vermutung nachgegangen, dass in dem auf der anderen Deilbachseite gelegenen ehemaligen Steinbruch ein Uhu-Pärchen brüten könnte. "Dafür wurden jedoch keine Belege gefunden."

Seitenbach verläuft in historischem Bachbett

Bei dem vom BUND genannten Seitenbach handele es sich um den Finkenbach. "Der verläuft im historischen Deilbachbett, das in der Vergangenheit verfüllt wurde. Die neue Flutrinne nimmt diesen Verlauf auf, der im bisherigen Zustand naturfern eingetiefte Graben des Finkenbachs wird dadurch aufgeweitet, was den ursprünglichen Bachstrukturen erheblich mehr entspricht", sagt Britta Balt. "Es ist also nicht zutreffend, dass dieser Bach und das umgebende Gelände in den Planungen des Ruhrverbands keine Rolle gespielt hätten."

Vorwurf: Boden mit Schwermetallen belastet

Weiterhin wirft der BUND den Bauherren vor, dass der Erdaushub mit Schwermetallen belastet sei, eine weitere Gefahr. "Wie an vielen Stellen in unserer Region ist die Schadstoffbelastung auch am Deilbach aufgrund der früheren industriellen Nutzung im Einzugsgebiet leicht erhöht", erläutert die stv. Pressesprecherin. Für die Umgestaltung der Deilbachaue seien deshalb zahlreiche Maßnahmen ergriffen worden, "wie sie in den gesetzlichen Bestimmungen zum Boden- und Grundwasserschutz vorgesehen sind – also etwa umfangreiche Bodenuntersuchungen, die Aufstellung eines Bodenmanagementplans und eine bodenkundliche Baubegleitung." Auch die Bodenschutzbehörden der beiden beteiligten Kreise Mettmann und Ennepe-Ruhr "haben der Planung zugestimmt."

"Bedenken nicht berücksichtigt"

Abschließend heißt es im Schreiben des BUND, dass Bedenken des Bergisch-Rheinischen Wasserverbandes (BRW) und der Umweltschützer nicht berücksichtigt worden wären. "Der BRW war von Anfang an in die Planungen eingebunden und hat der Maßnahme ausdrücklich zugestimmt", hält Britta Balt dagegen. Er habe lediglich in Bezug auf die Umgestaltung des Finkenbachs angeregt, "die umgebende Hochstaudenflur so weit wie möglich zu erhalten. Dem wird im Rahmen der Bauausführung Rechnung getragen."

Ebenso, unterstreicht die Sprecherin, seien Anregungen der Naturschutzverbände NABU sowie BUND Velbert und Hattingen berücksichtigt worden, die sich aus dem Ortstermin im November 2020 ergeben haben: "Zu nennen ist hier beispielsweise die Anregung des BUND Hattingen, die Sohle der neu angelegten Stillgewässer so zu vertiefen, dass die künftig dort heimischen Amphibienarten vor einem etwaigen vollständigen Austrocknen bestmöglich geschützt werden".

Bei dem Ortstermin, so Britta Balt abschließend, "wurde übrigens das vorgestellte Vorhaben von den anwesenden Vertretern der Umweltverbände, mit Ausnahme des Vertreters des BUND Velbert, allgemein befürwortet."

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