Schwimmen

Velberter Grundschüler schwimmen besser als der Durchschnitt

Viel los ist im Nizzabad Velbert-Langenberg. Dass viele Grundschüler besser schwimmen können, als der deutsche Durchschnitt beweisen die Kinder jedes Jahr beim Triathlon der Langenberger Grundschulen – hier ein Foto aus dem Juli 2019.

Viel los ist im Nizzabad Velbert-Langenberg. Dass viele Grundschüler besser schwimmen können, als der deutsche Durchschnitt beweisen die Kinder jedes Jahr beim Triathlon der Langenberger Grundschulen – hier ein Foto aus dem Juli 2019.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Velbert.  Laut DLRG können 60 Prozent der Zehnjährigen nicht sicher schwimmen. In Velbert allerdings sieht das anders aus. Die Gründe liegen auf der Hand.

Die Zahlen, die die DLRG vor einiger Zeit an die Hand bekommen hat, sind erschreckend: Demnach sind fast 60 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer. Als sicher gilt, wer mindestens das Bronzeabzeichen erhalten hat. Die Daten lieferte das Forsa-Institut nach einer repräsentativen Umfrage.

Die Situation an den Velberter Grundschulen deckt sich allerdings nicht mit den Ergebnissen der Umfrage. Das geben übereinstimmend Arnfried Szymanski, Schulleiter der Nevigeser Regenbogenschule, und Jutta Kemper, Schwimmlehrerin an der Langenberger Wilhelm-Ophüls-Schule, zu Protokoll.

Velberter Schüler profitieren von den drei Schwimmbädern

„Wir haben in Velbert eine ganz gute Situation, weil wir in jedem Stadtbezirk ein Schwimmbad haben“, sagt Szymanski. „Ich war vorher in Hagen, da hat ein Bad nach dem anderen geschlossen. Wir hatten dort Schwierigkeiten, überhaupt an Schwimmzeiten zu kommen.“

Genauso erlebt das Jutta Kemper, die gemeinsam mit Stefan König in Langenberg Schwimmunterricht erteilt. „Ich komme aus Bochum und weiß, wie dramatisch da die Lage für die Grundschulen ist.“ In Velbert hingegen „merkt man schon, dass das hier so ein wenig ländliche Idylle ist“, sagt Kemper. „Wir schweben hier ein bisschen auf der rosa Wolke.“

Viele Kinder haben zum Ende der Schullaufbahn ihr Seepferdchen

Ganz konkret bedeutet das, dass von den 32 Kindern aus dem vierten Jahrgang der Ophüls-Schule 28 am Ende ihrer Schullaufbahn mindestens das Seepferdchen-Abzeichen haben werden. „Und von den restlichen vier Kindern sind drei so weit, dass sie keine Angst vor dem Wasser haben und auch schon ins tiefe Becken können“, sagt Kemper.

Ähnlich ist es an der Regenbogenschule, bestätigt Arnfried Szymanski: „Ich bin seit fünf Jahren hier und im Schnitt können zwei Drittel der Kinder nach der Schulzeit bedenkenlos ins tiefe Becken.“ Und selbst die Kinder, die Angst vor dem Wasser haben, „die kriegen wir so weit, dass am Ende des Jahres die Angst weg ist.“

Manche Kinder kümmern sich selbst um Zeit im Schwimmbad

Mangelnde Unterstützung aus dem Elternhaus gebe es bei Kindern an beiden Schulen. Arnfried Szymanski hat aber teilweise Verständnis dafür: „Wir haben hier Kinder syrischer Flüchtlinge. Die kennen das aus ihrer Heimat nicht und haben ehrlich gesagt auch andere Sorgen gehabt bisher.“

„Bei uns ist das so, dass Kinder die mit ihren Eltern nicht schwimmen gehen, sich andere Kinder aus er Klasse suchen und fragen, ob sie zusammen ins Nizzabad gehen können“, ist Jutta Kemper ein wenig stolz auf die Selbstständigkeit ihrer Schüler. „Und ich finde es auch toll, dass die Eltern dieser Kinder mutig genug sind, um ihren Nachwuchs mit anderen mitgehen zu lassen.“

Die Grundschule Birth bietet eine AG für Nichtschwimmer an

Die Grundschule Birth verfolgt ein anderes Konzept, hat aber ähnlichen Erfolg, berichtet Sarah Bauer. Gemeinsam mit Christiane Bleikertz bietet sie eine Schwimm-AG für Kinder der zweiten Klasse an. Die richtet sich explizit an Nichtschwimmer, „also Kinder, die noch keine Bahn schwimmen können oder überhaupt nicht ans Wasser gewöhnt sind.“

Spielerisch werden diese Kinder an das nasse Element heran geführt, damit sie dann in Klasse 3, wenn im Birth der Schwimmunterricht stattfindet, gut vorbereitet sind. „Wir starten dann zwar immer noch mit Nichtschwimmern, die Wassergewöhnung entfällt dann aber“, sagt Sarah Bauer. Und durch die Vorarbeit in der AG „kommen die dann auch schnell in die Schwimmergruppe.“

Eltern werden früh gebeten, mit ihren Kindern schwimmen zu gehen

Den Bedarf für die AG fragen die beiden Pädagoginnen am Ende der 1. Klasse ab. „Danach planen wir dann.“ Die Eltern werden aber ab Einschulung einbezogen: „Wir sagen den Eltern schon früh, dass sie doch bitte mit ihren Kindern schwimmen gehen sollen.“ Oft funktioniere das, „aber es gibt auch immer wieder einzelne, die sich darauf verlassen, dass wir ja die AG anbieten.“

Seit fünf Jahren ist Sarah Bauer an der Grundschule Birth und „es fällt schon auf, dass hier in Velbert viele Kinder schwimmen, teilweise sogar richtig gut schwimmen können“, sagt sie. „Dass liegt, denke ich, an der guten Situation mit den drei Schwimmbädern hier.“

Eine große Ausnahme in der gesamten Stadt bildet die Max-und-Moritz-Schule in Langenberg: Da der Schule in Nierenhof das Lehrschwimmbecken zur Verfügung steht, bekommen die Kinder in allen vier Grundschuljahren Schwimmunterricht.

Stadtwerke loben Zusammenarbeit mit den Schulen

Andreas Quandt ist Meister für Bäderbetriebe und im Velberter Parkbad im Einsatz. Sein Eindruck: „Ob Kinder schwimmen können oder nicht, das ist von Schule zu Schule unterschiedlich.“ Aber er habe schon beobachtet, dass die Zahl der Kinder, die eben nicht schwimmen können, zugenommen hat. „Vor allem im Sommer ist das anstrengend geworden“, sagt Quandt. „Wir müssen immer öfter Leute darauf ansprechen, dass sie mit Nichtschwimmern doch bitte auch in den Nichtschwimmerbereich gehen.“

Sein Chef Norbert Noll, bei den Stadtwerken Velbert zuständig für die Schwimmbäder, lobt derweil die gute Zusammenarbeit – nicht nur mit den Schulen sondern auch der Schulen untereinander. „Wir haben Platz in den Bädern, so dass auch zwei Schulen gleichzeitig Schwimmunterricht anbieten können“, sagt Noll. „Ich finde sehr schön, dass das so akzeptiert wird und seit mehr als 20 Jahren so gut funktioniert.“

Interesse an Schwimmkursen ist ungebrochen

Dazu komme der „kurze Draht zu den Schulen“, so der Bäderchef. „Wir können schnell Lösungen finden, das klappt sehr gut.“ Auch die Lehrer seien ungemein engagiert. „Das macht Spaß.“

Und das Interesse in Velbert sei ungebrochen, viele Kinder möchten schwimmen lernen – oder Eltern möchten, dass ihre Kinder sicher im Wasser sind: „Allein die Stadtwerke bieten 37 Kinderkurse an, dazu kommen gewerbliche Schwimmkurse sowie Vereine. Das ist schon toll.“

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