Opfer betäubt

Schwerer sexueller Missbrauch in Datteln: 62 Fälle angeklagt

Heimlich soll der 54-Jährige seinen Opfern Betäubungsmittel verabreicht und sie danach missbraucht haben.

Heimlich soll der 54-Jährige seinen Opfern Betäubungsmittel verabreicht und sie danach missbraucht haben.

Foto: Lisa Krassuski / dpa (Archiv)

Datteln/Bochum.  54-Jähriger soll Mädchen und Frauen betäubt, sexuell missbraucht und gefilmt haben. Nach der Festnahme sicherte die Polizei Unmengen an Daten.

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Die Staatsanwaltschaft Bochum hat einen Mann aus Datteln wegen schweren sexuellen Missbrauchs und Körperverletzung in 62 Fällen angeklagt. Der 54-Jährige, der Medienberichten nach selbst Familienvater sein soll, soll sich in seiner Wohnung an sechs Kindern, einer Jugendlichen und vier erwachsenen Frauen vergangen haben. Alle Opfer sind weiblich, die jüngsten waren elf beziehungsweise zwölf Jahre alt. In 37 der angeklagten 62 Taten, bei denen es schwere Vergewaltigungen, sexuelle Nötigungen und sexuelle Übergriffe gegeben haben soll, geht es um den Missbrauch von Kindern.

Erste Übergriffe listet die Anklage aus der Zeit um den Jahrtausendwechsel auf, die übrigen Taten geschahen im Zeitraum von Juli 2013 bis Ende 2018. Der 54-Jährige soll seine Opfer mit starken Schlafmitteln, unter anderem Benzodiazepam oder Zolpidem, betäubt und so außer Gefecht gesetzt haben, bevor es zu den Übergriffen kam. Die Taten soll der Angeklagte, der nicht vorbestraft ist, gefilmt haben, vor allem die Übergriffe an den Kindern.

Wochenlang dauerte die Sichtung des Materials

Nach seiner Festnahme im Februar sicherte die Polizei Unmengen an Datenmaterial. Die Ermittlungskommission, die den Fall für das Präsidium in Recklinghausen bearbeitete, musste von Kollegen aus Nachbarbehörden unterstützt werden. Wochen dauerte allein die Sichtung der aufgenommenen Filme. Zunächst war nicht ausgeschlossen worden, dass die ursprünglich genannte Zahl der Opfer noch steigen könnte.

Bereits in seinen Vernehmungen bei der Polizei hatte der Mann die Taten teilweise gestanden. Aufgeflogen war der Dattelner zufällig. Nach einem Übernachtungsbesuch bei dem Mann klagte eins der missbrauchten Kinder gegenüber seinen Eltern über Schwindelgefühle. Eine Untersuchung im Krankenhaus ergab dann die auffällig erhöhten Werte von Beruhigungsmitteln im Blut.

Frage der Sicherungsverwahrung steht im Raum

Mit den erwachsenen missbrauchten Frauen soll der 54-Jährige teilweise reguläre Beziehungen geführt haben. Gegen die Mutter eines Opfers wurde zudem separat ermittelt, weil sie bei den Übergriffen geholfen haben soll. Mehrere Opfer werden den Prozess, für den es noch keinen Termin gibt, wohl als Nebenkläger verfolgen. Wenn das Bochumer Landgericht die Anklage wie erwartet zulässt, wird es in der Verhandlung nicht nur um eine mögliche lange Freiheitsstrafe gehen. Es dürfte zusätzlich die Frage im Raum stehen, ob gegen den Dattelner eine Sicherungsverwahrung verhängt werden könnte. Dann bliebe offen, ob und wann der Mann jemals wieder auf freien Fuß kommt.

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