Liet-Höhle

Nur wenige Menschen haben die Liet-Höhle bisher betreten

Die Liet-Höhle ist bis heute nicht für die Öffentlichkeit zugänglich – sie liegt mitten im Steinabbaugebiet. Ihre Tropfsteingebilde sollen aber zu den schönsten in ganz Deutschland zählen.

Die Liet-Höhle ist bis heute nicht für die Öffentlichkeit zugänglich – sie liegt mitten im Steinabbaugebiet. Ihre Tropfsteingebilde sollen aber zu den schönsten in ganz Deutschland zählen.

Foto: privat

Warstein.   Sprengungen legen vor 70 Jahren die Höhle in Warstein frei. Fachleute bezeichnen die Tropfsteingebilde als die schönsten in Deutschland.

Vor 70 Jahren wurde in Warstein unterhalb der „Hohen Liet“ eine Tropfsteinhöhle entdeckt, die damals nach Meinung der Fachleute noch größer und schöner als die 50 Jahre zuvor entdeckte Höhle im Bilsteintal ist. Der Eingang zu der neuen Höhle war bei Sprengungen in den Feldmannschen Kalkwerken freigelegt worden.

Harald Feldmann, Sohn des damaligen Steinbruchbesitzers, hat die Entdeckung zwar selber von innen nie besichtigt, erinnert sich jedoch an Erzählungen seines Vaters. Damals kamen Professoren aus Münster und Tübingen, um die unterirdische Kostbarkeit in Augenschein zu nehmen und zu untersuchen.

Berichte über neue Tropfsteinhöhle

Die WESTFALENPOST berichtete am 10. August 1948 unter der Überschrift: Neue Tropfsteinhöhle im Fackellicht.

„Neue Tropfsteinhöhle im Fackellicht. Eine zweite Warsteiner Höhle entdeckt – Größer und schöner als die Bilsteinhöhle.“ In dem Bericht heißt es unter anderem: „Der Eingang, ein kleines Felsenloch, ermöglicht noch keinen Zutritt für die Öffentlichkeit. Natürlich fehlt auch noch Beleuchtung. Mit brennenden Fackeln beschritt man das Innere des Berges und erlebte eine freudige Überraschung: Eine zweite große Tropfsteinhöhle auf Warsteiner Boden ist da, die noch größer und schöner als die vor 50 Jahren – auch durch einen Zufall – entdeckte Bilsteinhöhle sein soll.

Über zerklüftete Felsen geht der Weg und durch schmale Gänge, die sich nach verschiedenen Seiten hin ausdehnen und in großen Hallen münden. Die Decken und Wände sind mit sehr schönen und zum Teil auch größeren Tropfsteingebilden (Stalagmiten und Stalaktiten) versehen, die mit ihrer weiß-schimmernden Klarheit an einen Eispalast erinnern. Diese Gebilde übertreffen an Schönheit die alten an der bisherigen Tropfsteinhöhle, da hier nur Kalkstein ohne Zusatz von Manganerzen vorhanden ist.

Der Boden ist zum Teil mit korallenartigen Gebilden versehen und an verschiedenen Stellen ganz glatt und glänzend. Man nimmt an, dass hier vor ca. 200 000 Jahren ein Flussbett gewesen ist; wie bereits ein Forscher vor einigen Jahren an einer dicht daneben gelegenen, nur mit wenigen Gebilden versehenen Höhle feststellte.

Da noch nicht alle Gänge zugänglich sind und erst durch Sprengungen erschlossen werden können, ist anzunehmen, dass noch weitere Tropfsteingebilde gefunden werden und wahrscheinlich auch ein Verbindungsweg zu der daneben gelegenen Höhle besteht. Die Erforschung geht weiter.

Besucher erhalten erste Eindrücke

Die ersten Eindrücke der fachkundigen Besucher waren so überwältigend, dass man damals vermutlich davon ausging, dass auch diese Höhle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müsste. Am 17. August 1948 berichtete die WESTFALENPOST:

„Zur Besichtigung der neu entdeckten Tropfsteinhöhle weilten bereits Professoren aus München hier. Anfang September wird man mit den unterirdischen Vermessungen beginnen. Die Höhle ist bisher noch nicht für die Öffentlichkeit freigegeben.“

In der Nähe der Liet-Höhle entdeckten die Forscher einige Tage später einen großen unterirdischen See. Darüber berichtete die WP am 24. August 1948:

„Der See befindet sich auf dem Grund einer tiefen Höhle, deren Eingangspforte der Felswand der neu entdeckten Warsteiner Höhle gegenüber liegt. Mit Hilfe zweier etwa 15 Meter langen Seile lässt man sich zur untersten Höhlenetage hinab.“

Im Gewirr der Gänge ist der See nur schwer zu finden; und bisher hat erst ein Mensch – über der weichen Lehmschicht sind deutlich die Fußspuren abgezeichnet – sein Ufer betreten. Durch sein kristallklares und völlig stilles Wasser kann man so ungehindert auf seinen Grund sehen, dass man ihn erst bemerkt, wenn man mit nassen Füßen darin steht.

Wie solch ein See zustande kommt, ist leicht zu erklären. Durch den aus durchlässigem Kalkstein bestehenden Berg sickert Wasser und wird durch eine tiefer gelegene, sehr feine und wasserdichte Lehmschicht gestaut. Es sammelt sich schließlich in einem Hohlraum als See. Die zufließenden Wassermengen, die über das Stauvermögen des Sees hinausgehen, fließen durch die etwas unterhalb des Bergfußes gelegene Range-Quelle ab.

In dem vom Warsteiner Heimatforscher Bernhard Wiemeyer in den 50er Jahren herausgegebenen Heftchen „Aus der Geschichte der Stadt Warstein“ steht unter der Jahreszahl 1948:

„1948 werden die Tropfsteinhöhlen in der Hohen Lith entdeckt, die von Fachleuten als die weitaus schönsten und interessantesten Höhlen Deutschlands bezeichnet werden.“

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