Gericht

Schaufel-Angriff auf Motorradfahrer? Bauer: Es war ein Unfall

Der nebenerwerbliche Landwirt muss sich wegen versuchten Mordes verantworten.

Der nebenerwerbliche Landwirt muss sich wegen versuchten Mordes verantworten.

Foto: Marcus Simaitis/Archiv

Arnsberg/Möhnesee.   Mit einer Schaufel soll ein Landwirt versucht haben, zwei Motocross-Fahrer von ihren Maschinen zu holen. Vor Gericht spricht er über den Vorfall.

Der Mann in dem karierten Hemd unter dem Pullover erinnert sich gerne an seine Schulzeit: Er hat einige Jahre auf einer Waldorfschule verbracht. „Mir hat die Zeit gut getan“, sagt der heutige Vertriebsmitarbeiter und Nebenerwerbs-Landwirt. Jetzt sitzt der 31-Jährige im Landgericht Arnsberg auf der Anklagebank und muss sich wegen versuchten Mordes verantworten.

Der Westfale, der noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, soll laut Anklage einen Motocross-Fahrer auf einem Feldweg in Möhnesee-Theiningsen „heimtückisch“ mit einem Schaufel-Schlag gegen den Helm angegriffen haben. „Es war ein Unfall“, lässt er über seinen Anwalt Wolfgang Guder ausrichten, „mir wurde bei Feldarbeiten die Schaufel aus der Hand geschlagen.“ Der Motocross-Fahrer (46) verletzte sich beim anschließenden Sturz schwer. Unter anderem musste das Endglied seines linken Zeigefingers amputiert werden.

Motocross-Prozess: Tragischer Unfall oder versuchter Mord?

Tragischer Unfall oder versuchter Mord? Es ist ein kniffliger Sachverhalt, den das Schwurgericht seit Donnerstag verhandeln muss. Dreieinhalb Jahre sind seitdem vergangen. Eine lange Zeit, in der aufwändige Unfallrekonstruktions- und Biomechanikgutachten angefertigt wurden. „Das Ende ist offen“, sagt Richter Hendrik Schmitt, „es kann eine andere rechtliche Würdigung als versuchter Mord geben.“

Am Nachmittag des 21. April 2014 waren zwei Motocross-Fahrer auf einer Tour in der Soester Börde unterwegs – ohne Kennzeichen an ihren Maschinen. „Es kann schon einmal Scherereien geben“, sagt das damals schwer verletzte Opfer im Zeugenstand. Nummernschilder würden gerne notiert und der Polizei gemeldet. Der Werler legt aber Wert auf die Feststellung, dass er wisse, welche Felder bestellt sind und welche nicht. Also aus seiner Sicht befahren werden dürfen.

Enduro-Fahrer waren mit 70 bis 80 km/h unterwegs

Dennoch: Hat den Landwirt womöglich gewurmt, dass zwei Enduro-Fahrer Feld und Flur „halsbrecherisch“ unsicher gemacht haben, wie es ein Zeuge ausgedrückt haben soll? „Es hat nie Probleme gegeben“, lässt der Angeklagte über seinen Anwalt ausrichten. Im Gegenteil: Beim Hof nutze ein Motorradclub eine Brachfläche für Treffen. Dass am Tag des Vorfalls zwei Maschinen in seiner Nähe unterwegs waren, will er nicht bemerkt haben: „Am Möhnesee dröhnen so viele Motorräder, die nimmt man nicht mehr wahr.“ Die Biker und der Landwirt kannten sich zuvor nicht.

70 bis 80 „Sachen“ sollen die Gelände-Maschinen drauf gehabt haben, als sie ein am Rande des Feldwegs abgestelltes Traktor-Gespann passierten. „Ich habe eine Schlagbewegung gesehen, wie unvermittelt mit einer Schaufel der Helm meines Mitfahrers getroffen wurde“, so der 24 Jahre alte, trotz eines Sturzes bei einem Ausweichmanöver unverletzte Begleiter des damals schwer verletzten Opfers.

Opfer hat nun Angst vorm Motorradfahren

Auch wenn der Angeklagte ruhig auf seinem Platz sitzt, merkt man ihm die Anspannung an. Er äußert sich zu seiner Person („ich hatte eine schöne Kindheit, weil ich auf dem Land aufwachsen durfte“), zur Sache verliest sein Anwalt eine Erklärung und beantwortet Fragen. Es tue ihm leid, dass jemand während „meines Arbeitsvorgangs“ verletzt wurde.

Den Sachverhalt stellt der gelernte Agrar-Betriebswirt völlig anders dar als die Biker. Er habe mit einer Schaufel dafür gesorgt, dass Saatkartoffeln von einem gekippten Traktor-Anhänger in eine Frontladerschaufel purzeln, deren Inhalt wiederum eine Saatmaschine befüllen sollte. „Plötzlich und mit Wucht“ sei die Schaufel ihm „aus der Hand geschlagen“ worden. Als die Motorräder abdüsten, sei für ihn die Angelegenheit erledigt gewesen. Weil die Schaufel gebrochen war, holte er sich ein neues Exemplar vom 400 Meter entfernten Hof und arbeitete an dem Tag weiter, bis das Feld bestellt war.

Das 46 Jahre alte Opfer war – auch wegen diverser Knochenbrüche – mehr als sechs Monate krank geschrieben. Seit seinem 19. Lebensjahr ist er Motorrad gefahren. Jetzt nicht mehr: „Ich habe den Spaß daran verloren“, sagt er, „ich habe Angst.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben