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Bochum-Wattenscheid: Wochenmärkte trotzen der Corona-Krise

Der Wochenmarkt auf dem Alten Markt ist gut besucht. Die Kunden halten sich an die Abstandsregeln, die durch Flatterbänder gekennzeichnet sind.

Der Wochenmarkt auf dem Alten Markt ist gut besucht. Die Kunden halten sich an die Abstandsregeln, die durch Flatterbänder gekennzeichnet sind.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Wattenscheid-Mitte.  Einkaufen im Freien wird in Wattenscheid gut genutzt, Kunden halten sich an Abstandsregeln. Bo-Marketing ist neuer Betreiber der Wochenmärkte.

„Betrieb und Waren haben wir noch genug“, sagt Jürgen Greife. Seit 70 Jahren ist die Wattenscheider Familie mit ihrem Obst- und Gemüsestand fester Bestandteil der Wochenmärkte. Während das Coronavirus das öffentliche Leben stark beeinträchtigt, verändert und einschränkt, sind die Wochenmärkte noch immer gut besucht. Neue Kunden haben das Angebot für sich entdeckt. Die Händler reagieren mit Schutzmaßnahmen und liefern teilweise an die Haustür.

Fraglos gibt es jedoch einfachere Zeiten, um ein neues Management zu übernehmen. Dieser Herausforderung stellt sich die Bochum Marketing GmbH seit dem 1. April (Mittwoch). Zwölf Standorte im gesamten Stadtgebiet werden fortan organisiert, neue Konzepte und Ideen sollen das Angebot beleben und gleichzeitig – vor allem in Krisenzeiten – Verlässlichkeit ausstrahlen.

Abstand wird gehalten

Familie Greife hat sich – wie viele Händler – etwas einfallen lassen müssen: „Unser zwölf Meter langer Stand ist in vier Abteilungen zu je drei Metern eingeteilt“, erklärt Jürgen Greife. Maximal zwei Kunden dürfen pro Abschnitt einkaufen, ein Flatterband sorgt für weiteren Abstand – auch beim Warten: „Die Kunden sind sehr diszipliniert und froh, dass sie noch auf den Märkten einkaufen können.“

Greife habe beobachtet, dass teilweise mehr gekauft werde, um die Familie mit zu versorgen: „Viele ältere Menschen bleiben derzeit eben zuhause. Wer keine Angehörigen hat, kann auch bestellen und wir liefern zur Haustür.“ Telefonisch statt persönlich. Der Obst- und Gemüsehandel kündigt die Waren an, stellt sie vor die Tür und regelt die Bezahlung kontaktlos. Durch die aktuelle Wirtschafts- und Arbeitssituation habe man neue Kunden gewonnen, die sonst keine Zeit für einen Markteinkauf am Vormittag gehabt hätten.

Erntehelfer helfen

Noch könne man sich also nicht beklagen, sagt Greife auch als Sprecher der Markthändler in Werne und auf dem Wattenscheider Bismarckplatz stellvertretend: „Auch wir wissen aber natürlich nicht, was noch kommt. Ein Großhändler aus dem Umkreis hat gemeldet, dass erstmals ein Lkw aus Italien nicht wie geplant eingetroffen sei. Und auf den Feldern fehlen die Erntehelfer.“

Müllentsorgung bleibt Thema

Zudem beschäftigt eine Änderung durch den Management-Wechsel hin zu Bo-Marketing einen Teil der Händler. Jürgen Greife: „Wir müssen unseren Müll jetzt selber entsorgen, unsere Kosten bleiben aber gleich. Für die großen Stände mit viel Tonnage ist das ein Problem, das wir vorgebracht haben.“ Frischwaren und Abfälle müssen grundsätzlich getrennt transportiert werden, was Händler Zeit und Geld kosten werde, da bislang noch nicht alle über entsprechende Vorrichtungen in ihren Fahrzeugen verfügen würden.

Bo-Marketing Prokurist Thomas Weckermann sieht in der Änderung wiederum ein Training für Nachhaltigkeit: „Mir ist völlig klar, dass sich Warenmengen nicht immer auf den Punkt kalkulieren lassen.“ Dennoch erhoffe man sich, künftig Abfallmengen reduzieren und in einem nächsten Schritt zusätzlich mit „foodsharing“ kooperieren zu können.

Neue Impulse

Auf Dauer spreche nichts dafür, den inklusiven Entsorgungs-Service doch wieder anzubieten, macht Weckermann den Händlern keine Hoffnungen. Dafür stellt er in Aussicht: „Wir sind darauf aus, die Gebühren zu senken, auch weil wir wissen, dass andere Städte kostengünstiger operieren können.“ Dass neue Impulse den Wochenmärkten auf Sicht neue Profile geben können, sehen Händler und Betreiber gleich.

Einkauf im Freien

Trotz Corona laufe es speziell auf dem Alten Markt in Wattenscheid sehr gut, urteilt auch Thomas Weckermann: „Vor der Krise, jetzt insbesondere. Kunden sprechen von ‚entspannten Einkäufen unter freiem Himmel‘, auch ein kurzer Schnack ist mit der gebührenden Distanz noch möglich.“

Der Wochenmarkt spiele eben eine erhebliche Rolle für einen funktionierenden Stadtteil, habe einen Wohlfühlfaktor. Diesen möchte man weiterhin gewährleisten und erhöhen. Weckermann: „Sicherlich ist es eine große Aufgabe, die in drei Jahren und neun Monaten Vertragslaufzeit nicht komplett zu erledigen ist. Wir haben zwölf Marktplätze an 21 Markttagen pro Woche, jeder Standort ist anders und wir müssen gucken, was den jeweiligen Stadtteilen zuträgt.“

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