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Der Wattenscheider Kindergarten in Gambia wächst weiter

Kindergarten-Leiterin Hawa Sanneh, der stellv. Vorsitzende Thomas Solbrig, Praktikantin „Milli“ Kosserz und Peter Funke (v.l.) inmitten der Kinderschar in Gambia.  

Kindergarten-Leiterin Hawa Sanneh, der stellv. Vorsitzende Thomas Solbrig, Praktikantin „Milli“ Kosserz und Peter Funke (v.l.) inmitten der Kinderschar in Gambia.  

Foto: Bea Funke / WAZ

Wattenscheid.  Mit Hilfe der Wattenscheider Paten können 480 Kinder im gambischen Brikama betreut werden. Gerade ist ein Schulbus unterwegs nach Afrika.

480 Kinder hätten den wohl weitesten Schulweg zu einem Wattenscheider Kindergarten, wenn der tatsächlich im Ruhrgebiet läge und nicht in Gambia. Und der ist so begehrt, dass er schon im nächsten Jahr 510, noch ein Jahr später 540 Kinder zwischen drei und sechs Jahren aufnehmen kann. Und aufnehmen wird, mit der Hilfe der rund 300 Paten aus der Hellwegstadt, die hinter dem 1980 gegründeten eingetragenen und gemeinnützigen Verein „Kindergarten Wattenscheid in Gambia - Partner für Afrika“ stehen.

Drei weitere Klassenräume sind gerade fertig gestellt worden, je nach Baufortschritt konnten so immer neue Erstklässler „aufgestockt“ werden, aktuell nun von 15 auf insgesamt 18 Klassen von je 30 Kindern. Gerade können sie sich auf einen Schulbus freuen, der per Schiffscontainer unterwegs nach Westafrika ist. Peter Funke, Vorsitzender des Wattenscheider Vereins, zeigt Bilder des alten Vehikels, von vorn und im Schatten noch ganz rüstig, bei genauem Hinsehen aber schon ganz schön rostig.

Alter Transportwagen von der Feuerwehr

„Das war ein Mannschaftstransportwagen, ursprünglich von der Wattenscheider Feuerwehr, gut 30 Jahre auf dem Buckel“, meint er schmunzelnd. Es wurde Zeit für Ersatz, und den hat dankenswerterweise die Firma Westermeier an der Lohrheide für den guten Zweck wieder rundum flott gemacht und hergerichtet.

Für die Tour zum Nachbarkontinent hat der Bus nun auch noch ordentlich Gepäck bekommen. Mit auf die Reise gingen „Matratzen für das Gästehaus, Liegen für die Dentalstation, Spielzeug, Kleidung“, zählt Funke auf, „allein zwei Kisten voll von der Köllerholzschule“. Die Dentalstation in Gambia versorgt 3000 Kinder im Jahr, merkt er noch an.

Wasserversorgung für den Gemüsegarten

Versorgung und Gesundheit hat auch noch eine andere Baustelle als Ziel, die von Wattenscheid aus begleitet wird. „Der Schulgarten soll eine eigene Wasserversorgung bekommen, vor allem unabhängig von der im Dorf, die oft so schon nicht ausreicht“, erzählt Funke, „damit können wir dann auch für das eigene Gemüse sorgen.“ Im März 2020 wollen die Wattenscheider zu einer großen „Patenreise“ nach Brikama starten, wenn der Verein 40 Jahre besteht.

Selbst in der nun vier Jahrzehnte währenden Patenschaft gibt es allerdings immer wieder noch Überraschungen, diesmal mit Isatou Joof, die die Wattenscheider Annette und Günter Brand schon 2005

auf einem ihrer Besuche für den Verein in Gambia kennen gelernt hatten. „Sie hätte nicht zur Schule gehen können“, schildert die heutige zweite Vorsitzende, und so stand fest, das Mädchen dauerhaft zu begleiten. Das ging bis zur Technical Highschool, wo die heute 19-Jährige eine Ausbildung zur Friseurin und Kosmetikerin absolvierte und gerade abgeschlossen hat. Nun hofft Isatou auf eine Stelle, womöglich in einem gambischen Hotel.

„Jahresprojekt“ Visum

Ihr neuerlicher Besuch in Wattenscheid gestaltete sich nun für Patin Annette allerdings zum „Jahresprojekt“: „Das hat mich von Februar an beschäftigt, ich habe zweimal bei der Deutschen Botschaft angerufen, um weiterzukommen.“ Denn ihr Visum für die Reise musste Isatou im Senegal beantragen, und die Behörden wollten diesmal unbedingt sicher gehen, dass sie auch wieder nach Gambia zurückkehren würde und verzögerten die Bearbeitung bis November.

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