Unterhaltung

Kolpingspielschar unterhält mit schwarzer Boulevard-Komödie

Umwerfend war die Darstellung von Martina Ridder (l.) und Silvia Wienert als Kegelschwestern Rita und Verona in der Boulevardkomödie der Kolpingspielschar.

Umwerfend war die Darstellung von Martina Ridder (l.) und Silvia Wienert als Kegelschwestern Rita und Verona in der Boulevardkomödie der Kolpingspielschar.

Foto: Gero Helm / FFS

Höntrop.  Die Wattenscheider Laienspielgruppe präsentiert„Chaos im Bestattungshaus“. Verwirrung und Verwechselungen garantieren bunte Unterhaltung.

Keine Überraschung ist, dass beim Theaterabend der Kolpingspielschar die Gäste weit vor dem angepeilten Einlass an der Widar-Schule erscheinen. Keine Überraschung ist auch, dass die drei Aufführungen ausverkauft sind, oder dass die Laiengruppe auch nach insgesamt 41 Jahren Boulevard-Komödien-Erfahrung noch immer Lampenfieber zeigt. Aber welche Typen sie auf der Bühne noch einmal besonders aus der Vorlage herausschält, ist die „Duftmarke“, der eigene Stil, und macht so einen Abend besonders.

Schließlich ist die Auswahl im Herbst groß, in Eppendorf wie in Stiepel wird auch gespielt. Sein Publikum ist der Höntroper Truppe aber garantiert, und, so verwöhnt es sein darf, wurde es auch bei dem aktuellen Stück, dem Dreiakter „Chaos im Bestattungshaus“ von Winnie Abel, nicht enttäuscht.

Schwarz-humoriges Verwechslungsspiel

Als „schwarze Komödie“ hatte Spielschar-Vorsitzender Joachim Ridder die folgenden zwei Stunden den „Freunden des anspruchsvollen Schauspiels“ augenzwinkernd angekündigt, und dass Irrungen, Wirrungen und Verwechselungen garantiert sein würden, setzten die Gäste voraus. Dass Boulevard-Theater keine falsche Pietät an den Abend legt, wurde bei den ersten Textzeilen klar: „Bestattung Speck - Bestattung mit Herz“ melden sich Gerd und Gattin Verona Speck (Stefan Weyers, Silvia Wienert) bei „potenziellen Kunden“ am Telefon.

Es bleibt kein Steilpass ohne Torerfolg, Sohnemann Paul Speck und seine Freundin Morgana (Jan Holthausen und Theresa Schlott) als Grufties („wir sind Gothics“) genießen die Atmosphäre: „Perfekt, hautnah am Reich der Toten.“ Kein Wunder, dass auch sie an den Verwicklungen ihren Anteil haben, wenn sie eine vermeintliche Leiche aus dem Kühlkeller als Requisite für einen Abend auf dem Friedhof ausleihen. Die dann prompt vermisst und für im Krematorium gelandet erklärt wird. Dabei ist endlich einmal Konjunktur im Hause Speck, denn zunächst „wird zu wenig gestorben“.

Doppeltes Ableben und Friedhofs-Requisite

Dabei wollte sich Fabrikant Udo Kemp (Sebastian Owerdieck) nur mit k.o.-Tropfen ausblenden, um für Gattin Roswitha (Anke Rahr) aus dem alten Leben zu scheiden und mit seiner Geliebten Rita (Tina Ridder) und abgezweigten Firmengeldern ein neues zu beginnen. So wird aus dem Doppelleben ein vermeintlich

doppeltes Ableben, und der geplante Himmel auf Erden eher ein fegefeuriger Alltag in der Ehehölle.

Für zusätzliches Chaos im Bestattungshaus sorgen Kemps Mitarbeiter Ludwig Heller und Gerichtsvollzieherin Anna Stecklüde (Dirk Kullik und Elke Schlott), auch mit hektischem Schluckauf und Vorliebe für Hochprozentiges - aus der umfunktionierten Urne. Kein Wunder, dass die Specks „die Leichen nicht unter Kontrolle haben“.

Die Kolpingspielschar reizt die Möglichkeiten des Stückes voll aus. Sie lässt den schein-toten Fabrikanten herrlich zu jedem möglichen und unmöglichen Thema kalauern, überkreuzt die Handlungsstränge der Kegelschwestern Rita und Verona und lässt den biederen Bestatter Speck seinen Generationenkonflikt mit bleich geschminktem Filius und Lehrling Paul polternd austragen.

Löwenmähne und Leoparden-Look

Stöckelnd und mit toupierter Löwenmähne sowie passend schrillem Leoparden-Look zu Leggins beherrschen aber vor allem Verona und Rita die Szenen, angelehnt an die Figur der Peggy Bundy aus der

amerikanischen Sitcom-Serie „Married with Children“, die bis zur Mitte der 90er Jahre in Deutschland als „Eine schrecklich nette Familie“ ihre Fans fand.

Ihre Fans versammelte die Kolping-Spielschar mit Regisseurin Steffi Weyers und den Souffleusen Katrin Abratis und Tanja Stein beim „meet and greet“ zum Ausklang des Theaterabends nach verdientem, langem Applaus.

Fotostrecke dazu auf www.waz.de.staedte

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