Tradition

Wattenscheider Gänsereiter greifen erstmals zum Holz-Tier

Der Höntroper Oberschulte Markus Oskamp präsentiert die „zentrale Figur“, eigens neu gestaltet, für das traditionelle Gänsereiten am Rosenmontag.

Foto: Gero Helm

Der Höntroper Oberschulte Markus Oskamp präsentiert die „zentrale Figur“, eigens neu gestaltet, für das traditionelle Gänsereiten am Rosenmontag. Foto: Gero Helm

Bochum-Wattenscheid.   Erstmals verzichten die Gänsereiter auf echtes Federtier. Beide heimischen Vereine betonen „eigene Entscheidung“ für diese Premiere.

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Sie wollen ihre Tradition sicher mit in die Moderne nehmen, und das nehmen sie gar nicht leicht: „Gut 15 Kilo“ wiegt die Gans, schätzt Markus Oskamp, Oberschulte der Höntroper Gänsereiter, und sie ist nun eine Attrappe mit Federkleid. Auch der Club aus Sevinghausen greift 2018 beim Reiterwettbewerb zum ersten Mal keiner echten Gans an den Hals, auch wenn diese bisher artgerecht gehalten und vorschriftsmäßig geschlachtet wurde.

Heftigen Widerstand hatte es schon seit „bestimmt 20, eher 25 Jahren“ von Tierschützern gegeben. Bis vor das Gelsenkirchener Verwaltungsgericht ging der Streit um die Genehmigung des Gänsereitens durch das Ordnungsamt Bochum. Um diesen Konflikt zu lösen, ordnete das Gericht 2017 ein Mediationsverfahren an. Ansonsten hätte jährlich neu über eine Genehmigung und dagegen eingelegte Widersprüche entschieden werden müssen.

Öffentliche Wahrnehmung habe sich gewandelt

„Die Luft wurde juristisch immer dünner,“ erklärt Achim Hehrs, Sprecher der Höntroper und Rechtsanwalt. Auch dadurch, dass sich die Wahrnehmung des Gänsereitens in der Öffentlichkeit gewandelt habe, hätten sich die Vereine mit großer Mehrheit für den Einsatz einer Attrappe entschieden, „das war kein leichter Schritt.“

Dazu beigetragen haben mag auch, dass das Kinder-Königsreiten im Südpark ein Ausstechen von Hufeisen per Reitgerte ist, und der befreundete Nachbarverein in Essen-Freisenbruch schon länger auf echte Gänse verzichtet. Und wachsende Zuschauerzahlen registriert. Auf eine solche Belebung hoffen nun auch die hiesigen Gänsereiter.

Die Höntroper Blaukittel konnten bei Entwurf und Herstellung der hölzernen Kunstgans sogar auf technisch versierte Kräfte aus den eigenen Reihen zurückgreifen. Die tüftelten, rechneten und modellierten lange, um eine Nachfolgerin für die bisherige, echte und außerdem leichtere Gans zu präsentieren. „Dahinter steckt ein hochtechnischer Mechanismus, richtig gut“, zeigt sich Oskamp sehr zufrieden. Für den Widerstand des Kunst-Vogels und die Spannung beim neuen, alten Reiterwettkampf sorgen verborgene Nylonschnüre.

Spanische Gäste reiten wieder mit

Mit dabei sein – und reiten – wollen in diesem Jahr auch wieder Gäste aus dem spanischen El Carpio de Tajo. Dort wird jeweils am 25. Juli mit dem Gänsereiten an die Rückeroberung des Örtchens von der arabischen Besatzung im Jahr 1411 erinnert.

Die Höntroper beziehen sich auf die Reiterspiele von Söldnern aus dem spanisch-niederländischen Erbfolgekrieg. Um 1598/99 überfiel der Sage nach ein riesiges spanisches Heer unter General Mendoza den rheinisch-westfälischen Raum und hinterließ dabei quasi im Wattenscheider Kirchspiel den Reiterwettkampf.

Eine weitere Tradition wird hier unverändert gepflegt, unterstreicht Oberschulte Oskamp: Das traditionelle (echte) Gänseessen.

>>> Info: Gemeinsamer Zug der Gänsereiter

  • 30 Abteilungen stellen die Gänsereiter zum traditionellen Rosenmontagszug am 12. Februar auf, ab 12 Uhr ist dazu die Höntroper Straße „dicht“. Zugesagt haben diesmal auch zwei holländische Showkapellen, die Kinder- wie die Jugendabteilungen der „Blaukittel“ stellen eigene Motiv-Wagen.
  • Der Zug formiert sich zunächst in der Straße Op de Veih, die aktiven Reiter schwenken zum Wettbewerb um 13 Uhr in den Südpark ab. Die Zugstrecke führt über die Zollstraße und Preins Feld zum Zeppelindamm, in Höhe der Gänsereiterhalle reihen sich die Sevinghauser Gänsereiter ein. Der Zug führt über den Wattenscheider Hellweg, Richtung Höntrop Kirche.
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