Wirtschaft

Borgers-Mitarbeiter treten in Dingden in den Warnstreik

Warnstreik bei Borgers: Die Mitarbeiter fürchten um ihre Arbeitsplätze. Das Bocholter Unternehmen will das Dingdener Werk bis Mitte 2020 schließen und 350 Stellen streichen.

Warnstreik bei Borgers: Die Mitarbeiter fürchten um ihre Arbeitsplätze. Das Bocholter Unternehmen will das Dingdener Werk bis Mitte 2020 schließen und 350 Stellen streichen.

Foto: Svenja Aufderheide

Hamminkeln/Bocholt.   Das Hamminkelner Werk soll Mitte 2020 schließen. Insgesamt will die Geschäftsführerung 410 Stellen streichen. Dagegen protestieren die Leute.

Warnstreik bei Borgers. Am Donnerstag um 13.30 Uhr traten 150 Mitarbeiter vor das Dingdener Werkstor am Ißhorst, um gegen die geplante Werksschließung zu protestieren.

410 Mitarbeiter sollen entlassen werden

Offiziell hatte die IG Metall Bocholt die Arbeitnehmer zum Warnstreik aufgerufen, um Druck bei den Textil-Tarifverhandlungen zu machen, die am Dienstag in Bielefeld in die dritte Runde gehen. Aber natürlich war es Manfred Robert und Hans-Joachim Hebing von der IG Metall vollkommen klar, dass die Borgers-Mitarbeiter in Bocholt und Dingden zurzeit andere Sorgen im Kopf haben, als einen Streik um 5,5 Prozent mehr Lohn.

Denn ihnen war am 28. Januar von Geschäftsführer Werner Borgers bei einer Betriebsversammlung mitgeteilt worden, dass das Dingdener Werk Mitte 2020 schließen wird und Borgers in diesem Zusammenhang 350 Mitarbeiter aus der Produktion und 60 Mitarbeiter aus der Verwaltung entlassen will.

Verhandlungen stehen noch aus

Der Dingdener Betriebsrat Roger Wilting spricht seitdem von einer „nicht gerade prickelnden“ Stimmung im Werk, das vor allem akustisches Dämmmaterial für die Automobilbranche und Elektrogeräte produziert. Viele Arbeitnehmer fürchteten um ihre Existenz.

Am Donnerstagmorgen sei dem Betriebsrat eine erste Vorabinformation der Geschäftsleitung gegeben worden. Weitere werden wohl noch folgen, bevor Betriebsrat und Gewerkschaft mit der Geschäftsführung in Verhandlungen treten. Zurzeit sei „Intern agieren – extern reagieren“ die Maxime.

Arbeitsplätze in Dingden und Bocholt in Gefahr

Für Ende Februar hat Borgers ein Sanierungsgutachten der Beratungsfirma Roland Berger angekündigt. Bis dahin gebe es erst einmal nichts zu verhandeln. Aber ganz klares Ziel sei es, so Hans-Joachim Hebing, das Dingdener Werk zu erhalten. Da Bocholt und Dingden rechtlich eine Einheit sind, sind nicht nur die Dingdener Arbeitsplätze in Gefahr, sondern auch jene in Bocholt, weil ein gemeinsamer Sozialplan ausgehandelt werden muss.

Der Gewerkschafter kritisiert mangelnde Investition in die Standorte Dingden und Bocholt bei gleichzeitigem Wachsen im Ausland. Das habe sich aber nicht gelohnt, wie die Probleme beim neuen Werk in Polen zeigten, in die ein Teil der Dingdener Produktion gezogen ist.

Vorwurf: Kompetenz der Mitarbeiter ignoriert

Facharbeitermangel sei auch in Polen ein Thema und viele, die in Dingden angelernt wurden, seien mittlerweile gar nicht mehr bei Borgers in Polen, sondern in die dortige Metallindustrie abgewandert, die höhere Löhne zahlt als die Textilbranche. Anders in Dingden, wo viele Mitarbeiter schon seit mehr als 20 Jahre bei Borgers seien und eine ganz andere Bindung an die Firma hätten, so Wilting.

Beim Warnstreik rief der Gewerkschafter Hebing dazu auf, Verbesserungsvorschläge beim Betriebsrat einzureichen, um in den Verhandlungen mit der Geschäftsführung auch auf sachliche Argumente für das Dingdener Werk in der Hand zu haben. Genau diese Vorschläge habe die Unternehmensführung in der Vergangenheit immer wieder verschmäht: „Es war ein großer Fehler, dass nicht auf die Kompetenz der Mitarbeiter gehört wurde.“

Am Dienstag, 19. Februar, findet um 13.30 Uhr in Dingden eine öffentliche Mitarbeiterversammlung statt, in der über den dann aktuellen Sachstand informiert werden soll.

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