Ballett

Der Nussknacker: Kraftvoller Spitzentanz im Bühnenhaus Wesel

         

         

Foto: Veranstalter

Wesel.  Ein bestens aufgelegtes Moldawisches Nationalballett stimmte mit Tschaikowskys „Der Nussknacker“ im Weseler Bühnenhaus auf Weihnachten ein.

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Peter Iljitsch Tschaikowskys weihnachtliches Ballett „Der Nussknacker“ stammt zwar aus dem Jahr 1892, doch bis heute begeistert es Erwachsene wie Kinder gleichermaßen. So sorgte es auch am Sonntagnachmittag im Bühnenhaus wieder für Adventsstimmung.

Die Aufführung des Moldawischen Nationalballetts riss die Zuschauer mit und die fast 30 Mitglieder starke Truppe aus Chisinau erntete am Ende stehende Ovationen.

Choreographie von Yuri Grigorovich

Das Moldawische Nationalballett sieht sich dem klassischen russischen Ballett verpflichtet. Die Choreographie seiner Nussknacker-Aufführung hat der berühmte Moskauer Choreograph Yuri Grigorovich entwickelt. Sie hatte 1962 am Bolschoi-Theater Premiere, mit einem Libretto von Marius Petipa, das noch aus den Hochzeiten des klassischen Balletts im 19. Jahrhundert stammt.

Die Tänzer aus der moldawischen Hauptstadt fühlen sich sichtlich wohl mit dem, was sie tanzen. Sie sprühen förmlich vor Kraft, Elan und Spielfreude und die gute Laune überträgt sich schnell auf das Publikum. Dass sie Spitzentanz beherrschen, versteht sich von selbst.

Weihnachtsempfang bei Präsident Silberhaus

Doch sie kommen auch mimisch ganz wunderbar rüber und können Humor und Komik tänzerisch umsetzen, wenn etwa eine ältere Frau aus besseren Kreisen, die sich schrecklich wichtig nimmt, mit ausgestrecktem Hinterteil zum Weihnachtsempfang bei Präsident Silberhaus wackelt.

Und um diesen Weihnachtsempfang geht es in dem Ballett, das auf einen Text von E.T.A. Hoffmann zurückgeht. Präsidententochter Klara bekommt von ihrem Patenonkel Drosselmeyer einen Holz-Nussknacker geschenkt, den ihr Bruder kaputt macht.

Einer der Höhepunkte des Abends ist dieser Nussknacker. Ganz in leuchtendes Rot gekleidet, tanzt er mit abrupten mechanischen Bewegungen und abstehenden Gliedmaßen wie ein hölzerner Hampelmann. Nach Ende des Weihnachtsempfangs träumt sich Klara in die Märchenwelt dieses Nussknackers, der darin als schöner Prinz erscheint.

Die lebenden Puppen in Klaras Traumwelt

Der Pas de Deux im zweiten Akt – kraftvoll-athletisch der Prinz, zerbrechlich und anmutig Klara, nun wie eine Braut im weißen Tutu – reißt mit. Ebenso ihr Walzer gen Ende.

In Klaras Traumwelt werden weitere Puppen lebendig, die für die Kinder unter dem Weihnachtsbaum lagen: Es kommt es zu einem Kampf zwischen dem Nussknacker und einem Mäusekönig und exotische Puppen-Paare aus dem Orient, China oder Frankreich führen Tänze zu Musik auf, bei der Tschaikowsky musikalische Elemente aus diesen Ländern verwendet hat.

Zu dem gelungenen Nachmittag tragen nicht unwesentlich die farbenfrohen Kostüme bei. Die chinesischen Puppen leuchten in gelbgrünen, kurzen Reifröcken, und in blauweißen Anzügen a la Dschingis Khan führen die orientalischen Puppen ihren Tanz auf.

Und besonders nett: die grauen Mäuse mit ihren spitzen Schnäuzchen. Die Truppe gab ihr bestes, und so vergaß man sehr bald, dass Tschaikowskys Musik nicht mit voller Kraft aus dem Orchestergraben, sondern etwas gedämpfter vom Band kam.

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