Brauchtum

Ein Abend voll und ganz „uf platt“ in Hamminkeln

Hans Beckmann, Josef Ketteler und Josef Seggewiß eröffnen den Plattdeutschen Abend  mit  plattdeutschen Liedern.

Hans Beckmann, Josef Ketteler und Josef Seggewiß eröffnen den Plattdeutschen Abend mit plattdeutschen Liedern.

Foto: Jens Uwe Wachterstorm / Funke Foto Services GmbH

Hamminkeln.  Lieder, Dönekes und typisch niederrheinisches Essen: Die St. Johannes Schützen Wertherbruch setzen eine Tradition fort.

Fürs Frühstück bleibt morgens in vielen Haushalten keine Zeit mehr, alles muss schnell gehen und den Kaffee, den gibt es nur noch als „Coffee to up de Hand“, sagte Hermann Schlebusch. Die Besucher nickten zustimmend, so haben sich doch einige ein bisschen in der Situation wiederfinden können. Schlebusch war einer von vier Rednern, die am Samstagabend ein „Dönekes“, also eine kurzweilige Geschichte, erzählten. Der St. Johannes-Schützenverein lud nämlich zum traditionellen plattdeutschen Abend ein.

80 Gäste kamen zum Plattdeutschen Abend

Seit 1987 findet dieser „plattdütsen Ovend“ alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Seniorennachmittag in der Bürgerhalle Wertherbruch statt. „Wir möchten die plattdeutsche Sprache aufrechterhalten, weil sie heute in der Schule zum Beispiel nur noch selten gelehrt wird“, erklärte Bernd Nievendick, Pressewart des Schützenvereins. Es waren vor allem die älteren Bürger, die Plattdeutsch noch problemlos verstanden und sprechen. So wurde der ein oder andere Plausch auch auf Platt am Samstag gehalten.

Rund 80 Gäste folgten der Einladung des Schützenvereins. „Wir sind zufrieden, auch wenn auffällt, dass es an Nachwuchs fehlt“, stellte Nievendick fest. Wie immer stand die Geselligkeit im Vordergrund. Deshalb durfte auch der kulinarische Höhepunkt nicht fehlen.

Mit dem Großeltern Platt gesprochen

Traditionell wurde „Muss met Mettwoss“, also Grünkohl mit Mettwürstchen serviert. „Es schmeckt sehr gut“, fand Brigitte Gottschalk, die den plattdeutschen Abend erstmals besuchte. „Ich finde die Veranstaltung toll. Ich habe als Kind mit meinen Großeltern ausdrücklich Platt gesprochen, da kommen Erinnerungen hoch.“

Josef Seggewiß, Hans Beckmann und Josef Ketteler alias die „Harmonika-Freunde Rhede“ sorgten während des Essens für die musikalische Untermalung. Sie spielten mit Akkordeon, Harmonika und Schlagzeug alte Volks- und Schunkellieder. Der Schneewalzer oder das Bodenseelied waren zum Beispiel dabei.

Erlebnisse aus dem Leben einer Erzieherin

Nach dem herzhaften Essen folgte die erste Rede „uf platt“. Hermann Schlebusch, ehemaliger Präsident des Schützenvereins, entschied sich, ein aktuelles Thema in seiner Bütt aufzugreifen. „Heutzutage hat doch kaum noch jemand spontan Zeit, obwohl wir dank technischer Möglichkeiten doch eigentlich viel mehr Zeit haben müssten.“ Ohne groß überlegen zu müssen, hielt er seine Rede auf Platt. Die Sprache fiel im sichtlich leicht. „Ich bin quasi zweisprachig aufgewachsen“, sagte er lachend.

„Ich spreche gerne noch das richtige Wertherbrucher Platt.“ Erika Uehsler aus Loikum berichtete in ihrer kurzweiligen und unterhaltsamen Geschichte über ihre Erlebnisse im Berufsleben als Erzieherin. Dazu gesellten sich zwei Gastredner: Erwin ten Freyhaus und Rolf Brögeler vom Heimat- und Verkehrsverein Brünen unterhielten die Gäste ebenfalls mit solch kleinen „Dönekes“.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben