Literatur

Rund 3000 Zuhörer in einer Woche Wesel liest

Vorlesepatin Ingrid Sommer trug im Dom Gedichte von Mascha Kaléko vor.

Vorlesepatin Ingrid Sommer trug im Dom Gedichte von Mascha Kaléko vor.

Foto: Thorsten Lindekamp / FFS

Wesel.  Bei der Abschlussveranstaltung der Literatur-Aktion stellte Ingrid Sommer im Dom Gedichte und das Leben von Mascha Kaléko vor.

Bevor Vorlesepatin Ingrid Sommer am Freitag im Willibrordi-Dom Gedichte und Geschichten von und über die jüdische Dichterin Mascha Kaléko vortrug, ergriff Bürgermeisterin Ulrike Westkamp das Wort. Zum Auftakt der Abschlussveranstaltung der Literatur-Aktion „Wesel liest“ zog sie ein positives Fazit: „Es war eine sehr interessante Woche mit rund 3000 Zuhörern, von denen etwa zwei Drittel Kinder und Jugendliche waren.“

Das Team der Stadtbücherei habe wieder ein tolles Programm auf den Weg gebracht, das sehr guten Zuspruch erfahren habe. Viele Lesungen hätten auch gerne noch mehr Zuhörer besucht, doch das sei aus Platzgründen nicht möglich gewesen.

Ausdrücklich danke Westkamp nochmal dem zum Jahresende scheidenden Büchereileiter Wolfgang Berg und „Erfinder“ von Wesel liest, für die „sehr gute Realisierung während der vergangenen Jahre.“

36.000 Gäste seit dem Beginn 2005

Und: Das hohe ehrenamtliche Engagement der vielen Helfer könne „nicht hoch genug wertgeschätzt werden“. Über 36.000 Gäste habe „Wesel liest“ mittlerweile seit dem Beginn im Jahr 2005 begrüßen können. „Wesel liest lebt nicht nur von guten Lesungen, sondern auch von interessanten Orten“, ergänzte Westkamp und leitete im sonnendurchfluteten Südflügel des Weseler Doms zu Ingrid Sommer über. Die 83-jährige Weselerin ist eine der Gründerinnen der Vorlesepaten der Stadtbücherei im Jahr 2004 und seitdem mit Feuereifer dabei.

Sommer gelang es geschickt, aus den etwa 650 Gedichten der jüdische Dichterin Mascha Kaléko zu zitieren und dazwischen Wissenswertes aus deren Leben zum Besten zu geben – teils ziemlich ernst, teils mit einem Augenzwinkern.

„Kaléko war immer jung: Sie sah immer jung aus, auch als schon schon 60 war“, trug Ingrid Sommer vor und begann interessanterweise mit einem Gedicht über den Tod: „Den eigenen Tod stirbt man nur, mit dem Tod der anderen muss man leben.“ Kaléko sei mit Informationen über ihr Leben sehr zurückhaltend gewesen, berichtet die 83-Jährige, doch viele ihrer Gedichte seien sehr biografisch.

Die Dichterin habe einmal geschrieben: „Die ganz privaten Lebensdaten, wird einst ihr Grabstein Euch verraten.“

Mascha Kaléko wurde 1907 galizischen Chrzanów geboren. „Ich war ein kluges Embryo, wollte nicht auf die Welt, erbarmte mich aber dann und suchte den Weg ins Unfreie“, zitiert Sommer.

Die Mutter habe Mascha als schwer erziehbares Kind bezeichnet, die Dichterin habe selbst einmal über sich gesagt: „Ich möchte nicht mein eigenes Kind gewesen sein. Mit knapp fünf Jahren lief ich von zu Hause fort, man hat mich wieder eingefangen – leider!“

Philosophin der kleinen Leute

Als junge Frau habe Mascha Kaléko dann geschrieben: „Zur Heimat erkor ich mir die Liebe.“ Dies sei für sie eines der schönsten Zitate der Dichterin, sagte Sommer. Öfter habe die Schriftstellerin, deren Texte später von den Nationalsozialisten als „schändlich und erwünschtes Schrifttum“ verboten wurden, aus dem Alltag ausbrechen wollen: „Man müsste eines Tages das Leben schwänzen.“

Dann schrieb sie von Liebe, Abschied, Einsamkeit, Sehnsucht und Traurigkeit. „Ihre Gedichte sind stets von einer Prise Ironie begleitet, sind eine Mischung aus Ironie und Witz. Sie wart eine Philosophin der kleinen Leute. Ich hätte sie gerne kennengelernt“, trug Ingrid Sommer vor.

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