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Schermbeck: Berufsreiter in Zeiten der Coronavirus-Krise

Natürlich fehlen ihm die Turniere, um die unter seinem Beritt befindlichen Schützlinge präsentieren zu können. Doch bei Berufsreiter Martin Sterzenbach ist wirtschaftlich noch alles im grünen Bereich, zudem besitzt er ein zweites berufliches Standbein

Natürlich fehlen ihm die Turniere, um die unter seinem Beritt befindlichen Schützlinge präsentieren zu können. Doch bei Berufsreiter Martin Sterzenbach ist wirtschaftlich noch alles im grünen Bereich, zudem besitzt er ein zweites berufliches Standbein

Foto: Frank Oppitz/FFS

Am Niederrhein.  Martin Sterzenbach verdient sein tägliches Brot als Berufsreiter. In Zeiten der Coronavirus-Pandemie fehlen dem 56-Jährigen die Turniere.

Er hat sein sportliches Hobby zum Beruf machen können. Eigentlich der Traum vieler. Doch in Zeiten der Coronavirus-Pandemie mit den ganzen Einschränkungen sind viele selbstständige Existenzen extrem gefährdet. Dieser Fall trifft für Martin Sterzenbach nicht zu. „Bis jetzt läuft alles normal und wirtschaftlich befinde ich mich im grünen Bereich“, sagt der Berufsreiter, der für den RV Lippe-Bruch Gahlen startet. Seine eigentliche Aufgabe ist es, Springpferde auszubilden und auf Turnieren vorzustellen. Allerdings sieht der 56-Jährige der Zukunft vor allen Dingen deshalb recht gelassen entgegen, da er noch über ein zweites berufliches Standbein verfügt.

Acht Vierbeiner hat Sterzenbach, im vergangenen Jahr Champion der Berufsreiter, unter seinen Fittichen. Er soll sie leistungsmäßig weiterbringen, die Turniere dienen dabei als Überprüfung der Form. Letztlich geht es darum, den Marktwert der Pferde zu steigern. Allerdings muss Martin Sterzenbach derzeit auf den Härtetest in Form von Turnieren komplett verzichten. Die letzte Veranstaltung war Anfang März beim Reit- und Fahrverein Warendorf, mit bis zu Zwei-Sterne-Springprüfungen der schwierigsten Klasse. Und da lief es gut. Zehn Mal platzierte er sich, bis auf Rang drei.

Besitzer lassen Pferde noch bei Martin Sterzenbach

Seitdem herrscht für den Solo-Unternehmer wie für alle Reitsportler kompletter Stillstand. Ob sich das Pferd in Sachen Nervenstärke weiterentwickelt hat, den Beweis kann Martin Sterzenbach nicht antreten. „Wenn es in den nächsten drei Monaten keine Turniere gibt, dann kann es natürlich sein, dass die Besitzer ihre Pferde nach Hause holen“, schildert der Berufsreiter ein mögliches Szenario. Allerdings baut der 56-Jährige auch ohne den Ernstfall einer Veranstaltung auf seine treue Kundschaft. „Die Besitzer, mit denen ich schon jahrelang zusammenarbeite, die haben vollstes Vertrauen zu mir.“ Da komme keiner zur Kontrolle vorbei.

Borgmann: „Für mich zum Glück jetzt nur ein Hobby“

Trotzdem hofft natürlich auch der Berufsreiter, dass die Zeit ohne offizielle Turniere möglichst schnell endet. Er hat den Monat Juni im Hinterkopf. „Aber eine verlässliche Prognose kann im Augenblick keiner abgeben. Es kann auch gut sein, dass unsere Freiluftsaison jetzt schon gelaufen ist“, sagt Martin Sterzenbach. Sein zweites berufliches Standbein hängt nicht von der Eindämmung der Coronavirus-Pandemie ab. Er bietet für Pferde und Hunde eine Magnetfeld-Therapie an. „Damit bin ich derzeit mehr unterwegs. Ich hoffe, dass ich mich so über Wasser halten kann.“ Letztlich sei er bezüglich der eigenen beruflichen Zukunft „recht entspannt, während es für viele andere eine wirtschaftliche Katastrophe ist“.

Die Zeit als Profi liegt für Vanessa Borgmann mittlerweile vier Jahre zurück. Nach ihrer abgeschlossenen Ausbildung hatte die Amazone des RFV Jagdfalke Brünen im Februar 2016 den Schritt gewagt, auf ein Jahr hatte sie den Versuch angelegt. Zusammen mit ihrem Erfolgspferd Caspar schlug die heute 27-Jährige ihre Zelte in Goch auf, beim Landestrainer Holger Hetzel. „So etwas wie die Coronavirus-Pandemie jetzt wäre für mich damals auf jeden Fall ein Problem gewesen“, meint Borgmann. Doch 2016 gab es für sie eine andere Schwierigkeit: Mit einer Fesselträgerverletzung fiel Caspar monatelang aus, die Profi-Karriere beendete Vanessa Borgmann deshalb bereits nach einem halben statt einem Jahr.

Heute wirkt sich die Corona-Krise auf den Reitsport aus. „Aber für mich ist das jetzt zum Glück nur ein Hobby“, sagt die Jagdfalke-Springreiterin. Nach dem Start Anfang des Jahres in Gahlen war aufgrund einer beruflichen Veränderung sowieso kein Hallenturnier mehr geplant. Im April in Eschweiler, den dortigen Großen Preis hatte sie 2015 gewonnen, wollte Borgmann in die Freiluftsaison einsteigen. Wie viele Turniere ist auch dieses abgesagt. Sie hofft, so schnell wie möglich unter Wettkampfbedingungen reiten zu können. „Natürlich trainiert man im Augenblick auch nicht so, als ob man sich auf ein Turnier vorbereitet“, erzählt die 27-Jährige.

So kann sie sich fast komplett dem Gesundheitszentrum widmen, das sie zusammen mit ihrem Freund Anfang Februar in Marl eröffnete. Allerdings wegen des Coronavirus nur für gut einen Monat. „Wir sind da recht entspannt. Im April kommt Physiotherapie dazu, die Kunden sind treu und das ausgefallene Training wird drangehängt“, sagt Vanessa Borgmann. Als Profisportlerin wären ihre Sorgen wohl größer.

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