Kriminalität

Wesel und Hamminkeln: Deutlich mehr Angriffe auf Polizisten

Ein Polizeiauto sowie ein Krankenwagen stehen vor dem Weseler Bahnhof.

Ein Polizeiauto sowie ein Krankenwagen stehen vor dem Weseler Bahnhof.

Foto: Symbolfoto(Archiv) Markus Joosten / FFS

Kreis Wesel.  Am Dienstag wurde ein 20-Jähriger aus Hamminkeln vom Amtsgericht verurteilt, der im April 2018 am Weseler Bahnhof auf Beamte losgegangen war.

Unter anderem wegen eines tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Beleidigung wurde ein 20-jähriger Arbeitsloser aus Hamminkeln am Dienstag in Wesel nach dem Jugendstrafrecht verurteilt.

Der Täter wurde verwarnt, muss vier Wochen in Dauerarrest und zudem 100 Sozialstunden leisten, weil er sich im April 2018 „wie ein Tier verhalten“ habe, so die Staatsanwältin und die Richterin in übereinstimmendem Wortlaut.

Diese Tat war eine von zwölf Angriffen auf Polizisten in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres – im Vergleichszeitraum des aktuellen Jahres 2019 hat sich diese Zahl mit 21 Delikten fast verdoppelt.

In Hamminkeln war der Anstieg sogar noch dramatischer: War es in den ersten zehn Monaten des Jahres 2018 noch ein einziger Übergriff, so registrierten die Polizisten von Januar bis Ende Oktober diesen Jahren sogar acht Taten gegen ihre Kollegen.

Hemmschwelle scheint zu sinken

„Die Hemmschwelle, Polizeibeamte oder im allgemeinen Rettungskräfte anzugreifen, sinkt“, erklärt dazu eine Sprecherin der Polizei auf NRZ-Anfrage. Die Motive seien vielfältig: Von Alkohol bis hin zu mangelndem Respekt sei die Palette sehr breit.

Drogen in Kombination mit Alkohol hatten wohl am 29. April 2018 bei dem damals 19-Jährigen dazu geführt, dass er nicht mehr Herr seiner Sinne war: Nachts um 1.18 Uhr war der junge Mann auf Gleis 3 des Weseler Bahnhofs von zwei Zugbegleitern aus einem stehenden Zug verwiesen worden, weil er sich aggressiv verhielt und keinen gültigen Fahrschein vorlegen konnte.

Täter sprang vor den Zug auf die Gleise

Als die Bahn gerade wieder anfuhr, sprang der Hamminkelner ins Gleisbett vor den Zug. Der Lokführer erlitt einen Schock, unter dem er noch heute leidet.

Ein Schaffner vermutete, der Mann sei schwer verletzt oder gar getötet worden, doch es kam anders: Der 19-Jährige kletterte die Lok hinauf und hielt sich an den Scheibenwischern fest, trat dann einen Spiegel ab und versuchte ins Führerhaus zu gelangen, indem er gegen die Tür trat und so einen Schaden von 700 Euro verursachte.

Als die herbeigerufene Polizei den Täter mit auf die Wache nehmen wollte, ging er auf die Beamten los: Unter anderem trat er einem Polizisten in den Unterleib und gegen die Hand. Er beleidigte die Ordnungshüter mit Worten und versuchte sie anzuspucken. Auch als er dann zur Weseler Wache mitgenommen wurde, wehrte er sich weiter heftig.

Zugbegleiter mit Zigarette attackiert

Zwar keinen Polizisten, jedoch einen Zugbegleiter griff er Monate später an: Wiederum war eine Fahrkartenkontrolle im Zug von Düsseldorf nach Emmerich Auslöser der Tat.

Wie das Opfer im Zeugenstand glaubhaft berichtete, ging der körperlich eigentlich deutlich kleinere Täter „äußerst aggressiv“ auf ihn los und schnippte ihm aus nächster Nähe eine brennende Zigarette ins Gesicht. Das Gericht wertete das als gefährliche Körperletzung.

Entschuldigung im Gerichtssaal

Zwar gab sich der 20-Jährige größtenteils geständig und „erklärte“ sich die Taten mit seinem Alkohol- und Drogenproblem. Er selber gab zu, seit seinem zwölften (!) Lebensjahr regelmäßig Drogen zu konsumieren.

Immerhin: Im Gerichtssaal entschuldigte er sich per Handschlag bei dem Lokführer sowie bei dem Zugbegleiter für seine Ausraster.

>>> RETTUNGSKRÄFTE IN WESEL UND UMGEBUNG OFFENBAR NICHT SO OFT BETROFFEN:

Einer der 25 Mitarbeiter der Johanniter-Unfallhilfe im Bereich Wesel wurde in diesem Jahr von einem Patient in einem Weseler Krankenhaus angegriffen und war danach dienstunfähig. Doch dies war glücklicherweise ein Einzelfall, wie Norman Hofmann, der Sprecher der Johanniter berichtet: „Gefühlt ist die Welt in Wesel noch ein bisschen heiler. Vielleicht macht sich aber bezahlt, dass wir schon in der Ausbildung Deeskalations-Training anbieten.“

Auch Thomas Verbeet, Leiter der Rettungswache der Weseler Feuerwehr, sagt, Angriffe auf seine Kollegen seien sehr selten und zum Glück „kein echtes Problem“.

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