Betreuung

Viel Betrieb in Weseler Kitas: "Eltern haben den Papp auf"

Die Kinder der Kita Schepersfeld freuen sich, dass sie in der Tagesstätte ihre Freunde treffen können. Auch im Lockdown sind die Kindergärten in Wesel gut besucht. 

Die Kinder der Kita Schepersfeld freuen sich, dass sie in der Tagesstätte ihre Freunde treffen können. Auch im Lockdown sind die Kindergärten in Wesel gut besucht. 

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Wesel  771 Kinder besuchen trotz des Lockdowns die Tagesstätten in Wesel, Tendenz steigend. Ein Grund ist die Überlastung in den Familien.

Trotz des Lockdowns und der Bitte, Kinder möglichst zu Hause zu betreuen, sind die Kitas in Wesel sehr gut besucht: Wie der zuständige Dezernent Rainer Benien mitteilt, tummeln sich derzeit 771 Kinder in den 35 Kitas der Stadt, das entspricht einer Quote von 37 Prozent. Maria Heynen, Kita-Verbundleiterin der Kirchengemeinde St. Nikolaus, spricht für die zehn katholischen Einrichtungen sogar von bis zu 50 Prozent Auslastung - und von steigender Tendenz. Grund dafür ist aus ihrer Sicht die Belastung der Familien: "Die können einfach nicht mehr." Auch Marion Barche, Einrichtungs-Leiterin und Fachaufsicht für die vier Kitas der Evangelischen Kirchengemeinde, spricht von hoher Nachfrage und hätte sich von der Regierung eine klare Regelung gewünscht.

Beruf, Homeschooling für die Größeren und Betreuung für die Kleinen, das funktioniert in vielen Familien auf Dauer nicht, stellt Maria Heynen fest. "Wir haben vermehrt Anfragen von Eltern, die ihre Kinder in der kommenden Woche bringen möchten". In einer dreigruppigen Einrichtung zum Beispiel werden derzeit 26 bis 30 Kinder betreut. Die meisten Eltern haben das 35- oder 45-Kontingent gewählt und erhalten derzeit zehn Stunden weniger - so sieht es das Land vor.

Sorge um mögliche Infektionen in den Kitas

Anfangs sei sie erschrocken gewesen über die Ankündigung aus Düsseldorf, dass der Betreuungsanspruch nicht auf systemrelevante Berufe beschränkt ist wie im Frühjahr, sagt Maria Heynen. Doch mit Blick auf den Stress in den Familien wertet Maria Heynen die Regelung mittlerweile als "gute Entscheidung".

Was bleibt, ist die Sorge um mögliche Infektionen. Die Kitas haben ihre Arbeit umgestellt, um Gefahren soweit wie möglich zu minimieren: Die Kinder müssen in festen Gruppen bleiben, die Erzieherinnen ebenfalls. Personal, das gerade nicht in der Betreuung benötigt wird, hält von zu Hause aus Kontakt zu den Kindern, die nicht in die Kita kommen. So muss, falls es zu einer Infektion kommt, nur die betroffene Gruppe in Quarantäne, erklärt Heynen.

Erzieherinnen können kaum Abstand halten

Nur Erzieherinnen mit einem erhöhten Risiko tragen auch in der Gruppe eine FFP2-Maske, die anderen verzichten auf Mund-Nasen-Schutz, "weil die Mimik für Kinder wichtig ist." Zwar versuche das Personal, zumindest bei den älteren Kindern Abstand zu halten, das ist spätestens dann unmöglich, wenn ein Kind getröstet werden muss. "Dann braucht das Kind einfach den Kontakt."

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Doch selbst wenn die Betreuungsanfragen weiter steigen, werden die katholischen Kitas diese nicht abweisen, versichert Maria Heynen. Sie rechnet damit, dass die Quote in der kommenden Woche auf 60 Prozent klettern wird.

Es gab bereits Corona-Ausbrüche in Kitas

Marion Barche berichtet für die vier Evangelischen Kitas in ihrem Zuständigkeitsbereich von großer Sorge um die Gesundheit der Erzieherinnen. Es hat , zum Beispiel in der Kita am Lutherhaus, die Barche leitet. 13 von 8 Mitarbeiterinnen waren infiziert, die Kita Ende Oktober/Anfang November komplett geschlossen. "Ich war selber sehr krank, ich möchte es nicht noch einmal haben", sagt Barche. Noch heute sind einige Kräfte nicht voll einsatzfähig.

Die Zahl der anwesenden Kinder liegt derzeit deutlich über der im ersten Lockdown - trotz höherer Infektionszahlen als im Frühjahr. Mit einem bloßen Appell, die Kinder daheim zu lassen, anstelle einer klaren Regel habe die Regierung Eltern den Schwarzen Peter zugeschoben und Erzieherinnen verunsichert: "Wir geben unser bestes, aber wir sind auch nur Menschen, die krank werden können."

Mütter und Väter stoßen an ihre Grenzen

Auf der anderen Seite beobachtet auch Marion Barche die Not in den Familien. Wenn drei, vier Kinder über Wochen zu Hause betreut werden und lernen müssen, geraten Mütter und Väter an die Grenzen. Gerade jetzt im Winter kann der Nachwuchs weniger vor die Tür. "Manche Eltern wissen nicht mehr, wie sie ihre Kinder beschäftigen sollen. Sie haben den Papp auf." Die Kleinen freuen sich, wenn sie endlich in die Kita dürfen.

Daher ist auch Marion Barche überzeugt, dass die Zahl der Kinder in den Kitas weiter steigen wird, besonders dann, wenn der Lockdown in eine weitere Runde geht. Und nicht selten benötigen Eltern wegen ihres Berufs weiter das 45-Stunden-Kontingent. Die feste Gruppenstruktur macht die Praxis nicht leichter: Wenn eine Erzieherin erkrankt, müsse die Gruppe geschlossen werden, so Barche, denn Ersatz sei wegen Erkrankung nicht da und auf andere Gruppen verteilt werden dürfen die Kinder nicht.

>> So ist Betreuungsbedarf in den Schulen

Während die Kitas im Schnitt zu 37 Prozent ausgelastet sind, stellt die Stadt in den Schulen einen deutlich geringeren Bedarf an Notbetreuung fest. In die Grundschulen besuchen 242 Kinder das Angebot, das sind 11,1 Prozent. Und nur 30 Fünft- und Sechstklässler werden in weiterführenden Schulen betreut, das sind gerade einmal 2,7 Prozent.

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