Abschied

Wesel: Der Mann mit der Fliege geht in Rente

Wolfgang Berg verabschiedet sich nach 30 Jahren von der Weseler Stadtbücherei. Es zieht ihn in den Norden.

Wolfgang Berg verabschiedet sich nach 30 Jahren von der Weseler Stadtbücherei. Es zieht ihn in den Norden.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services GmbH

Wesel.  Sein Berufsleben hat Wolfgang F. Berg dem Buch gewidmet. Nach 30 Jahren nimmt der Leiter der Weseler Stadtbücherei den Hut und zieht ans Meer.

Er selbst bezeichnet sich als „staatlich geprüfter Bücherwurm“, auch wenn Wolfgang F. Berg im Laufe der Jahre auch andere Aufgaben bewältigt hat. Nun geht der Leiter der Weseler Bücherei nach 30 Jahren in Wesel in den Ruhestand.

Dass er mal Bibliothekar werden würde, war ihm nicht in die Wiege gelegt worden. Zwar las er als Kind wahnsinnig gerne, aber nicht anspruchsvoll. „Nett erzählte Geschichten“ , sagt er selbst. Als Schüler in Bremerhaven sei er nicht gut gewesen: „Ich konnte nicht rechnen, war nicht gut in Latein.“ Aber trotzdem wollte er ursprünglich Lehrer werden, um es später einmal besser zu machen, als die Pädagogen seiner Kindheit.

Studienzeit als die entspannteste Zeit seines Lebens

Letztendlich studierte er dann doch Bibliothekswesen. Dazu verschlug es ihn, das Nordlicht ins schwäbische Stuttgart. Kulturschock? Vielleicht ein wenig, aber vor allem eine wahnsinnig schöne Studienzeit in der ehemaligen Villa des Schuhfabrikanten von Salamander im „gelobten Land“, wie er Schwaben beschreibt. Gemütlich habe er noch studieren können, nicht wie die heutigen Studenten mit all dem Druck: „Es war die entspannteste Zeit meines Lebens.“

Danach ging es nach Braunschweig, nach Helmstedt und schließlich im März 1989 nach Wesel. Das weiß er deshalb aus dem Effeff, weil zu dieser Zeit seine Tochter geboren wurde. Ob er seinen Berufswunsch jemals bereut hat? „Nie“ kommt es wie aus der Pistole geschossen. Obwohl der Verwaltungsanteil gestiegen und das Beraten der Kunden und das Lesen in den Hintergrund getreten ist.

Das Buch wird bleiben – den neuen Medien zum Trotz

Auch wenn im Laufe der Zeit viele immer wieder den Abgesang auf das Buch und die Bücherei angestimmt haben, gehört Wolfgang Berg nicht zu diesen Zeitgenossen. Er erinnert sich noch, wie Viele glaubten, das Internet sei das Ende des Buchs. So ist es nicht gekommen und so wird es künftig auch nicht kommen, ist Berg überzeugt.

Und, wenn er in der Bücherei die Schlüssel abgibt, wird er einen komplett neuen Lebensabschnitt mit seiner Frau beginnen. Nicht am Niederrhein, sondern an der Nordsee. Nach Büsum will er ziehen, vom Haus mit Garten in eine Wohnung mit Aufzug. Nur der DLRG, für die er sich auch in Wesel engagiert hat, will er an der Küste treu bleiben und den dänischen Briefmarken, die er sammelt.

Die Küste ruft mit Wind und gepulten Krabben

„Ich freu mich schon total auf die Küste. Deich, Wind, Ebbe, Flut, frischer Fisch, Krabben pulen“, schwärmt Berg. Es sei natürlich eine Herausforderung, dieser Neuanfang für die Bergs. Aber , davon ist Berg fest überzeugt, es wird bestimmt „ganz toll“.

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