Comedy

Comedian Malsheimer mit selbstverliebtem Auftritt in Wesel

Jochen Malmsheimer.

Jochen Malmsheimer.

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Wesel.  Der Comedian Jochen Malmsheimer liefert am Mittwochabend eine durchwachsene Vorstellung in der Niederrheinhalle Wesel ab. Eine Kritik.

Die Lacher der „vieläugigen Bestie Publikum“ hatte Comedian Jochen Malmsheimer am Mittwochabend im Bühnenhaus des Öfteren auf seiner Seite, denn er kann Wortwitz. Doch nach der Pause kam er nur noch selbstverliebt in die eigene Bildung rüber.

Und um Bildung ging es ihm hauptsächlich in seinem Programm „Dogensuppe Herzogin – ein Austopf mit Einlage“. Bevor er sein Reisetagebuch einer Bustour nach Venedig beginnt, ziert er sich zunächst ein wenig und schiebt seinem Agenten die Schuld in die Schuhe, dass er wieder mit einem neuen Programm unterwegs ist.

Performance lässt zu wünschen übrig

Er schwadroniert über Zuschauer, die Kunst für eine Zugabe von Catering halten und über Künstler, die sich überschätzen. Und lädt damit gleich zur ersten Kritik ein: Er sollte an seiner Performance arbeiten.

Denn oft spricht er dermaßen schnell und undeutlich, dass man ihn nicht versteht. Oder will er damit nur verhindern, dass man zu genau darüber nachdenkt, was er sagt? Das wird Malmsheimers Geheimnis bleiben.

Einmal auf seiner Bustour, die ihm die Gattin verordnet hat, weil er nicht fliegen will, wird es lustig. Er beklagt sich launig über die zwölf Stunden, die ihm bis Venedig bevorstehen, jammert über seine Arthritis-Arthrose-Knie, über die unbequemen Sitze im Bus und zieht lustig-wohlwollend die Mitreisenden durch den Kakao. Da kriegen die Rentner in ihren Windjacken ihr Fett weg, wenn sie sich mit Mutti und Vati anreden und vermutlich von Sexualität auf gemeinsame Bügelabende umgestellt haben.

Erinnerungen an Daktari oder Lex Barker

Die Jugend muss sich - wie inzwischen in jedem Kabarettprogramm - das stetige Glotzen auf das Smartphone vorwerfen lassen. Die jungen Leute reden nicht miteinander, sondern tippen, selbst wenn sie nebeneinandersitzen, krittelt er augenzwinkernd, und wenn sie denn sprechen, verstehe er ihre Sprache nicht.

Städte, an denen der Bus vorbeifährt, animieren ihn zu Wortspielen mit Städtenamen, in dem er ähnlich klingende Verben durch sie ersetzt. Harmlos, aber nett. Ebenso nett sind seine Erinnerungen an die Fernsehnachmittage seiner Kindheit, an Daktari oder Lex Barker als Old Shatterhand – für die, die er „Generation Glotz aufs Handy“ nennt, aber eher unverständlich.

Unwichtiges, Unverständliches und Absurdes

Doch seine Zielgruppe sind ohnehin eher ältere Semester. Sehr treffend gelingt ihm seine Abrechnung mit Talk Shows, wenn er sie als Persiflage auf sich wichtig nehmende Menschen anlegt, die Unwichtiges, Unverständliches und Absurdes von sich geben.

Ein halb vergorener Kartoffelsalat, dem ihm eine Mitreisende in der obligatorischen Tupper-Dose aufgezwungen hat, lässt unseren Busreisenden nach der Pause in unruhigen Schlaf mit Albträumen fallen. Und albtraumartig mutet auch an, was er nun präsentiert.

Appell für das Lesen misslingt

In seinen Träumen trifft Bildungsbürger Jochen Malmsheimer auf die Helden aus den Büchern seiner Kindheit und Jugend - Odysseus, Sam Hawkins, Robin Hood, Winnetou, Martin Luther, um nur einige zu nennen. Und beginnt um sie herum stakkato zu fabulieren: Luthers Blähungen infolge von zuviel Bohnen kommen dabei ebenso vor wie Breitseiten gegen die AfD und der sich breit machende Mangel an Bildung. Folgen kann man kaum. Was als Appell für das Lesen gedacht ist, verbreitet über weite Strecken Unverständnis und Langeweile.

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