Rätselfoto

Als an einem Sonntag 1973 Pferde in Witten Autos ersetzten

Ein ungewöhnliches Foto, das am 25. November 1973 in Heven vor der damaligen Gaststätte Pothmann gemacht wurde. Es war der erste autofreie Sonntag des Jahres 1973. Diese Reiter ließen ihre Wagen stehen und waren aufs Pferd umgestiegen.

Ein ungewöhnliches Foto, das am 25. November 1973 in Heven vor der damaligen Gaststätte Pothmann gemacht wurde. Es war der erste autofreie Sonntag des Jahres 1973. Diese Reiter ließen ihre Wagen stehen und waren aufs Pferd umgestiegen.

Foto: Davide Bentivoglio

Witten.  Sportlich nahmen einige Bürger den ersten autofreien Sonntag 1973. Sie stiegen aufs Pferd um. An was sich Leser noch so erinnern.

Unser Bilderrätsel vom 17. August zeigt die Gaststätte Pothmann, vor der Reiter ihre Pferde „geparkt“ hatten. Ein Hingucker. Viele Leser kennen des Rätsels Lösung und haben uns geschrieben. Das Foto schoss der Wittener Fotograf Davide Bentivoglio am 25. November 1973 in Heven. Das Datum ging als bundesweit autofreier Sonntag in die Geschichte ein. Ein Tag, an den die meisten noch rege Erinnerungen haben, die ihn erlebten. Die Bundesregierung reagierte mit dem „autolosen Sonntag“ auf die damalige Ölkrise. 1973 folgten dann noch drei weitere autofreie Sonntage. Unser Rätselfoto entstand an der Hevener Straße 50. Die Gaststätte Pothmann gibt es schon viele Jahre nicht mehr. Das Gebäude wurde abgerissen, an der Stelle wurden Wohnhäuser gebaut.

Das Foto mit den Pferden und Reitern entstand am 25. November 1973. Mein Vater, Falk Breidenstein, war einer der Initiatoren dieser Reitergruppe. Die Gruppe ritt von dem Reiterhof Nockemann in Herdecke, an der Stadtgrenze zu Witten-Schnee gelegen, bis nach Heven. Wir wohnten dort seinerzeit auf dem Steinhügel. Mein Vater ist auch auf dem Foto zu erkennen – links zwischen den beiden Pferden in Höhe der Sättel schaut sein Kopf hervor. Ebenfalls gut zu erkennen ist Brigitte Schmidt (das 4. Pferd von links haltend), die mit ihrem Mann Jürgen Inhaber des vormaligen Porzellangeschäftes Herrmann am Berliner Platz waren. Gute Freunde meiner Eltern. Im Vordergrund sieht man ihre Tochter Claudia, nach links laufend mit Gläsern in der Hand. Es war nicht das erste Mal, dass mein Vater derartige Ausflüge machte. Einmal betrat er mit seinem Pferd Fantast sogar eine Gaststätte. Das Pferd trank aus dem Spülbecken hinter der Theke. Heute wahrscheinlich undenkbar.
Nils Breidenstein
, Ortigia/Sizilien

„Vatta trank immer ein Pilsken“

Ein autofreier Sonntag und einige Leute nutzten den Tag zum Ausritt! Die Gaststätte Pothmann in Heven. 150 Meter weiter war auf rechten Seite ein Sportplatz, heute alles bebaut. Vatta trank immer ein Pilsken und ich bekam ein Stößchen Dunkelbier! Michael Röder

Statt Autos Pferde auf dem Parkplatz. Das lässt auf einen autofreien Tag schließen. Auch im Dezember 1973 gab es einen autofreien Sonntag, an dem man sich gefahrlos auf sonst stark befahrenen Straßen aufhalten konnte. So war es meiner Mutter völlig problemlos möglich, mit Kinderwagen die sonst stark befahrene Ardeystraße außerhalb der Ampeln zu überqueren. Christina Wildvang

Mutter streichelte den Kopf eines Pferdes

Das Foto muss an einem der vier aufgrund der damaligen Ölkrise verordneten autofreien Sonntage im November/Dezember 1973 entstanden sein. Meine Eltern und ich sind an diesem Sonntag an der Gaststätte Pothmann in Heven gewesen, wo die Pferde „parken“ durften. Auf dem Foto sieht man meine Mutter, die gerade den Kopf eines Pferdes streichelt. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber meine Mutter meint, ich sei das Mädchen, das gerade auf den Apfelschimmel ganz vorne klettern will.
Claudia Plohmann

„Die Scheichs hatten den Ölhahn zugedreht“

Das Rätselfoto erinnert mich an das Jahr 1973 und die autofreien Sonntage. 1973, Fußgänger, Fahrräder, ja auch Pferde, hatten an vier Sonntagen vor 46 Jahren auf unseren Straßen „Vorfahrt“. Autos mussten in der Garage bleiben. Die Scheichs hatten den Ölhahn zugedreht. Die Öl-Förderländer setzten ihre Ressourcen im israelitisch-arabischen Konflikt erstmals als politisches Druckmittel ein. Was ein Leben ohne Auto bedeutet, wurde mir und Freunden an diesen vier Sonntagen, damals war ich 29 Jahre alt, klar. Mit Freunden war sonntags sonst stets eine Ausflugsfahrt mit dem blank polierten Auto angesagt. Die Sonntagsspaziergänge auf der Autobahn, der Crengeldanz-, der Sprockhöveler-, der Ruhr- und der Bahnhofstraße haben uns die Laune nicht verdorben. Wer sich an den vier autofreien Sonntagen trotzdem ans Steuer setzte, musste mit einer Strafe von 500 Mark rechnen.

Am 25. Dezember 1973 meldete Kuwait das Ende der Öl-Produktionskürzungen. Damit war auch die Krise beendet. Anfang Januar 1974 sprach sich Willy Brandt gegen weitere Fahrverbote aus. Lange haben wir uns bei passenden Gelegenheiten positiv an diese autofreien Sonntage erinnert. Heute denke ich, damals hätten wir mit dem Umdenken beginnen sollen, aber der Mensch verfällt gern wieder in den alten Trott – und rückblickend ist man immer schlauer.
Werner Schultze, Brokdorf



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