Neuführung 310

Bahnbrücke bremst Neubau für Straßenbahn in Witten aus

Der Oldtimer passt locker durch die „Mausefalle“ am Crengeldanz hindurch. Mitte 2017 hat ESW den Kanal hier unterirdisch vorgetrieben.

Der Oldtimer passt locker durch die „Mausefalle“ am Crengeldanz hindurch. Mitte 2017 hat ESW den Kanal hier unterirdisch vorgetrieben.

Foto: Archiv, Thomas Nitsche

Witten.   Die Bogestra bestätigt die Verzögerung der 310-Erweiterung. Als Grund führt sich die Unterführung am Crengeldanz an. Die Bahn erwägt einen Neubau.

Was in Bochum seit einigen Wochen als Gerücht die Runde machte, hat die Bogestra nun bestätigt: Die Erweiterung der Straßenbahnlinie 310 durch Langendreer nach Witten verzögert sich um ein Jahr. Die Gründe dafür liegen zum Teil in der Vergangenheit, in der es vor allem im Bauabschnitt zwischen dem Markt und dem S-Bahnhof in Langendreer zu erheblichen Verzögerungen kam. Es liegt aber vor allem auch daran, was noch vor der Bogestra liegt: die Bahnunterführung am Crengeldanz in Witten.

Baubeginn für Lückenschluss jetzt Mitte 2019

Die erste 310 sollte im Herbst 2019 über die neue Streckenführung zwischen Witten und Bochum fahren. Dann nicht mehr über Kalte­hardt, sondern durch Langendreer. In der Sitzung der Bezirksvertretung Bochum-Ost am späten Freitagnachmittag (7.12.) hat die Bogestra jetzt eingeräumt, dass dieser Zeitplan nicht zu halten sei. Baubeginn der Bauabschnitte B und C zwischen der Stiftstraße in Langendreer und dem Crengeldanz in Witten soll nun Mitte 2019 sein, die Inbetriebnahme der neuen Strecke im September 2020 – voraussichtlich.

Denn es gibt noch Unabwägbarkeiten. Hauptproblem ist die Crengeldanzbrücke. Dort bleiben in der „Mausefalle“ immer wieder Lkw an der Fahrdrähten hängen und beschädigen diese, weil die Fahrer die Höhe falsch einschätzen. Um nach oben hin mehr Luft zu haben und solche Störfälle für den Straßenbahnbetrieb künftig auszuschließen, sollte nach den bisherigen Plänen im Bereich der Brücke die Fahrbahn abgesenkt werden. Die Genehmigung der Deutschen Bahn dafür liegt der Stadt Witten und der Bogestra vor, die Zustimmung des Eisenbahn-Bundesamtes steht noch aus. Das kann erfahrungsgemäß dauern.

Neue Bahnbrücke „bis 2028“

Seit Montag (3.12.) vergangener Woche gibt es aber noch eine ganz andere Entwicklung. „Seitdem liegt uns ein Schreiben der Deutschen Bahn vor, in der mitgeteilt wird, dass man einen Neubau der Brücke bis 2028 erwägt“, teilte Carsten Daldrup, Geschäftsbereichsleiter Infrastruktur bei der Bogestra, der Bezirksvertretung Bochum-Ost mit. „Das hat uns sehr überrascht.“

Und führt nun zu neuen Überlegungen. Daldrup: „Da wir seriös mit den Geldern umgehen wollen, wägen wir genau ab, ob wir jetzt einen sechsstelligen Betrag für die Fahrbahnabsenkung in die Hand nehmen sollen, wenn die Bahn die Brücke in ein paar Jahren neu baut.“

Vario-Bahnen passen unter alter Brücke durch

Man hänge nun am Fliegenfänger der Bahn, sagte Carsten Daldrup. Denn es sei nicht klar, ob die Bahn die Brücke im alten Stil erneuert oder eine ganz neue, optimierte baut, wodurch eine Absenkung der Fahrbahn nicht mehr nötig wäre. Wegen dieser Unabwägbarkeiten will die Bogestra die beiden Bauabschnitte, so weit es geht, fertigstellen – und die Crengeldanzbrücke außen vor lassen. Daldrup: „Unsere Vario-Bahnen können ja drunter her fahren. Aber das Problem mit den Lkw, die unsere Fahrdrähte abreißen, bleibt.“

>> Kosten noch im Rahmen

Was die Kosten angeht, befinde man sich im vorgegeben Rahmen bei 59,3 Millionen Euro, teilte Carsten Daldrup (Bogestra) mit. Die beiden bevorstehenden Bauabschnitte mit dem Lückenschluss zwischen Stiftsstraße/ Langendreer und dem Crengeldanz in Witten könnten die Kosten noch in die Höhe treiben.


Daldrup: „Der Bau-Boom sorgt eben für höhere Preise.“ Auch sei längst nicht sicher, ob man bei der Ausschreibung auch sofort eine Baufirma finde.

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