Coronavirus

Corona: So geht es Wittener Senioren in der Heim-Isolation

Nähe auf Distanz: Erika Hackmann, die im Altenzentrum St. Josefshaus in Witten-Herbede wohnt, winkt einem Besucher vom Balkon aus zu. Wegen des Corona-Virus' ist Näherkommen nicht erlaubt.

Nähe auf Distanz: Erika Hackmann, die im Altenzentrum St. Josefshaus in Witten-Herbede wohnt, winkt einem Besucher vom Balkon aus zu. Wegen des Corona-Virus' ist Näherkommen nicht erlaubt.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Witten  Die Isolation belastet Bewohner und Mitarbeiter der Wittener Heime sehr. Die gute Nachricht: Infizierte Seniorin ist auf dem Weg der Besserung.

Eine gute Nachricht: Die Seniorin, die sich im Wittener Awo-Altenheim an der Egge mit dem Coronavirus infiziert hat, ist auf dem Weg der Besserung, liegt aber noch in der Klinik. Das teilt der EN-Kreis mit. Für die sechs Mitarbeiter und einen Bewohner des Heims, die ebenfalls getestet wurden, konnte er inzwischen Entwarnung geben. Sie sind nicht infiziert, bleiben aber zur Sicherheit weiter in Quarantäne. Ausgerechnet ein grassierender Noro-Virus habe sich wahrscheinlich positiv ausgewirkt, heißt es: Dadurch war die Patientin vorher schon isoliert, hatte nicht viel Kontakt.

Weitere Infizierte gibt es bislang in den Wittener Seniorenheimen offenbar nicht. Dennoch: Angesichts von 79 Corona-Todesfällen in Heimen in NRW (Stand Freitag) herrscht auch in den Wittener Einrichtungen der absolute Ausnahmezustand. Um die Bewohner nicht zu gefährden, sind Besuche nicht mehr erlaubt, die Pflegerinnen und Pfleger arbeiten unter höchsten Sicherheitsmaßnahmen."Denn wir wissen nicht, ob es die Ruhe vor dem Sturm ist", mahnt Andreas Vincke, Einrichtungsleiter der Feierabendhäuser.

"Die Situation ist für alle sehr belastend"

"Die Situation ist für alle sehr belastend", sagt auch André Löckelt, Geschäftsführer im St. Josefshaus Herbede. Die Bewohner vermissten ihre Lieben "schon arg", die die Isolation mache vielen Bewohnern schwer zu schaffen. "Manche sagen: Lasst mich raus, ich habe einen Krieg überlebt - dann sterbe ich jetzt eben an einem Virus", so Löckelt. Diese Menschen emotional aufzufangen sei nicht leicht. "Man muss viel sprechen, Ängste nehmen, erklären, was gerade passiert", so der Herbeder Geschäftsführer. Manche Bewohner könnten es nicht einmal mehr ertragen fernzusehen, das erlebt Vincke in den Feierabendhäusern. "Immer nur Corona, immer nur schlechte Nachrichten."

Um den Kontakt nach außen zu halten, haben die Einrichtungen technisch aufgerüstet - Smartphones, Ipads und Skype-Telefonie wurden eingerichtet. In Herbede können die Senioren über ein Heim-Handy Video-Telefonate mit ihren Familien führen. "Das finden die echt cool", so Löckelt. Aber auch für die Angehörigen seien die Bilder wichtig. "Die wollen ja sehen, dass es ihren Lieben gut geht."

Gottesdienste und Ständchen im Innenhof

Zumindest aus der Ferne können sie sich auch persönlich davon überzeugen. Draußen vor der Scheibe stehen die Besucher, die Bewohner drinnen oder auf ihren Balkons. Im Herbeder Josefshaus haben auf diese Weise schon Gottesdienste stattgefunden - und es gab ein Ständchen zu einem 80. Geburtstag. Löckelt: "Das zu sehen, ist traurig und süß zugleich."

Auch für die Mitarbeiter in der Pflege und im Sozialen Dienst sei die Situation eine echte Herausforderung. "Die erbringen in diesen Tagen Höchstleitungen", so der Herbeder. Um die Bewohner in der Isolation so gut wie möglich zu versorgen, würden ohne zu Murren zahlreiche Überstunden gemacht. "Alle sehen die Notwendigkeit ein." Die Sorge um die Gesundheit ihrer Schützlinge mache den Kräften dabei emotional aber sehr zu schaffen. Viele Mitarbeiter hätten Familie, kleine Kinder und sorgten sich daher, dass sie den Virus vielleicht ins Heim bringen könnten. "Sie wissen um die riesige Verantwortung, die sie gerade tragen und sind entsprechend vorsichtig."

Heime schaffen Lichtblicke für die Bewohner

Das bestätigt auch Fabian Tigges von der Diakonie Mark-Ruhr, die das Lutherhaus in Bommern betreibt. Die Corona-Krise sei für die Mitarbeiter eine ganz besondere Belastung. "Aber wir erleben auch, dass die Kollegen in dieser Situation als Team enger zusammenwachsen und viel rücksichtsvoller miteinander umgehen", so Tigges, der allen Mitarbeitern ein "riesengroßes Kompliment" für die geleistete Arbeit aussprechen möchte.

Auch in Bommern und den Feierabendhäusern ist das Programm für die Bewohner in der Isolation komplett umgestellt worden. In den Wohnbereichen wird zusammen gebacken, es gibt besondere Wellness-Angebote für Kopf, Haare, Nägel. "Man muss was machen, Lichtblicke schaffen", erklärt Vincke. So wurde am Freitag Eis für alle in den Feierabendhäusern verteilt."Trübsal blasen bringt nichts - und Panik ist sowieso ein schlechter Ratgeber." Doch trotz aller Versuche, das Beste aus dem Ausnahmezustand zu machen, klagt auch Vincke, der sonst immer viele kulturelle Veranstaltungen ins Haus holt: "Es ist so leise hier, viel zu leise."

>>> AUSNAHMEN AM STERBEBETT

Besuche in den Altenheimen sind derzeit nicht gestattet. Ausnahmen gibt es für Bewohner, die im Sterben liegen. André Löckelt vom St. Josefshaus in Herbede erklärt: "Es wäre furchtbar, wenn wir Angehörigen nicht die Möglichkeit geben würden, Abschied zu nehmen."

Auch Neuaufnahmen sind weiterhin möglich. Die neuen Bewohner müssen dann allerdings zunächst für 14 Tage in Quarantäne auf ihrem Zimmer bleiben.

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